Fulda (05.04.) – Fahrt durch die hügelige Landschaft der Rhön

Nach unserem gestrigen Spaziergang durch Fulda stand heute eine Fahrt durch die Rhön auf unserem Programm. Vom Fenster unseres Hotelzimmers im siebten Stock hatten nach dem Aufstehen erst einmal einen schönen Blick auf Fulda.

Die Türme des Doms verstecken sich hinter dem Bau der Stadtpfarrkirche

Das Mittelgebirge, das sich über die Bundesländer Bayern, Hessen und Thüringen erstreckt, ist bekannt für seine offene, baumlose Landschaft. Unser erstes Ziel war die Wasserkuppe, mit 950 Metern ü.NN. der höchste Berg Hessens und der Rhön. Die Wasserkuppe gilt als Geburtsstätte des Segelflugs – bereits in den 1920er-Jahren nutzen Flugpioniere die günstigen Windverhältnisse für erste Segelflugversuche.

Heute war jedoch nicht an Segelflug zu denken. Der in der offenen Landschaft exponierte Berg empfing uns mit starkem Wind, die Wasserkuppe ist nicht umsonst einer der windreichsten Orte in Deutschland. Vom Parkplatz aus führte ein gut ausgebauter Weg zum Gipfel, wo die markant weiße Radarkuppel RADOM an die Zeit des Kalten Krieges erinnert. Die Rhön war seinerzeit Zonenrandgebiet.

Das RADOM (Abkürzung für einen Radar Dome) als Wahrzeichen für die Region ist eine geschlossene Hülle, die Antennen für Messungen oder Datenübertragungen schützt

Der Ausblick vom Gipfel ist beeindruckend: An diesem windigen Tag mussten wir uns allerdings festhalten, um nicht weggeweht zu werden. Von hier oben war mit Sicherheit bereits unser nächstes Ziel, das Schwarze Moor zu erkennen, sofern wir in die richtige Richtung geblickt hätten.

Blickfang auf dem Gipfel ist der hölzerne Rahmen, der die Landschaft in den Mittelpunkt der hessischen Natur- und Klimaschutzkampagne stellt
So idyllisch, wie es auf dem Foto aussieht, war es durch den Sturm tatsächlich nicht

Weiter ging es über hügelige Straßen zum Schwarzen Moor, einem der bedeutendsten Hochmoore Mitteleuropas. Das Naturschutzgebiet liegt auf einer Höhe von etwa 770 Metern und erstreckt sich über eine Fläche von rund 66 Hektar. Ein 2,5 Kilometer langer Bohlenweg führt durch das Moor und ermöglicht Besuchern, dieses sensible Ökosystem zu erkunden, ohne die empfindliche Moorvegetation zu beschädigen. Der Rundweg ist mit zahlreichen Informationstafeln ausgestattet, die über die Entstehung, die Flora und Fauna sowie die ökologische Bedeutung des Moors informieren.

Das Moor begann sich vor etwa 12.000 Jahren, nach dem Ende der letzten Eiszeit, zu bilden. Die Torfschicht ist heute stellenweise bis zu sieben Meter dick. Hochmoore sind äußerst nährstoffarme Lebensräume mit niedrigem pH-Wert, die nur von spezialisierten Pflanzen besiedelt werden können. Das Wasserreservoir solcher Hochmoore speist sich ausschließlich aus Niederschlägen, die aufgrund einer wasserundurchlässigen Schicht nicht versickern können. Der Rundweg führte uns letztendlich zu einem Aussichtsturm, von dem man einen guten Überblick über das gesamte Moorgebiet erhält.

Eine gute Möglichkeit, sich einen Überblick über die Ausdehnung des Moors zu verschaffen
Nur wenige Bäume siedeln sich im Moor an, darunter die im Vordergrund stehenden und noch nicht belaubten Moorbirken

Für unseren dritten und letzten Stopp mussten wir erneut einen Berg erklimmen. Der Kreuzberg, bereits im bayrischen Teil der Rhön gelegen, ist mit 928 Meter nur 22 Meter niedriger als die Wasserkuppe. Seit dem 17. Jahrhundert ist der Berg ein bedeutender Wallfahrtsort und wird auch als “Heiliger Berg der Franken” bezeichnet. Die Wallfahrtstradition geht auf das Jahr 1681 zurück, als auf dem Gipfel drei Kreuze zur Erinnerung an die Kreuzigung Christi errichtet wurden.

Heute befindet sich auf dem Gipfel eine Kreuzigungsgruppe mit lebensgroßen Figuren. Am Fuß des Hügels steht die Wallfahrtskirche zum Heiligen Kreuz, die zwischen 1682 und 1692 erbaut wurde. Für einen Ostersonntag herrschte in ihr eine andächtige Stille, nur wenige Besucher hatten sich hierher verirrt, zum Gottesdienst waren sicher mehr Besucher hier.

Blick in die Kirche des Franziskanerklosters

Ganz anders präsentierte sich die angrenzende Gaststätte des Kloster Kreuzbergs mit deftiger fränkischer Küche: Hier herrschte Hochbetrieb. Das Kloster wird seit 1731 von Franziskanermönchen betrieben, die auch die traditionsreiche Klosterbrauerei führen. Die Gaststätte war bis auf den letzten Platz gefüllt, das Klosterbier lockt mittlerweile wohl mehr Besucher hierher als die Wallfahrtskirche.
Nach einer Stärkung machten auch wir uns auf zu den drei auf dem Gipfel des Bergs stehenden Kreuzen, die dem Golgotha-Hügel in Jerusalem nachempfunden sind.

Nur noch wenige Stufen, dann haben auch wir es bis ganz nach oben geschafft
Vom Kreuzberg aus ist in der Ferne das RADOM auf der Wasserkuppe zu erkennen

Danach machten wir uns auf den Rückweg nach Fulda, erneut durch die charakteristische Rhön-Landschaft vulkanischen Ursprungs: sanft gewellte Hügel, weitläufige Wiesen, vereinzelte Gehöfte und kleine Dörfer. Die heutigen Basaltkuppen wie die Wasserkuppe sind die erodierten Reste ehemaliger Vulkane. Die markanten Rhönschafe, die als Werbeträger für die Landschaft eingesetzt werden, bekamen wir leider nur an einer Stelle zu Gesicht. Sie sind die Architekten der Landschaft und halten die Landschaft baumfrei und offen.

Nach knapp einer Stunde Fahrt in Fulda angekommen steuerten wir direkt die Pizzeria Davis am Rande der Altstadt an. Die neapolitanische Pizza mit softem dicken Rand und der anschließende Espresso waren hervorragend, ein schöner Abschluss für den Tag.

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