Fulda (04.04.) – Barockstadt am Fuße der Rhön

Bereits über 15 Jahres ist es her, dass wir Fulda einen Besuch abgestattet haben. Der Dom mit dem großen Vorplatz ist uns in Erinnerung geblieben – aber nicht viel mehr. Es bedurfte also dringend einer Auffrischung.

Zum erneuten Kennenlernen hatten wir einen zweistündigen Stadtrundgang für 14 Uhr gebucht. Der Andrang der Gäste am Ostersamstag war so groß, dass sich die 40 Teilnehmer auf zwei Gästeführer aufteilen mussten. Unser Guide hatte zu Beginn Schwierigkeiten, sich mit seiner Stimme gegen die durch mit Holzklappern und Ratschen “bewaffneten” Einheimischen zu behaupten, die durch die Stadt ziehend von Gründonnerstag bis Karsamstag die schweigenden Kirchenglocken ersetzen. Die “Ruhestörung” endete dann aber schnell, als die Gruppe weiterzog.

Zunächst einmal ein paar Fakten zu Fulda und seiner Geschichte: Die Stadt liegt am gleichnamigen Fluss, eingebettet zwischen Rhön und Vogelsberg und profitiert davon, dass die Metropolen Frankfurt und Kassel jeweils ca. 100km entfernt liegen und seit 1991 der ICE der Deutschen Bahn hier hält. Bekannt ist Fulda mit seinen 70.000 Einwohnern vor allem als Barockstadt und Bischofsstadt und wird in diesem Jahr mit Sicherheit noch größere Bekanntheit erlangen als Ausrichterin des Hessentags. Vom 12. – 21. Juni werden Konzerte und Veranstaltungen tausende Besucher in die Stadt locken.

Die Geschichte der Stadt beginnt im Jahr 744, als der Benediktinermönch Sturmius im Auftrag des Heiligen Bonifatius ein Kloster gründete – an genau der Stelle, wo sich heute der Dom befindet. Bonifatius, ein angelsächsischer Mönch und einer der bekanntesten christlichen Missionare wurde Ende des 7. Jahrhunderts im Südwesten Englands als Wynfreth geboren. Auf einer Pilgerfahrt nach Rom erhielt er von Papst Gregor II. am 15. Mai 719 den Auftrag, den „ungläubigen Völkern das Geheimnis des Glaubens bekannt zu machen“. Der Papst gab ihm dafür den Namen Bonifatius („der gutes Schicksal Bringende“). Im Alter von 80 Jahren brach er zu einer Missionierung der Friesen auf und wurde von Heiden erschlagen. Sein Leichnam fand seine letzte Ruhestätte in eben jenem von ihm gegründeten Kloster – und Fulda wurde zur Pilgerstätte. Das Grab findet sich noch heute in der Krypta des Doms und zieht auch heute noch zahlreiche Pilger an.

Der heutige Bau entstand zwischen 1704 und 1712 unter Fürstbischof Johann Friedrich von Schwalbach und wurde nach dem Vorbild des Petersdoms in Rom gestaltet – wenn auch in deutlich kleinerer Ausführung. Teile der Klosterkirche wurden dabei in das neue Bauwerk integriert.

Im Juni während Konzerten anlässlich des Hessentags wird hier vor wunderschöner Kulisse hoffentlich mehr los sein

Beim Betreten des Innenraums fällt das hohe, lichtdurchflutete Gewölbe und der monumentale Hochaltar ins Auge.

Lichtdurchflutet (und nicht überbordend mit barocken Verzierungen versehen) präsentiert sich der Dom zu Fulda
Blick in den Chor des Doms

Das Herzstück des Doms liegt jedoch in der Krypta – das Grab des heiligen Bonifatius. Über eine breite Treppe steigen Besucher hinab in die unter dem Hochaltar gelegene Gruft. In einem Steinsarkophag ruhen die Gebeine des Heiligen. Kleine Anekdote unseres Gästeführers: Ringsherum in den Wänden sind die Herzen der Bischöfe der Stadt eingemauert, um dem Heiligen möglichst nahe zu kommen.

Das obere Altarbild zeigt die Ermordung des Heiligen Bonifatius
Im Relief unten ist seine Auferstehung dargestellt

Wieder ans Tageslicht zurückgekehrt, führte uns der Rundgang durch die Fuldaer Altstadt. Entlang von Resten der Stadtmauer, über gepflasterte Straßen und enge Gassen spazierten wir vorbei an kleinen Geschäften und Cafés in Richtung des Fuldaer Stadtschlosses, gleich neben dem Dom.

Kirschblüte in der Fuldaer Altstadt
Weniger Kleckern und mehr Klotzen ist hier angesagt

Das prächtige Barockschloss wurde zwischen 1706 und 1714 im Auftrag von Fürstbischof Johann Friedrich von Schwalbach erbaut – derselbe, der auch den Dom errichten ließ. Das Schloss diente den Fuldaer Fürstbischöfen als Residenz und sollte ihre weltliche Macht demonstrieren – die imposante dreiflügelige Anlage zeigt, dass sie dabei erfolgreich waren. Über die repräsentative Treppe ging es hinauf zu den historischen Prunkräumen.

Nicht allzu schwer zu erkennen: ein Raum wird heute als Trauzimmer genutzt
Der Spiegelsaal diente dem Fürstabt als Ankleidezimmer
Im Fürstensaal tagt heute die Stadtverordnetenversammlung, sofern nicht gerade Konzerte stattfinden

Wie in vielen anderen Städten Hessens existierte auch in Fulda eine Porzellanmanufaktur, allerdings nur zwischen 1764 und 1789. Stücke davon sind heute in den Räumen des Stadtschlosses, das ansonsten der Stadt als Verwaltungsgebäude und dem Bürgermeister als Amtssitz dient, ausgestellt.

Die Führung endete im Kaisersaal des Schlosses, dessen Türen hinaus in den Schlossgarten führen und der ebenfalls als Trauzimmer genutzt werden kann.

Mächtige Atlanten stützen die Decke, nur einer macht es sich leicht und verweigert mit verschränkten Armen die Arbeit. Verwunderlich, dass die Decke noch nicht eingestürzt ist.

Der Stukkateurmeister hatte wohl seinen Spaß, bei einem der Träger von der Norm abzuweichen

Im Anschluss an die Führung ließen wir es uns nicht entgehen, mit dem Aufzug zum Ausblick auf dem Schlossturm hinaufzufahren. Nach längerer Restaurierung bietet sich seit 2025 von dort wieder ein schöner Blick über Fulda und die Umgebung. Für die Fahrt mit dem Aufzug gilt es eine Besonderheit zu beachten: Die erste Etappe des Aufzugs endet im zweiten Obergeschoss – das Drücken auf Knöpfe der höheren Etagen bleibt erfolglos. Besucher steigen hier aus, gehen einmal rund um den Aufzug, passieren dabei eine Zählschranke zur Erfassung der Besucheranzahl (Anforderung des Brandschutzes, damit sich nicht zu viele Besucher gleichzeitig auf dem Turm befinden) und fahren dann die restlichen Etagen bis hinauf zur Aussichtsplattform.

Blick in Richtung Dom
Blick in Richtung Schlosspark mit Orangerie und dem Kloster Frauenberg auf dem Hügel im Hintergrund rechts

Auf dem Weg in die Innenstadt galt es, die Pilgerampel in der Nähe des Doms fotografisch festhalten. Der heilige Bonifatius selbst zeigt an, wann es an der Zeit ist, die Straße zu überqueren.

Quer durch die Stadt, zunächst Richtung Bahnhof und von dort entlang der Kurfürstenstraße spazierten wir zur Lokation unseres Abendessens: Heute hatten wir Lust auf indisches Essen im Restaurant Phulkari. Da wir dem dortigen Espressoautomaten nicht vertrauten, schauten wir im Anschluss in der Bar des Maritim Hotels vorbei und genossen einen kleinen Schwarzen in plüschiger Atmosphäre. Zum Abschluss des Tages gab es dann noch einen Cocktail in der Bar Markt 2 in der Altstadt, bevor wir müde und zufrieden in unser Bett sanken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert