Die Direktverbindung mit dem ICE von Saarbrücken nach Paris macht es möglich, die Hauptstadt Frankreichs in nur knapp zwei Stunden zu erreichen. Unser Zug startete pünktlich um 8 Uhr und schon bald raste die Landschaft an unseren Fenstern mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 316 km/h vorbei. Kurz vor 10 Uhr rollten wir in den Gare de l’Est ein.
Bevor wir uns ins Getümmel der Metropole stürzten, gönnten wir uns erst einmal ein französisches Frühstück in der Bäckerei Paul im Untergeschoss des Bahnhofs. Bereits bei unserem letzten Paris-Besuch wussten wir die Backwaren der Bäckereikette zu schätzen. Trotz Massenproduktion schmecken die Pains au chocolat sehr gut.
Gestärkt machten wir uns auf den Weg zur Metro. Nach kurzer Fahrt erreichten wir das Musée d’Orsay am linken Seine-Ufer. Der ehemalige Bahnhof Gare d’Orsay ist schon von außen beeindruckend, doch das wahre Highlight wartete im Inneren: Neben der grandiosen ständigen Sammlung mit Werken von Monet, Renoir, Van Gogh und Degas lief gerade eine Sonderausstellung des amerikanischen Malers John Singer Sargent.

John Singer Sargent kam 1874 mit 18 Jahren nach Paris, um dort bei bei Carolus-Duran zu studieren. In den folgenden sechs Jahren reiste er ausgiebig durch Europa und Nordafrika, was sich in seinen Landschaftsbildern mit Szenen aus unterschiedlichen Teilen des Kontinents zeigt. Er experimentierte zu Beginn noch mit unterschiedlichen Stilen und ließ sich später bei seinen Porträts vom niederländischen Maler Frans Hals wie vom Spanier Diego Velázquez inspirieren.

Diese Strandszene existierte so nicht, sondern wurde von Singer Sargent im Atelier komponiert

Das Gemälde entstand nach einer Reise des Malers nach Marokko
Der Maler war einen Meister des Porträts und der mondänen Gesellschaftsmalerei des späten 19. Jahrhunderts. Seine Bildnisse der europäischen und amerikanischen High Society sind technisch brillant: der Faltenwurf der Seidenkleider, die Lichtreflexe auf Schmuck und Haut und der Ausdruck in den Gesichtern.




1884 nahm er am Pariser Salon mit den Bildern Madame X und Die Töchter des Edward Darley Boit teil. Das als Porträt von Madame X bezeichnete Bild von Virginie Gautreau, das Sargent später als „sein bestes Werk“ bezeichnete, rief im Salon feindselige Reaktionen hervor. Diese richteten sich insbesondere gegen die Moral des Modells, das für das Empfinden der Kritiker zu viel nackte Haut zeigte, obwohl der Maler im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf vorsorglich den fehlenden Träger des Kleids ergänzte. Dieser Skandal veranlasste Singer Sargent, Paris zu verlassen und nach London zu ziehen.


Nach so viel Kunstgenuss brauchten wir eine kleine Pause. Im Café Campana, das sich im obersten Stockwerk des Museums befindet, fanden wir den perfekten Ort dafür.

Nach einem kurzen Rundgang durch die Meisterwerke des Impressionismus ließen wir den Blick durch eines der riesigen Fenster mit den charakteristischen Bahnhofsuhren über die Seine hinweg bis zum Montmartre mit der Sacré-Cœur im Hintergrund schweifen.






Vom Museum zurück zur Metro steuerten wir die Haltestelle Chaussée d’Antin – La Fayette an. Der Hunger meldete sich und wir hatten die Creperie Midi12 La Fayette als Ziel auserkoren. Das kleine Lokal ist auf bretonische Spezialitäten spezialisiert. Wir bestellten Galettes, herzhafte Buchweizen-Crêpes, und dazu einen Cidre. Die köstlichen Galettes ließen anschließend noch Platz für einen geteilten mit Zucker und Zimt bestreuten Crêpe.
Weiter ging es zum nächsten Ziel, der Opéra Garnier, nur wenige Gehminuten entfernt. Das prächtige Opernhaus, entworfen von Charles Garnier und 1875 eingeweiht, ist ein Meisterwerk des Neobarock und eines der Wahrzeichen von Paris. Wir wollten uns keine Vorstellung anschauen, sondern einfach nur das Gebäude besichtigen – das allein ist schon überwältigend. Die große Treppe aus weißem Marmor, die vergoldeten Verzierungen, die Deckengemälde, die opulenten Kronleuchter – der Besucher wähnt sich eher in einem Schloss als in einem Opernhaus.
Für den Architekten war die Treppe das eigentliche Herzstück seines Theaters. Er wusste geschickt mit dem dramatischen Kontrast zu spielen, der sich ergab, wenn die Besucher von der Rotunde mit den niedrigen Decken zu dem 30m hohen Monument die Treppe hinaufsteigen.






Garnier kam er zu dem Schluss, dass für den Veranstaltungssaal, dem Herz des Theaters, eine Hufeisenform die beste wäre, um die konkurrierenden Anforderungen an Akustik und Sehvermögen in Einklang zu bringen. Die Bühne war zur Zeit ihrer Errichtung die größte der Welt: 49m breit, 26m tief und 72m hoch. Das ursprüngliche Deckengemälde, 1872 von Eugène Lenepveu gemalt, stellte “Le Triomphe de la Beauté” (Der Triumph der Schönheit) dar. Im Jahr 1960 wurde es auf Wunsch von Kulturminister André Malraux von Marc Chagall übermalt.

Er thematisierte in seinem Gemälde 14 berühmte Komponisten sowie ihre größten Werke
Im Grand Foyer weiß das Auge gar nicht, wo es vor lauter Prunk, goldenem Glanz und Kerzenleuchtern hinschauen soll. Auf dem Foto sind übrigens deshalb keine Menschen zu sehen, weil es kurz vor Schließung der Oper geschossen wurde und die Bildbearbeitung dabei half, die restlichen noch verbliebenen Besucher zu entfernen.


Der Salon du Soleil und der Salon de la Lune sind nicht viel größer als ein gewöhnliches Wohnzimmer, aber prunkvoll mit Blattgold auf dem auf schwarzem Grund ausgekleidet.


Den Besuch des Opernhauses mussten wir uns mit gefühlt tausend anderen Besuchern teilen. Mit Kopfschütteln reagierten wir darauf, dass mehrere asiatische Touristinnen aufwendige Abendkleider mitgebracht hatten, sich vor Ort umzogen, um dann auf den Stufen des Treppenhauses zu posieren, während ihre Begleiter ein Foto nach dem anderen schossen. Und das alles für ein perfektes Foto auf dem eigenen Social Media Kanal – unfassbar.

Trotz des Trubels: Die Schönheit des Gebäudes ist unbestritten, und man versteht sofort, warum Gaston Leroux hier die Handlung seines Phantom der Oper ansiedelte.
Von der Oper war es nur ein Katzensprung zu dem berühmten Pariser Kaufhaus Galeries Lafayette. Leider war die Aussichtsterrasse im obersten Stockwerk aufgrund des Sturms geschlossen, von dort hätten wir gerne den Blick über die Dächer von Paris genossen.
Wir trösteten uns mit dem sogenannten “Glasswalk” unter der Kuppel, einem gläsernen Laufsteg, der weit in den Raum unter der riesigen Glaskuppel ragt. Nach kurzem Anstehen – auch hier war der Andrang groß – durften wir für fünf Minuten den Steg betreten, um den Rundumblick auf die Etagen des Kaufhauses zu genießen. Unter uns erstreckten sich Luxusmarken wie Chanel, Dior, Louis Vuitton oder Hermès – die gesamte Crème de la Crème der Modewelt.
Der Blick nach oben zur kunstvollen Glaskuppel mit ihren bunten Glasfenstern und der filigranen Stahlkonstruktion war atemberaubend, wobei Jochen den Aufenthalt auf dem Steg hoch oben über dem Abgrund nicht wirklich genießen konnte.


Langsam neigte sich unser Tag in Paris dem Ende zu. Wir nahmen die Metro zurück zum Gare de l’Est, wo bereits unser ICE wartete. Pünktlich um 19:07 Uhr ging es los und um 21 Uhr rollten wir wie geplant in Saarbrücken in den Bahnhof ein. Müde, aber mit vielen schönen Eindrücken im Gepäck machten wir uns auf den Heimweg. Au revoir Paris! Wir kommen wieder.







