Leipzig (29.12.) – Die Anfänge des Bauhauses in Weimar

Von Leipzig aus machten wir uns auf den Weg nach Weimar – quasi eine Zeitreise rückwärts durch die Bauhaus-Geschichte. Während wir in Dessau das ikonische Schulgebäude von Walter Gropius bewundert hatten, wollten wir nun den Anfängen dieser Bewegung nachspüren. Nach knapp einstündiger Fahrt parkten wir in der Goethe- und Schiller-Stadt, die nicht nur für ihre Dichter, sondern eben auch für die Geburtsstunde des Bauhauses bekannt ist.

Unser erster Anlaufpunkt war das Bauhaus Museum Weimar, das 2019 zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum eröffnet wurde. Der moderne, kubische Bau mit seiner hellen Betonfassade liegt direkt am Theaterplatz.

536 Architekturbüros reichten ihre Beiträge für den Bau des Museums ein.
Den Zuschlag erhielt die Architektin Heike Hanada in Zusammenarbeit mit Benedict Tonon

Bei der sehr interessanten Führung durch die Ausstellung bekamen wir einen umfassenden Einblick in die frühe Bauhaus-Periode sowie über die prägenden Figuren am Bauhaus. Und wir lernten, dass sich der Name “Bauhau”s von den mittelalterlichen Dombauhütten ableitet, in denen Handwerk und Kunst verschmolzen. Das gleiche Ziel hatte die Bauhaus-Bewegung, bei deren Gründung die Großherzoglich-Sächsische Hochschule für Bildende Kunst und die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule miteinander verschmolzen.

Besonders beeindruckend war die Sammlung von Möbelentwürfen, Keramiken und textilen Arbeiten aus den Werkstätten. Die bunten geometrischen Formen, die klaren Linien, die Reduzierung aufs Wesentliche – all das, was wir heute selbstverständlich mit Bauhaus verbinden, entstand hier in Weimar.

Nach gut anderthalb Stunden im Museum schwangen wir uns wieder ins Auto und fuhren zum Haus am Horn, etwas außerhalb des Zentrums gelegen. Nach zehn Minuten Fahrt parkten wir direkt vor der Villa, in der Paul Klee während seiner Zeit am Bauhaus in Weimar wohnte.

Klee bewohnte mit Frau Lily und Sohn Felix eine komfortable Wohnung im ersten Stock des Hauses

Von dort waren es nur ein paar Meter und schon standen wir vor einem unscheinbaren, würfelförmigen Gebäude inmitten eines Wohngebiets. Das Haus am Horn gilt als das erste nach Bauhaus-Prinzipien entworfene und 1923 realisierte Wohnhaus – ein Musterhaus, das anlässlich der ersten großen Bauhaus-Ausstellung entstand. Der Architekt Georg Muche entwarf es als kompakten Kubus mit flachem Dach. Wir umrundeten das Gebäude und versuchten uns vorzustellen, wie radikal dieser Entwurf 1923 gewirkt haben muss. Die Raumaufteilung mit einem zentralen Wohnraum, um den sich alle anderen Zimmer gruppieren, war damals absolut neuartig. Die industrielle Fertigung, der Verzicht auf Ornamente – all das stand im krassen Kontrast zum traditionellen Geschmack der Zeit. Kein Wunder, dass die Reaktionen auf die Ausstellung 1923 geteilt waren. Für die einen war es die Zukunft des Wohnens, für die anderen ein Affront gegen alles Bewährte.

Würde heute als Neubau nicht mehr sonderlich auffallen – 1923 schon

Von hier aus fuhren wir zum letzten Ziel mit Bauhaus-Geschichte in Weimar, der Bauhaus-Universität Weimar. Das Hauptgebäude an der Geschwister-Scholl-Straße – das ehemalige Kunstschulgebäude von Henry van de Velde – beherbergte einst die Bauhaus-Werkstätten. Heute ist es eine Universität für Architektur und Kunst, in der das Erbe des Bauhauses weiterlebt.
Mit der Landtagswahl in Thüringen 1924 änderten sich die Machtverhältnisse drastisch. Aufgrund massiver Etatkürzungen war das Bauhaus gezwungen, Weimar zu verlassen und 1925 in Dessau neu zu beginnen – den Rest der Geschichte kannten wir ja bereits von unserem Besuch dort.

Mehr als 4000 Studenten sind heute in der Bauhaus-Universität Weimar in ca. 40 Studiengängen immatrikuliert

Nach diesem intensiven Tag voller Bauhaus-Geschichte hatten wir uns ein gutes Abendessen mehr als verdient. Wir parkten in der Nähe der Altstadt, liefen über den Marktplatz, auf dem der Weihnachtsmarkt auch bis nach Weihnachten verlängert wurde, und da wir noch ein bisschen zu früh für unser Abendessen dran waren, gab es leckere Sommerrollen als Appetitanreger im Restaurant 36 Pho Co, bevor es an der Zeit war, zum Ristorante Versilia weiterzuziehen.

Die Pizza war ausgesprochen gut, der Teig perfekt: außen knusprig, innen luftig. Beim Espresso ließen wir den Tag Revue passieren und machten uns anschließend auf den Weg zurück nach Leipzig.

Wieder angekommen in Leipzig parkten wir in der Tiefgarage am Augustusplatz. In der Dunkelheit öffnet sich der Blick in das Gewandhaus mit dem riesigen Wandgemälde mit dem Titel “Gesang vom Leben”. Auf 714 m² schuf der Leipziger Künstler Sighard Gille dieses Kunstwerk im Foyer des 1981 eingeweihten Konzertgebäudes.

Blick in das beleuchtete Gewandhaus mit dem riesigen Deckengemälde

Der Name Gewandhaus geht auf die ursprüngliche Nutzung eines im 17. Jahrhundert errichteten Gebäudes in der Leipziger Altstadt zurück. Bevor es 1780 zu einem Konzertsaal umgebaut wurde residierten hier die Tuchhändler. Nachdem dieses Gebäude nicht mehr den Anforderungen an die Platzkapazität gewachsen war, eröffnete an anderer Stelle 1884 das Neue Gewandhaus seine Pforten für die Besucher. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wich das Gewandhausorchester bis 1981 auf die Kongresshalle am Zoo aus, bis schließlich das dritte Gewandhaus an seinem heutigen Platz eröffnet werden konnte.

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