Unser Tag in Leipzig begann mit der Fahrt und der Besichtigung des Panometers. Der Name klingt zunächst etwas sperrig – tatsächlich handelt es sich um einen umgebauten Gasometer im Stadtteil Connewitz – ein riesiger, zylindrischer Industriebau aus dem Jahr 1910, der heute als Ausstellungsraum dient.

Der Künstler Yadegar Asisi hat hier seinen monumentalen 360-Grad-Panoramen eine Heimat gegeben, aktuell war das Rundgemälde Die Kathedrale von Monet zu sehen.

Seine Darstellung eines Tages im Jahr 129 n.Chr. im antiken Pergamon hatten wir im gleichnamigen Museum in Berlin an Ostern 2025 gesehen. Heute zeigte eine Ausstellung rund um die Innenwand des Panometers die Entstehungsgeschichte des Rundbilds “Kathedrale von Monet” sowie weitere Arbeiten von Yadegar Asisi.


Im Innern erstreckte sich auf einer Höhe von 32 Metern und einer Länge von 111 Metern Asisis Interpretation von Claude Monets Kathedrale von Rouen. Das Panorama zeigt nicht nur die gotische Fassade der Kathedrale in verschiedenen Lichtstimmungen, sondern auch das Leben im und um das mittelalterliche Bauwerk herum. Die Detailverliebtheit ist faszinierend: Menschen in historischen Gewändern, Händler auf dem Marktplatz, das Spiel von Licht und Schatten auf dem Mauerwerk. Durch eine ausgeklügelte Beleuchtung verändert sich die Szenerie im Laufe des Tages, von der Morgendämmerung bis zur Abenddämmerung.

Wer genau hinschaut, entdeckt auf dem Gemälde Claude Monet selbst an einem Fenster vor der Staffelei in seiner Wohnung gegenüber der Kathedrale.

Vor der Kathedrale sind weitere berühmte Maler verewigt. Unverkennbar mit roten Haaren und Strohhut spaziert Vincent van Gogh neben Ilja Repin über das Pflaster von Reims. Zudem erkennt man bei genauem Hinsehen den deutschen Impressionisten Max Liebermann ganz rechts.

An anderer Stelle steht eine Gruppe von Malern, die Mitglieder der Pariser Kunstakademie waren und damit die alt hergebrachte Malerei mit perfekter Linienführung und Technik verkörperten. Sie bildeten den Gegenpol zu den später als Impressionisten bezeichneten Maler, zu denen auch Claude Monet gehörte. Entsprechend ihren Kunstvorstellungen sind sie in perfekter und exakter Maltechnik portraitiert.
Vom Panometer aus machten wir uns auf den Weg zum Völkerschlachtdenkmal – bei strahlendem Sonnenschein, aber eisigen Temperaturen. Das Denkmal, im Südosten Leipzigs gelegen, ist mit 91 Metern Höhe eines der größten Denkmäler Europas. Eingeweiht wurde es 1913 zum 100. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, in der im Oktober 1813 die Truppen Napoleons von den verbündeten Armeen Russlands, Preußens, Österreichs und Schwedens besiegt wurden. Allein die Dimensionen der Anlage sind beeindruckend.

Über dem Eingang am Fuß des Denkmals thront die Figur des Heiligen Michael mit einer Höhe von annähernd 20 Metern. Der Erzengel Michael gilt seit der Schlacht Ottos des Großen gegen die Ungarn am Lechfeld im Jahr 955 als Schutzpatron Deutschlands.

Vom Fuß des Denkmals aus starteten wir unsere Besichtigung. Grundsätzlich würde Jochen immer behaupten, dass er lernfähig ist – allerdings sind ab und an Zweifel daran gerechtfertigt. Als wir 2003 das erste Mal das Völkerschlachtdenkmal besuchten, war der Rundgang auf 58 Metern Höhe für ihn eine echte Herausforderung. Seitdem hat sich das Problem mit der Höhenangst nicht wirklich verbessert und trotzdem konnte er nicht darauf verzichten, mit dem Aufzug nach oben zu fahren und sich eine Runde um die vier Seiten des Denkmals zu kämpfen – selbst Schuld.
Den Aufstieg bis ganz hinauf zur obersten Plattform auf 91m Höhe schenkten wir uns verständlicherweise und machten uns in Etappen auf den Weg nach unten.

In der Ruhmeshalle eine Etage tiefer stehen vier monumentale, ca. 10 Meter hohe Figuren, die als Sinnbilder für die deutschen Tugenden Glaubensstärke, Tapferkeit, Volkskraft und Opferbereitschaft gelten.




Darunter befindet sich die Krypta, die das symbolische Grab der mehr als 120.000 Gefallenen der Völkerschlacht darstellt. Die acht Säulen sind in Form von Totenmasken in Stein gemeißelt, vor denen jeweils zwei monumentale Totenwächter stehen, die Ritterfiguren darstellen, die ihre Köpfe gesenkt auf ihre Schilde stützen.
Leicht durchgefroren und froh, wieder am Fuß des Denkmals angekommen zu sein, machten wir uns auf den Weg ins Stadtzentrum zum Grassi Museum für Angewandte Kunst, das auf die Sammlung des Kaufmanns Franz Dominic Grassi zurück geht. Der imposante Gebäudekomplex im Stil des Art déco wurde zwischen 1925 und 1929 erbaut und beherbergt gleich drei Museen: das Museum für Angewandte Kunst, das Museum für Völkerkunde und das Museum für Musikinstrumente.

In Anbetracht von Zeit und unserer Aufnahmefähigkeit konzentrierten wir uns auf das Museum für Angewandte Kunst, insbesondere auf die Sammlung von Designobjekten aus dem 20. Jahrhundert.

Der Rundgang durch die Jugendstil- und Art-déco-Abteilung war wie eine Zeitreise in die Welt des Designs. Wir sahen filigrane Glasarbeiten von Émile Gallé, kunstvolle Möbelentwürfe, Keramiken, Plakate und Alltagsgegenstände, die zeigten, wie sehr sich die Formensprache in jenen Jahrzehnten veränderte. Ausgehend vom Jugendstil mit ornamentreichen, verspielten Objekten mit floralen Motiven zeigte der Art déco Stil bereits eine deutlich reduziertere Formensprache mit klarer werdenden Formen und Linien. Irgendwann mündete dies im Stil des Bauhaus, mit dem wir uns in den vergangenen Tagen beschäftigt hatten. Nachfolgend ein paar ausgewählte Objekte aus der Sammlung:








Auch aus späteren Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts waren interessante Ausstellungsstücke zu bewundern, sowohl aus West-, als auch aus Ostdeutschland.






Am Abend gönnten wir uns ein Abendessen im Ratskeller, direkt unter dem riesigen Neuen Rathaus der Stadt. Das Gebäude im Stil des Historismus sieht gar nicht so “neu” aus – vielleicht durch den ins Gebäudeensemble integrierten Turm der ehemaligen Pleißenburg – es ist auf alle Fälle neuer als das Alte Rathaus am Marktplatz. Das Gebäude wurde zwischen 1899 und 1905 errichtet und hat unfassbare 1.708 abgeschlossene Räume.
Bei der Eröffnung des unter dem Rathaus liegenden Ratskellers im Oktober 1905 war sogar der sächsische Königs Friedrich August III. anwesend. Seit 2014 braut man hier sein eigenes Bier, das sogenannte “Lotteraner”. Wir fanden des Essen ausgesprochen gut, besser als im Auerbachs Keller.



So ging der letzte Abend in Leipzig zu Ende. Für morgen Früh ist Schneefall angekündigt, daher werden wir möglichst zeitig aufbrechen, um vor zu erwartender Glätte zu Hause anzukommen.
Damit gehen fünf schöne und von uns gut genutzte Tage zu Ende. Wir haben viel über das Bauhaus und seine Geschichte erfahren und unsere Erinnerungen von Leipzig und seiner Umgebung aufgefrischt. Silvester werden wir morgen entspannt zu Hause auf der Couch verbringen.





