Leipzig (28.12.) – Auffrischen von Erinnerungen beim Spaziergang durch Leipzig

Unser Tag in Leipzig begann am Hauptbahnhof. Mit einer Fassadenlänge von 298 Metern gilt er als einer der größten Kopfbahnhöfe Europas. Gebaut wurde der Bahnhof zwischen 1909 und 1915, die symmetrische Anlage hat einen kuriosen Hintergrund: Da sich damals zwei konkurrierende Bahngesellschaften – die Preußische und die Sächsische Staatsbahn – die Betriebsrechte teilten, verfügt der Bahnhof über zwei separate Eingangshallen und war quasi ein Doppelbahnhof. Nach der Wende wurde das Gebäude aufwendig saniert und beherbergt heute auf drei Etagen rund 140 Geschäfte – eine gelungene Verbindung von historischer Architektur und modernem Shopping.

Entweder man muss auf den Zug oder kommt zum Shoppen hierher – beides ist möglich
Unser “Shoppingwahn” endet bereits nach dem Erwerb einer Haarspange (und die war nicht für Jochen) bei Rossmann

Von hier aus führte uns unser Weg direkt ins Zentrum, vorbei an prächtigen Gründerzeithäusern zur Nikolaikirche.

Das Äußere der Nikolaikirche mit einem Stilmix von romanischen und spätgotischen Elementen steht im Kontrast zum prunkvollen Innern

Die älteste und größte Kirche Leipzigs wurde bereits im 12. Jahrhundert gegründet, ihr heutiges Erscheinungsbild mit den markanten zweigeschossigen Emporen und den palmenförmigen Säulen verdankt sie jedoch einem klassizistischen Umbau Ende des 18. Jahrhunderts. Das Innere der Kirche ist in hellen, pastellfarbenen Tönen gehalten – eine ungewöhnliche Atmosphäre.

Am Ende der Säulen bilden Palmblätter den Übergang zum prachtvollen Deckengewölbe
Blick in den Altarraum der Nikolaikirche
Zwischen 1723-1750 sorgte Johann Sebastian Bach für eine kirchenmusikalische Ausgestaltung der Gottesdienste in der Nikolaikirche wie in der Thomaskirche; die aktuelle Orgel wurde allerdings erst 1862 geweiht
Der Leipziger Stadtbaumeister Johann Carl Friedrich Dauthe schaffte mit der klassizistischen Umgestaltung Ende des 18. Jahrhunderts ein wahres Meisterwerk

Doch die Nikolaikirche ist nicht nur architektonisch bedeutend: Sie wurde zum Symbol der Friedlichen Revolution. Hier fanden ab 1982 die Friedensgebete statt, aus denen 1989 die Montagsdemonstrationen hervorgingen. Vor der Kirche erinnert die Säule mit dem Palmenkapitell an diese historischen Ereignisse.

Anschließend war Zeit für eine kleine Pause. Wir schlenderten zum nahegelegenen Schuhmachergäßchen, wo das Café Riquet auf uns wartete. Schon von außen fällt das Gebäude ins Auge: Die Jugendstil-Fassade ist mit exotischen Elementen verziert, zwei Elefantenköpfe flankieren den Eingang – ein Verweis auf den Fernhandel und die koloniale Mode der damaligen Zeit.

Nach der Errichtung des Gebäudes 1908 war das Gebäude eines der modernsten und extravagantesten Neubauten in ganz Leipzig
Die jahrundertealte Handelstradition der Firma Riquet mit Ostasien und dem Orient ist bei der Gestaltung des Eingangs unverkennbar

Das Café wurde 1908 eröffnet und trägt den Namen des französischen Kaufmanns, der im 17. Jahrhundert die erste Schokoladenfabrik Deutschlands gründete. Im Inneren empfing uns eine prachtvolle Jugendstil-Atmosphäre mit ornamentalen Deckenmalereien und eleganten Holzvertäfelungen.

Aufgewärmt machten wir uns auf den Weg zur Thomaskirche, nur wenige Gehminuten entfernt mit Fotomotiven am Naschmarkt mit einem Goethedenkmal und am Marktplatz, wo die Buden des Weihnachtsmarkts auf den Abbau warteten.

Als Naschwerk wurde damals das Obst bezeichnet, mit dem hier Handel getrieben wurde – das Denkmal zeigt Goethe als Student während seiner dreijährigen Studienzeit in Leipzig
Das Wahrzeichen Leipzigs, das Alte Rathaus

Die spätgotische Hallenkirche stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist untrennbar mit Johann Sebastian Bach verbunden, der hier von 1723 bis zu seinem Tod 1750 als Thomaskantor wirkte. Seine letzte Ruhestätte befindet sich direkt vor dem Altar.

Die Thomaskirche, neben der Nikolaikirche die zweite zentrale Kirche in der Innenstadt – seit 1212 Heimat des berühmten Thomanerchors
Die neogotische Ausstattung der Kirche stammt aus letzten Renovierung zwischen 1884 und 1889
Eine schlichte Bronzeplatte im Altarraum überdeckt das Grabmal Johann Sebastian Bachs, nachdem die Gebeine des 1750 Verstorbenen 1894 hierhin umgebettet wurden

Es war mal wieder Zeit für ein kleines Päuschen im Warmen, und was ist dafür besser geeignet als eines der Kaffeehäuser Leipzigs.

Hinter dem Lipsia-Brunnen (der Name geht zurück auf die lateinische Bezeichnung für Leipzig zurück) steht eines der ältesten Kaffeehäuser Europas – Zum Arabischen Coffe Baum
Offensichtlich, was Mann und Baum darstellen sollen – so erschließt sich der Name des Cafés auch als Legastheniker

Unser nächstes Ziel war der Augustusplatz, einer der größten innerstädtischen Plätze Deutschlands mit einer Fläche von etwa 40.000 Quadratmetern. Die DDR-Stadtplanung hinterließ hier ihre Spuren: Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde der Platz in den 1960er-Jahren neu gestaltet, wobei historische Gebäude modernen Bauten weichen mussten. Heute dominieren das Gewandhaus, die Oper und Leipzigs einziger Wolkenkratzer, das City-Hochhaus, das Bild.

Marianne Pauline Mende stiftete in ihrem Testament der Stadt Leipzig den heute nach ihr benannten Brunnen zur Verschönerung der Stadt
Paulinum, mit Aula und Universitätskirche Teil der Universität Leipzig.
Das Gebäude entstand an der Stelle, an der am 30. Mai 1968 die Paulinerkirche gesprengt wurde

Am Abend gönnten wir uns ein Abendessen in Auerbachs Keller, einem der berühmtesten Restaurants Deutschlands. Die historische Gaststätte, urkundlich erstmals 1438 erwähnt, liegt versteckt in der prachtvollen Mädler-Passage. Hier ließ sich Johann Wolfgang von Goethe inspirieren: In seinem „Faust” lässt er Mephisto und die Studenten hier ihr Unwesen treiben. Überall im Restaurant finden sich Anspielungen auf diese berühmte Szene – von den geschnitzten Holzfiguren bis zu den Wandmalereien. Und natürlich ist Auerbachs Keller dank der Werbung von Goethe einer der Besuchermagneten in Leipzig.

Nach diesem kulinarischen Ausklang bummelten wir noch ein wenig durch die abendliche Innenstadt zurück zum Augustusplatz. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite bietet das Motel One Leipzig Post in der obersten Etage seine öffentlich zugängliche Rooftop One Bar, in der man in toller Atmosphäre einen Drink genießen und auf das Treiben unten auf dem Augustusplatz schauen kann – eine Versuchung, der wir nicht widerstehen konnten.

Es könnte uns gerade schlechter gehen
Von hoch oben erkennt man noch besser die riesigen Dimensionen des Augustusplatzes, rechterhand davon befindet sich die Oper

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