Lügde (Weserbergland) 29.08. – Weserbergland anstelle von Südfrankreich

Unseren Spätsommerurlaub in Südfrankreich – eine 14tägige Rundreise mit Start und Ende in Toulouse – hatten wir bereits im Februar 2020 gebucht, zu einer Zeit, wo man noch nicht wusste, was Corona überhaupt ist, und wir uns einen Lockdown nicht mal im Entferntesten vorstellen konnten. Seither ist jedoch viel passiert.

Frankreich war zu Beginn der Pandemie neben Italien eines der Länder Europas, das am härtesten von Corona getroffen wurde, über 30.000 Menschen starben bis heute an den Folgen der Krankheit. Wir waren lange guter Hoffnung, dass wir nach dem Abflachen der Anzahl der Neuinfektionen unseren Urlaub würden antreten können, bis die Anzahl Ende letzter Woche die Zahl von 4.000 pro Tag überstieg.

Am Montag abend zogen wir die Reißleine und stornierten die Reise nach Frankreich. Da wir nicht zu Hause bleiben wollten, suchten wir kurzfristig nach einer Alternative in Deutschland, was sich gar nicht so einfach gestaltete. Nach langer Suche fanden wir jeweils für eine Woche zwei Ferienwohnungen, eine im Weserbergland nahe Bad Pyrmont, die andere in der Nähe von Celle südlich der Lüneburger Heide.

Nach gut 3 1/2 Stunden Fahrt erreichten wir unsere erste Unterkunft in Lügde. Wir waren zuvor etwas skeptisch, hatten wir doch ein wirklich günstiges Angebot angenommen. Jedoch wurden wir sehr positiv überrascht – die Ferienwohnung entpuppte sich als sauber, modern eingerichtet und ausreichend groß – hier werden wir uns sieben Tage lang wohlfühlen.

Wohn- und Essbereich
Ort zum Ausruhen

In unmittelbarer Nähe von Lügde liegt der Kurort Bad Pyrmont – der historische Rundgang schien uns perfekt für eine erste Erkundung der Umgebung geeignet. Start war die Tourist-Info, von der man zunächt schnurstracks entlang der Hauptallee Richtung Bäderzentrum läuft. Der Bedeutung des Wassers für die Stadt hat man hier im Zuge der Expo 2000 ein Denkmal gesetzt – der Künstler Jürgen Goertz hat unter dem Titel “Lebenslauf des Menschen” die Kunstwerke gestaltet.

Wasser = Leben und in Bad Pyrmont sind die Quellen ein wahrer Segen

Entlang der historischen Hauptallee, wo sich unter vier Reihen von Linden Restaurants und Cafés aneinanderreihen, erreicht man den Brunnenplatz.

Gehört zwingend zu einem Kuraufenthalt – ein ordentliches Stück Kuchen
Sprudelndes Wasser = sprudelnde Einnahmen

Der Hyllige Born ist seit jeher die Hauptquelle von Bad Pyrmont. Im Kurhaus ließ es sich Jochen nicht nehmen, ein Gläschen Wasser zu probieren – im Angebot waren alle sechs Quellen der Stadt. Er entschied sich nach ausgiebiger fachkundiger Beratung für einen Schluck aus der Helenenquelle: ein bisschen salzig, aber ansonsten absolut trinkbar und mit Sicherheit sehr gesund.

Die Quellen des Wohlstands der Stadt
Regelmäßige Besucher können sich ihr eigenes Glas für Trinkkuren reservieren

Wir setzten unsere Erkundung fort, kamen an der Helenenquelle vorbei, sahen alte und neue moderne Unterkünfte der Kurgäste, zu denen im Jahr 1801 auch Goethe gehörte.

“Neues Kurhaus” aus dem Jahr 1911 – heute kann man hier seine Ferienwohnung beziehen

Wir entdeckten auf einer Wiese unter Bäumen alte Grabsteine und fanden heraus, dass es sich hier um einen alten jüdischen Friedhof handelte – in der Reichskristallnacht zerstört, wurden die noch unversehrten Grabsteine später wieder aufgerichtet. Wie zuletzt in Wiesbaden erinnerte uns auch dieses Mahnmal daran, wie selbstverständlich Juden bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland lebten und wie viel Leben und Kultur hier für immer zerstört wurde.

Alte Grabsteine – ein Mahnmal gegen verblassende Erinnerungen

Vorbei an der Stadtkirche, erbaut Ende des 19. Jahrhunderts, erreichten wir die Dunsthöhle, an der durch Druckverhältnisse im Erdinnern über Gesteinsspalten Kohlendioxyd aus großer Tiefe an die Erdoberfläche gelangt.

Der Rundweg führte zurück ins Zentrum der Stadt. Für gutbetuchte Gäste steht hier das Steigenberger Hotel mit direktem Zugang zum Kurpark. Aufgrund des Eintritts von 5 € und der fortgeschrittenen Zeit sparten wir uns die Erkundung des Parks – vielleicht kommen wir in den kommenden Tagen nochmal zurück.

Wir spazierten zum Schloss, das unter der Herrschaft von Fürst Friedrich Anton Ulrich zu Waldeck-Pyrmont Anfang des 18. Jahrhunderts auf den Fundamenten des ersten Schlosses als barocke fürstliche Sommerresidenz errichtet wurde und heute ein Museum beherbergt.

Für uns stand das Abendessen auf dem Programm. Glücklicherweise konnten wir noch zwei Plätze in der Pizzeria Salerno ergattern. Wir schienen die einzigen auswärtigen Gäste zu sein, alle anderen kannten sich zumindest vom Sehen. Der Chef des Hauses, Italiener und geborener Entertainer, hatte alle Hände voll zu tun – Telefonanrufe entgegennehmen, neue Gäste begrüßen, Gästewünsche notieren, Getränke abfüllen und servieren, Speisen zu Tisch bringen und nebenbei immer noch ein kleines Späßchen mit den Gästen machen – kein Wunder, dass er dabei ins Schwitzen kam.

Die Heimat des fleißigsten Bürgers von Bad Pyrmont
Eine sehr interessante Interpretation einer Pizza Quattro Stagioni

Die dargebotene Pizza war nicht schlecht, die Bewertungen auf tripadvisor unserer Ansicht nach allerdings etwas zu überschwänglich, aber wir hatten einen schönen Abend und im Eiscafé Calvi gleich nebenan gab es zum Nachtisch noch ein Eis – was will man mehr für den ersten Tag.

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