Wer alt genug ist, weiß, dass wie in einem Lied von Katja Ebstein besungen in Petersburg Pferdemarkt ist, und wer sich zum Urlaub in Nordholland aufhält, dem ist mit Sicherheit nicht entgangen, dass freitags in Alkmaar Käsemarkt abgehalten wird. Wie wir feststellen konnten, lockt der Markt zahlreiche Besucher in die Stadt und daher hatten wir uns bereits vorher erkundigt, wo man bestmöglich preisgünstig parken kann. Eine Tiefgarage zehn Minuten fußläufig vom Zentrum für 5 EUR Parkgebühren/Tag – die Recherche hatte sich gelohnt und tatsächlich waren auch noch Plätze frei, als wir gegen 9:15 Uhr das Parkhaus erreichten.
Der Käsemarkt beginnt jeden Freitag Anfang April bis Ende September pünktlich um 10 Uhr mit dem Schlagen der Käseglocke. Zu Beginn liegen etwa 2400 Käselaibe und damit beeindruckende 30.000 Kilogramm Gouda- und Edamer-Käse in langen Reihen ausgelegt bereit, die im Laufe des Vormittags unter den wachsamen Augen des Marktmeisters von den Käseträgern zum Wiegen, Preis verhandeln, Qualität testen und späteren Abtransport hin- und her bewegt werden.

Und dann kann die Arbeit (und ab und an auch ein bisschen Spaß) beginnen. Wenn eine Käsepartie verkauft ist (der Handel darüber findet heute nicht mehr statt), tragen die Käseträger den Käse auf einem Berrie, einer speziellen Tragevorrichtung, erst zur Waage und danach zum Abtransport zu den bereitstehenden Wagen. Auf einem Berrie liegen dabei acht Käseleibe zu je 13,5 Kilogramm, die zusammen mit dem Eigengewicht des Berrie ein Gesamtgewicht von 133 km auf die Waage bringen. Das Laufen mit den Transportgeräten muss geübt sein.




Eine Moderatorin kommentierte das Geschehen in den gängigsten Sprachen für die Touristen, die Männer verrichteten mehr oder weniger fleißig ihren Job des Käsetransports, während die jungen Frauen damit beschäftigt waren, eine Auswahl von Käsen für 15 Euro an die umstehenden Touristen zu verkaufen.
Dieser Verkauf lenkte uns immer wieder vom eigentlichen Geschehen ab, da der Verkaufswagen genau vor unserer Nase am Absperrgitter aufgestellt wurde – aber es gab bei den Touristen offensichtlich einen größeren Bedarf an Käse, der gedeckt werden musste. Die Rollenverteilung war klar geregelt – es wurde ja auch das Marktgeschehen von vor 400 Jahren nachgestellt, genügend Zeit zum Üben.
Der Käsemarkt von Alkmaar ist der älteste und größte in den Niederlanden, seit 1365 besitzt Alkmaar bereits eine Käsewaage.
Wir schauten uns das Spektakel nicht die vollen drei Stunden an, sondern machten uns nach 45 Minuten daran, die restliche Stadt zu erkunden, was kurze Zeit später jedoch jäh unterbrochen werden musste, da uns ein Schauer dazu “zwang”, erstmal ein Café aufzusuchen.
Auf dem anschließenden Rundgang spazierten wir einmal quer durch die Altstadt am Rathaus vorbei zur Sint Laurenskerk, die zwischen 1470 und 1520 im gotischen Stil erbaut wurde. Bei einem Rundgang über den unzähligen Grabplatten der bis zum Jahr 1830 beerdigten Alkmaarer Bürger konnten wir die beiden Orgeln der Kirche bewundern. Die Chororgel aus dem Jahr 1511 ist die älteste bespielbare Orgel der Niederlande, die 1639 bis 1646 erbaute Große Orgel beeindruckt durch die mächtigen Pfeifen und das schöne geschnitzte Orgelprospekt. Im Sommer werden jeden Freitag, am Tag des Käsemarktes, die beiden Orgeln um 12 Uhr bespielt. Und so konnten wir dem virtuosen Spiel des erst 22jährigen Jan Hogendoorn, einem Musikstudenten an der Universität von Utrecht, lauschen.

Gleich neben der Sint Laurenskirk befindet sich das Stedelijk Museum Alkmaar, eines der ältesten Museen der Niederlande. Der Bereich der permanenten Ausstellung ist aktuell aufgrund Renovierungsarbeiten geschlossen, aber eine Sonderausstellung über das Werk des uns bis dato unbekannten Künstlers Lucebert anlässlich seines 100. Geburtstags war durchaus sehenswert.





Zudem waren im ersten Stock Gemälde der Bergener Schule ausgestellt. Um 1910 ließen sich im nordholländischen Dünendorf Bergen die ersten Künstler nieder. Nachdem die Zahl in den kommenden Jahren kontinuierlich gestiegen war, entstand die allererste expressionistische Künstlerbewegung in den Niederlanden. Hier ein Einblick in die Ausstellung:






In der Stadt hatten Händler Stände aufgebaut, an denen es Blumenzwiebeln, Käse und vieles Weitere zu kaufen gab. Wir konnten den angebotenen Poffertjes zur Stärkung nicht widerstehen.

Von Freunden hatten wir bereits gehört, dass eine Bootsfahrt über die Grachten von Alkmaar etwas ganz Spezielles ist, da die Brücken teilweise so tief gebaut sind, dass man sich auf den offenen Booten ducken muss, um sich nicht den Kopf zu stoßen. Und so war der häufigste zu hörende Hinweis unserer Bootsführerin, auf den Kopf zu achten und diesen einzuziehen, wenn es mal wieder unter einer der vielen Brücken durch ging.
Vor der Bootsfahrt schauten wir aber nochmal auf dem Waagplein vorbei, wo der Käsemarkt mittlerweile ein Ende gefunden hatte und die angrenzenden Restaurants und Cafés ihre Tische und Stühle auf dem Platz aufgestellt hatten.

Ansonsten war es aber auch eine sehr schöne und informative Fahrt über die Grachten der Stadt und wir markierten uns die Orte zweier Hofjes, die wir im Anschluss an die Bootsrundfahrt anschauten.
In Zeiten, in denen es noch keine Sozialversicherung zur Unterstützung älterer und mittelloser Menschen gab, waren diese auf einen Alterssitz in einem der Hofjes angewiesen, die durch großzügige Spenden reicher Bürger gebaut wurden.




Nachdem wir auch diese Sehenswürdigkeit gesehen hatten, machten wir uns zum frühen Abendessen auf. Alex hatte das indische Lokal Uit India aufgetan. Um halb fünf waren wir die ersten Gäste im Lokal, durften am schönsten Tisch direkt am Schaufenster Platz nehmen und genossen das wirklich gute Essen.



Gesättigt fuhren wir zurück in unser Ferienhäuschen.








