Vom Bahnhof Manchester Piccadilly zum Bahnhof Liverpool Lime Street waren es an diesem Morgen mit der Bahn sehr entspannte 1 Stunde und 20 Minuten. Die Stadt an der Mündung des River Mersey erlebte ähnlich wie Manchester ihre Blütezeit im 18. und 19. Jahrhundert, als der Seehandel mit der ganzen Welt sie zu einer der reichsten Städte des Britischen Empires machte. Zeugnisse davon finden sich vor allem an der Waterfront, unserem Ziel für den Nachmittag.
Aber auch das St. George’s Quarter in der Nähe des Bahnhofs erzählt mit seinen kolossalen, neoklassizistischen Gebäuden vom einstigen Reichtum der Stadt. Gleich neben der mächtigen St. George’s Hall mit ihren drei Theatern und einem prächtigen Konzertsaal liegt die Walker Art Gallery. Der Brauereibesitzer und Lokalpolitiker Andrew Barclay Walker stiftete der Stadt Liverpool 1873 eine Galerie zum Andenken an seine Amtszeit als Bürgermeister.
Die Sammlung zählt mit Gemälden und Skulpturen aus den letzten 600 Jahren zu den größten in ganz England. Wie schon in anderen Museen der vergangenen zwei Wochen fanden sich auch hier bedeutende Werke der Präraffaeliten, etwa Rossettis Dante’s Dream, Waterhouses Echo und Narziss oder Millais’ Isabella.

Wir waren schon in der Tate Britain überrascht, wie modern und fast schon abstrakt William Turner in seinem Spätwerk malte
Auch Laurence Stephen Lowry war seinerzeit aus Manchester angereist, um die Waterfront Liverpools auf Leinwand zu bannen. Wie wir später sehen sollten, stehen die drei markanten Gebäude noch heute unverändert an ihrem Platz – die davor kreuzenden Dampfschiffe allerdings sind verschwunden.

Wir haben am Nachmittag etwas wiedererkannt
Ein Ausstellungsstück wies uns den Weg zu unserem nächsten Ziel im Stadtteil Anfield.

Seit der Saison 2025/2026 spielt der FC Everton allerdings im neu errichteten Hill Dickinson Stadium auf dem Gelände des ehemaligen Bramley-Moore Docks am Mersey
Fußballenthusiasten dürfte damit klar sein, dass wir einen Abstecher zum Stadion des FC Liverpool unternahmen. Das Stadion, ein gutes Stück außerhalb der Stadt gelegen, ist mit dem Bus in etwa 25 Minuten zu erreichen.

In Deutschland erlangte der Verein vor allem durch die überaus erfolgreiche Zeit mit Jürgen Klopp als Trainer zwischen 2015 und 2024 große Aufmerksamkeit. Neben weiteren englischen Titeln wurde der Klub in dieser Phase 2020 englischer Meister und holte 2019 den Champions-League-Titel. Das Vereinswappen schmückt der Liver Bird, ein mythologisches Wesen und das Symboltier der Stadt Liverpool, dem man auch sonst noch an etlichen Stellen begegnet.
Wir schauten uns zunächst den Shop des Vereins an und Jochen besah sich im Anschluss das Vereinsmuseum, in dem Geschichte und Geschichten die Entwicklung des FC Liverpool lebendig werden lassen.
Ein Blick in den Shop des FC Liverpool, in dem es an nichts fehlt und mit Sicherheit manche Dinge seit gestern zu Ladenhütern werden:




Das Museum dokumentiert mit allerlei originalen Ausstellungsstücken die reichhaltige Geschichte des Vereins:









Den berühmtesten Einwohnern der Stadt begegnet man an einigen Stellen im Zentrum: Von Liverpool aus traten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr als The Beatles ihren Siegeszug um den gesamten Erdball an. Am Hard Days Night Hotel sind sie als Figuren in die Häuserfront integriert, und gleich nebenan im Cavern Club liegt der eigentliche Geburtsort der Band.


In den Ziegelsteinen sind die Bands verewigt, die im Club gespielt haben…
Der Club wurde 1973 zerstört und später mit denselben Backsteinen und in denselben Abmessungen wieder aufgebaut. Sage und schreibe 274 Mal traten die Beatles im Cavern Club auf. In der Mathew Street und den umliegenden Seitenstraßen haben sich etliche Musikkneipen und Bars angesiedelt, aus denen schon am frühen Nachmittag Gitarrenklänge und teilweise recht gewöhnungsbedürftiger Gesang zu hören war. Nicht jeder, der hier auftritt, wird es zum Weltstar bringen.

zieht er dennoch Touristen und Musikfans in seinen Bann

um den teilweise nicht ganz exakt getroffenen Noten zu entkommen
Auf dem Weg hinunter zur Waterfront passierten wir die Innenstadt von Liverpool mit ihrem großen Angebot an Ladengeschäften und dem Liverpool One, einem riesigen Einkaufszentrum mit Geschäften, Restaurants, Bars und einem Kino. Die Waterfront selbst präsentiert sich als Mix aus historischen Gebäuden und Neubauten. Als Erstes fiel uns das imposante, lang gestreckte Museum of Liverpool ins Auge, das seit 2011 die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner erzählt.
Am Pier Head erheben sich die “Drei Grazien”: die markantesten und bekanntesten Gebäude der Stadt aus der Blütezeit des Empire, die das Ufer des Mersey bis heute prägen. Das Royal Liver Building, zwischen 1908 und 1911 für eine Versicherungsgesellschaft errichtet, wird von zwei Türmen gekrönt, auf denen jeweils das Wahrzeichen der Stadt, der Liver Bird, thront – einer blickt zum Meer, der andere zur Stadt. Davor steht ein Reiterdenkmal von König Edward VII., dem Sohn von Königin Victoria.

Das mittlere der drei Gebäude, das Cunard Building, entstand für die britische Reederei Cunard, die Mitte des 19. Jahrhunderts Passagiere und Post von Liverpool nach Nordamerika beförderte. Das dritte im Bunde, das Port of Liverpool Building mit seiner markanten Kuppel, beherbergte bis 1994 den Sitz der Liverpooler Hafenbehörde.
Vor den Gebäuden stehen seit 2015 die bronzenen Abbilder der Beatles, so als würden sie gerade beschwingt durch die Straßen von Liverpool schlendern – eine schöne Gelegenheit auch für uns, sich einmal mit den überlebensgroßen Pilzköpfen fotografieren zu lassen.

aber das Ausgangsmaterial ließ dies nicht zu
Vom Pier Head aus, wo früher Passagierschiffe ab- und anlegten und heute vom neuen Terminalgebäude aus die Fähren zur gegenüberliegenden Mersey-Seite verkehren, spazierten wir ein Stück am Wasser entlang zum Royal Albert Dock. Dessen Lagerhäuser dienten Mitte des 19. Jahrhunderts als Umschlagplatz, bis das Hafenbecken für die immer größer werdenden Schiffe schlicht zu klein wurde. Ab 1981 begann die Stadt mit der Sanierung des ehemaligen Hafengebiets, sodass heute in den Gebäuden aus rotbraunem Backstein mit ihren mächtigen gusseisernen Säulen Geschäfte, Kneipen und Restaurants eingezogen sind – und mit ihnen das Leben in das Hafenviertel zurückgekehrt ist.
Im Restaurant Rosa’s Thai fanden wir schließlich einen Platz zum Abendessen, bevor es Zeit wurde, den Rückweg nach Manchester anzutreten.



Damit geht leider auch schon unsere zweiwöchige Reise durch Mittelengland zu Ende. Mit vielen schönen Eindrücken einer abwechslungsreichen Reise im Gepäck fliegen wir morgen früh zurück nach Deutschland.










