Manchester (03.06.) – Kostenloses Hop-On/Hop-Off und letzte Fahrt ins Grüne

Bevor wir uns mit der Reise durch Mittelengland beschäftigten, stellten wir uns die Frage: Gehören Manchester und Liverpool auf unsere Reiseroute? Und was gibt es dort überhaupt zu sehen? Fangen wir mit Manchester an. Die männliche Hälfte unserer Reisegemeinschaft kannte natürlich die beiden überaus erfolgreichen Fußballclubs der Stadt: Manchester United und Manchester City. Die weibliche Hälfte – mit dem ausgeprägteren Musiksachverstand :-) – konnte dagegen mit Bands aufwarten, die von den Bühnen der Stadt aus die Welt erobert haben – Joy Division, The Smiths, The Stone Roses, und nicht zuletzt natürlich Oasis.
Außerdem war uns der Begriff „Manchester-Hose” von unseren Eltern bekannt, die Stadt scheint also auch mit Kleidung zu tun zu haben. Was wir vorher nicht wussten (oder schlicht wieder vergessen hatten): Manchester war als einstige Hauptstadt des Baumwollhandels eine bedeutende Industriestadt und Hochburg der Arbeiterbewegung. Zudem wurden Teile der Innenstadt 1996 bei einem Bombenanschlag der IRA zerstört, und mit ihren Einwohnern ist sie heute die drittgrößte Stadt Englands – nach London und Birmingham.

Positiv überrascht waren wir heute morgen gleich davon, dass im Zentrum der Stadt zwei kostenlose Buslinien verkehren, eine nördliche und eine südliche, die Einwohner wie Besucher auf jeweils etwa 30-minütigen Routen durch die Stadt befördern.

Los geht es mit dem kostenlosen Hop-On/Hop-Off Bus durch Manchester

Das Angebot nahmen wir gerne an: Erst fuhren wir mit der Linie 1 eine Runde durch den Süden, um am Bahnhof Piccadilly, den beide Linien ansteuern, umzusteigen und weitere 30 Minuten durch den Norden Manchesters zu kutschieren. Schon während der Fahrt fiel uns der Kontrast zwischen den alten Gebäuden aus der Blütezeit der Stadt und den neuen, modernen Bürohochhäusern und schicken Shopping-Tempeln auf.

Dem Kontrast aus alt und neu werden wir in der Stadt noch häufiger begegnen

An der Bushaltestelle stand eine Bienenskulptur – das Nahverkehrsnetz heißt passenderweise Bee Network – und auch an späteren Stationen unserer Tour begegneten uns immer wieder Bienen, die den unermüdlichen Fleiß, die harte Arbeit und die industrielle Geschichte Manchesters symbolisieren.

Manchester Biene

Nachdem wir uns einen ersten Überblick verschafft hatten, steuerten wir das Herz der Stadt an: das Rathaus, ein Relikt aus der Blütezeit der Stadt, 1877 fertiggestellt. Leider war es komplett eingerüstet und nicht zu besichtigen – eine dringend nötige Renovierung war im Gange. Auf dem Platz davor steht das Albert Memorial, das den Gemahl von Königin Victoria zeigt, und dem Platz seinen Namen Albert Square gab.

Gleich gegenüber liegt die Central Library aus den 1930er Jahren, und nicht weit entfernt die prunkvolle Fassade des Midland Hotel, wo ein am Eingang geparkter Rolls-Royce daran erinnert, dass sich hier einst der Ingenieur Henry Royce und der aristokratische Autohändler Charles Rolls trafen, um eine Partnerschaft zu besiegeln, aus der eine der berühmtesten Luxusmarken der Welt hervorgehen sollte.

Unsere Bibliothek sieht irgendwie anders aus
Midland Hotel
Rolls Royce vor dem Eingang

Ein Stück weiter nördlich, ebenfalls mit der Linie 1 zu erreichen, steht die Kathedrale der Stadt aus dem 15. Jahrhundert. Bei einem kleinen Rundgang stießen wir auf Werbung für die Veranstaltung Luminiscence, bei der die Geschichte der Stadt mit von einem Gospelchor vorgetragenen, bekannten Pop-Songs kombiniert wird. Das merkten wir uns für den nächsten Tag vor – Karten waren glücklicherweise noch zu bekommen.

Auf der Flusseite gegenüber der Kathedrale schießen moderne Hochhäuser aus dem Boden
Kathedrale von Manchester
Chorgestühl
Orgel
Nach oben schauen lohnt immer

Und so sieht es in direkter Nachbarschaft der Kathedrale aus: Shambles Square
Typischer Manchester-Kontrast zwischen alten Fachwerkhäusern und modernen Glaspalästen

Zurück am Hotel ging es zum nahegelegenen Parkhaus, wo wir unseren Mietwagen über Nacht abgestellt hatten. Da das Auto ohnehin bis zum nächsten Vormittag gebucht war, nutzten wir den restlichen Tag, um noch einmal hinaus in den Peak District zu fahren, nach so viel Stadtluft noch einmal ein wenig Landluft zu schnuppern.
Der Weg aus der Stadt heraus war mühsam: verstopfte Straßen, endlose Wartezeiten vor roten Ampeln und eine schier endlose Reihe von Kreisverkehren. Doch sobald wir die Stadtgrenze hinter uns gelassen hatten und über eine kurvenreiche Straße hinauf zum Snake Pass auf 510 Meter über dem Meeresspiegel fuhren, war all das vergessen – wir hatten nur noch Augen für die sanft geschwungenen, satt grünen Hügel.

Da hinten regnet es
Wir haben Glück und ein Loch in der Wolkendecke gefunden
Grün grün grün sind alle meine Wiesen

Ebenso kurvenreich ging es anschließend hinab zum Ladybower Reservoir. 1935 begonnen und 1945 feierlich von König George VI. eröffnet, sollte der gestaute River Derwent die Trinkwasserversorgung der Region sicherstellen. Über Wassermangel konnten wir uns an diesem Tag jedenfalls nicht beklagen: Am Seeufer mussten wir gut 15 Minuten warten, bis ein Schauer vorbeigezogen war und wir endlich ein Foto mit Sonnenschein schießen konnten.

Vorher …
… und nachher

Von dort fuhren wir weiter ins Hope Valley, das uns später auch den Rückweg nach Manchester weisen sollte. Im kleinen Ort Castleton kehrten wir im The Cheshire Cheese Inn ein, wo klassisches Pub Food auf uns wartete. Jochen bewies besonderen Mut und bestellte sich einen Large Yorkshire Pudding – eine Teigpastete, gefüllt mit Kartoffelpüree und Karotten, obendrauf zwei Würstchen, das Ganze großzügig in Bratensoße ertränkt. Ein Gericht, das man während eines England-Aufenthalts durchaus einmal essen kann – häufiger muss es allerdings nicht sein. Alex’ Lasagne war nicht schlecht, für unseren Geschmack aber deutlich zu fettig. Ein Brombeer-Crumble rundete das Abendessen versöhnlich ab.

Auf dem Rückweg nach Manchester machten wir noch einmal kurz Halt, um die schöne Landschaft fotografisch festzuhalten.

So schön

Unseren Mietwagen hatten wir bis zum morgigen Vormittag gebucht, um aber das Auto nicht unnötig eine weitere Nacht ins Parkhaus zu stellen, entschieden wir uns, das Auto bereits heute am Flughafen zurückzugeben und anschließend mit der Bahn zurück in die Stadt zu fahren. Das klappte alles hervorragend und wir können morgen früh gleich nach dem Frühstück zu einer ausgiebige Erkundung Manchesters aufbrechen – unsere bisherigen Eindrücke haben uns Lust darauf gemacht.

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