Noch vor einigen Wochen sah es so aus, als müssten wir unseren Urlaub in Bordeaux canceln. Ein Waldbrand, der mehr als 420 Quadratkilometer zerstörte und zur Evakuierung von über 200.000 Menschen führte, bedrohte bereits die Vororte der Stadt, bevor es der Feuerwehr gelang, die weitere Ausbreitung zu stoppen. Die extremen Rekordtemperaturen von über 40 Grad sind zum Glück vorbei, und so hoffen wir, 14 entspannte Tage in Südfrankreich verbringen zu können.
Nachdem unser ursprünglicher Direktflug mit Lufthansa ab Frankfurt storniert und uns stattdessen eine Verbindung über München angeboten worden war, entschieden wir uns für die Stornierung und buchten einen Flug mit Luxair ab Luxemburg. Die Premiere begann mit Verspätung: Kurz nach dem Aufstehen informierte eine SMS darüber, dass der Flug nicht wie ursprünglich um 12:40 Uhr, sondern erst um 13:30 Uhr starten würde – nachdem er bereits einige Wochen zuvor schon um zwei Stunden nach hinten verschoben worden war. Schade, so blieb uns noch weniger Zeit für eine erste Erkundung von Bordeaux. Als kleine Entschädigung gab es im Flieger ein kostenloses, überraschend gut schmeckendes Tomaten-Mozzarella-Baguette.

Die Wartezeit am Kofferband war erfreulich kurz, vor dem Terminal wartete bereits die Straßenbahn, die uns mit 18 Zwischenstopps für lediglich 1,90 EUR zur Haltestelle “Palais de Justice” und unserem IBIS Hotel beförderte.
Kurz nach dem Einchecken startete unsere erste Erkundung gleich mit einem kleinen Rätsel: Welche Funktion übernehmen die großen Anbauten in Form von Bienenstöcken des Palais de Justice, die der Architekt Richard Rogers bei der Modernisierung des Justizpalastes 1998 errichten ließ? Die Antwort ist so kreativ wie überraschend: Darin befinden sich die Gerichtssäle des Justizpalasts. Später lasen wir, sie sollen an Weintanks erinnern und so einen Bezug zur Region darstellen.


Entlang der Straßenbahnlinie spazierten wir Richtung Altstadt und kamen an der riesigen Kathedrale Saint-André vorbei. Im Inneren gab es nicht viel zu sehen, da ein Großteil aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen war. Auf dem freistehenden Glockenturm thront seit 1667 – nachdem ein Sturm die ursprüngliche Turmspitze hinweggefegt hatte – die Marienstatue Notre-Dame de l’Aquitaine, die von luftiger Höhe aus ganz Bordeaux überblickt.


Am Stadttor Grosse Cloche, dem Glockenturm des alten Rathauses, tauchten wir in die Altstadt von Bordeaux ein, in der man bereits 1971 rund 5.000 Gebäude unter Denkmalschutz gestellt hatte, um das einzigartige Gebäudeensemble zu erhalten. Im Sommer 2007 wurde dies mit der Aufnahme in die UNESCO-Weltkulturerbeliste gewürdigt.
Im Erdgeschoss der schön restaurierten Fassaden laden Geschäfte zum Einkaufsbummel ein und auf den Plätzen war an den Tischen der Restaurants und Cafés kein freier Platz zu finden.

Uns zog es in eine kleine Gasse, wo wir bereits am Vortag einen Tisch im indischen Restaurant Le Rajwal reserviert hatten. Um 18:45 Uhr waren wir fast die Einzigen – die Plätze füllten sich allerdings sehr schnell.

Nach dem Abendessen folgte noch ein abschließender Espresso und ein köstliches Eis im La Maison du Glacier, bevor wir unseren Weg zum Ufer der Garonne fortsetzten. Der schönste Platz der Stadt ist sicherlich der Place de la Bourse, der sich zwischen der ehemaligen Börse und dem ehemaligen Zollamt zur Garonne hin öffnet. Wer ihn von der Stadtseite aus überquert, sollte gut aufpassen, nicht von Autos, Straßenbahn, Fahrrädern oder E-Scootern erwischt zu werden – ein kleines Abenteuer für sich. Hat man diesen Hindernisparcours überstanden, spiegelt sich die prächtige Fassade des Platzes im flachen Wasserspiegel des Miroir d’eau, sofern nicht gerade Wind oder herumtollende Kinder die Wasseroberfläche aufwirbeln.

Jetzt nuss nur noch jemand dafür sorgen, dass es windstill wird
Danach war es an der Zeit, den Rückweg zum Hotel anzutreten und einen gelungenen ersten Urlaubstag Revue passieren zu lassen.






