Saubion (02.09.) – Pau, Geburtsstadt von Henry IV.

Unser heutiger nachmittäglicher Ausflug sollte uns nach Pau führen, der Hauptstadt des Départements Pyrénées-Atlantiques, von wo aus die historische Provinz Béarn und die drei Gebiete des französischen Baskenlandes verwaltet werden. 1h 20min später und 7,30 EUR an Autobahngebühren ärmer erreichten wir die Stadt. Wir hatten kein konkretes Besichtigungsprogramm geplant, eine Führung in französischer Sprache durch das Schloss wollten wir uns nicht antun, und so waren wir erst einmal auf der Suche nach einer Crêperie – was sich als gar nicht so einfach herausstellte.

Die erste hatte geschlossen, in der zweiten, über Google Maps identifizierten Lokation gab es nur Eis und keine Crêpes, und so spazierten wir weiter die Hauptstraße in Richtung Schloss hinunter, bis wir an einer Ecke ein Schild mit der Aufschrift „Crêpe“ sahen. Drinnen sah es eher nach einem Verkaufsraum für Marmelade aus, aber ein Schild wies uns zum Salon de thé. Wir stellten fest, dass wir im Maison Francis Miot gelandet waren, dem Laden des berühmtesten Konditors Frankreichs, dreifacher Weltmeister der Marmeladenherstellung (wer hätte gewusst, dass es dafür eine Weltmeisterschaft gibt). Wie auch immer, die Crêpes waren sehr gut, der Platz im Café mit Blick auf einen Teil der Altstadt Paus wirklich schön – so kann man seinen Nachmittag verbringen. Und ein Glas Marmelade nahmen wir beim Verlassen des Cafés auch noch mit und sind gespannt, wie die Weltmeister-Marmelade schmeckt.

Blick aus dem Fenster des Salon du Thé – das gegenüberliegende Haus fängt eigentlich erst in der dritten Etage an
Blick in den schön eingerichteten Salon du Thé. Während des Aufenthalts hat man allerlei Leckereien wie Gebäck, Marmelade, kandierte Nüsse und vieles mehr vor Augen und kann sich überlegen, was davon man unbedingt mit nach Hause nehmen muss

Im Anschluss schlenderten wir zum Schloss, dem Domizil des ersten Königs von Navarra Henri d’Albret und seiner Ehefrau Margarete. Ihre Initialen finden sich in den Steinmetzarbeiten an der Schlossfassade und im Schlossgarten wieder.

Blick in Richtung Innenhof des Schlosses
Offensichtlich, wer hier seinerzeit wohnte – Henri und Margarete

Bei unserem Rundgang um das Schloss entdeckten wir eine faszinierende Pflanze mit Früchten in der Farbe von Zitronen, jedoch in gänzlich anderer Form. Buddhas Hand, wie sich der Strauch nennt, stammt ursprünglich aus Südostasien und entwickelt bizarre Früchte, die an eine wulstige Hand mit abstehenden Fingern erinnern. Die Früchte werden in buddhistischen Zeremonien als Opfergaben dargebracht und am chinesischen Neujahrstag zudem als Glücksbringer verschenkt.

Buddhas Hand – Faszinierende Frucht
Hier hat die Frucht ihre Finger zu einer Faust geschlossen
Vom Schlossgarten aus bietet sich ein schöner Blick auf die Rückseite des Schlosses

Auf der Place Royale vor dem Rathaus hat man dem bekanntesten Sohn der Stadt ein Denkmal errichtet. Heinrich IV., König von Frankreich und Enkel von Henri d’Albret und seiner Frau Margarete, erblickte hier in Pau 1553 das Licht der Welt. In seiner Heimat nannte man ihn in der Landessprache “lo nòstre bon rei Enric” (zu deutsch „unser guter König Heinrich“). Er beendete 1598 die blutigen Hugenottenkriege und wollte nach Jahrzehnten des Kriegs in Frankreich Wohlstand und Frieden fördern. Er wünschte sich, dass es jedem Bauern in seinem Königreich so gut gehen solle, dass er sich jeden Sonntag ein Huhn im Topf leisten könne. Das Gericht „Huhn im Topf“ (Poule au pot) hat sich bis heute in Frankreich gehalten.

Henry IV. – unser guter König Heinrich

Gleich hinter der Statue Heinrichs verläuft der Boulevard des Pyrénées. Die berühmte Panoramapromenade ist fast zwei Kilometer lang und bietet bei klarer Sicht atemberaubende Ausblicke auf die Bergkette. Heute war es jedoch diesig, die Berge in der Ferne nur schemenhaft zu erkennen, und den Vordergrund mit riesiger Baustelle am Bahnhof muss man sich beim Ausblick wegdenken.

Schön angelegte Gärten auf der Panoramapromenade,
im Hintergrund sind bereits die Pyrenäen zu erkennen
Die Baustelle im Vordergrund ignorieren wir einfach
Weil die Pyrenäen doch recht weit weg sind, hier ein Foto mit ordentlichem Zoom

Zudem brannte die Sonne bei über 30 Grad im Schatten gnadenlos vom Himmel, und so wurde unser Spaziergang weniger ein Flanieren als vielmehr eine schweißtreibende Angelegenheit. Nachdem wir das Innere des Schlosses bei unserer Stadtbesichtigung bereits ausgelassen hatten und die Museen der Stadt im Reiseführer nicht gerade euphorisch angepriesen wurden, blieb uns auch die Fahrt mit einem weiteren Wahrzeichen der Stadt wegen Restaurierungsarbeiten verwehrt: Die Standseilbahn wurde 1908 eröffnet und überwindet seither auf einer Strecke von 105 Metern eine Höhendifferenz von 26 Metern. Die Strecke verläuft vom Boulevard des Pyrénées (206 Meter über dem Meer) hinunter zur Avenue Jean Biray (180 Meter) beim Bahnhof im Tal, und die Fahrt mit der Bahn ist kostenlos.
Ursprünglich war die Wiedereröffnung für Anfang Juli 2026 geplant, technische Probleme sorgten jedoch für eine erneute Schließung und eine Verschiebung der Eröffnung auf Mitte Oktober. Da im Herzen der Stadt am Place Clemenceau die Bauarbeiten für den Neubau der Galeries Lafayette hinter einer historischen Kaufhausfassade gerade erst begonnen haben, müssen wir irgendwann wiederkommen, um alle Sehenswürdigkeiten der Stadt bewundern zu können.

Bis die Galeries Lafayette hier wieder eröffnen, wird noch einige Zeit ins Land gehen

Unser Abendessen gab es heute zu Hause: Reste des Salats von gestern, aufgewertet mit einem Stück gebratenem Lachs, jedoch ohne Sauce Béarnaise. Geschmeckt hat es sehr gut – den Geruch aus der offenen Wohnküche herauszubekommen wird allerdings dauern.

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