Bayonne, die heimliche Hauptstadt des Baskenlandes, nicht weit von Biarritz entfernt und am Zusammenfluss von Adour und Nive gelegen, war unser Ziel für den heutigen Nachmittag. Der Name “Bayonne” bedeutet „guter Hafen“ – auch heute noch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Holz, Mais und Rohöl, das in der Nähe von Pau gefördert wird, sind die wichtigsten Exportgüter. Die Waffenschmiede der Stadt waren es im Übrigen, die im 16. Jahrhundert eine neue Kriegswaffe erfanden, die nach der Stadt benannt wurde: das Bajonett.
Abgesehen davon bot sich uns auf dem rechten Adour-Ufer in Grand-Bayonne (gegenüber liegt Petit-Bayonne) eine lebendige und schöne Stadt, als wir als ersten Eindruck die schmale Straße Port Neuf mit ihren vielen kleinen Geschäften beidseits der Straße in Richtung Kathedrale entlang gingen.
Die Kathedrale, der heiligen Gottesmutter Maria geweiht, stammt aus dem 13. Jahrhundert – Bayonne war ein wichtiger Halt auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Das Gotteshaus, wie es sich heute präsentiert, ist auf eine umfassende Sanierung im 19. Jahrhundert zurückzuführen. Nach Jahrhunderten der Vernachlässigung und den Folgen der Französischen Revolution befand sich die Kirche in einem katastrophalen Zustand. Eine Millionenspende eines Bankiers ermöglichte die Sanierung in dieser Größenordnung.
Die beiden monumentalen Kirchturmspitzen wurden erst in dieser Zeit entworfen und vollendet. Der Chorumgang und die Kapellen erhielten aufwändige Wandmalereien und Dekorationen, die von Louis Steinheil geschaffen wurden. Beeindruckend sind die Glasfenster aus dem 16. Jahrhundert. Sie zeigen Szenen aus Altem und Neuem Testament mit der Erschaffung der Erde, Szenen aus dem Leben Jesu und weiterer lokaler Heiliger.




Ein weiteres Schmuckstück, für das man jedoch die Kirche verlassen und einen separaten Eingang nutzen muss, ist der Kreuzgang mit filigranen Steinmetzarbeiten, der zudem einen schönen Blick auf die Südseite der Kathedrale ermöglicht. Im September bot der Kreuzgang die Bühne für eine Präsentation von prachtvollen Kostümen baskischer Tänzer, die mit ihrer Musik und ihrem Tanz, ähnlich wie beim Karneval in unserer Heimat, den Winter vertreiben und den Frühling begrüßen.
Ohne den genauen Hintergrund der Kostüme zu kennen, hat man entweder Angst vor den Figuren oder amüsiert sich über ihr Aussehen:







Vor dem Abendessen stand noch ein wenig Kultur auf dem Programm, das Museum Bonnat-Helleu auf der gegenüberliegenden Seite der Nive. Auf dem Weg dorthin noch einmal ein paar Eindrücke aus der Stadt.
Léon Bonnat, einer der beiden Namensgeber des Museums, wurde 1833 in Bayonne geboren und vermachte 1891 einen Teil seines Werkes sowie eine Vielzahl von Kunstobjekten, die er über Jahrzehnte gesammelt hatte, dem Museum. Er war vor allem für seine realistischen Porträts berühmter Persönlichkeiten bekannt und prägte mit seiner Tätigkeit als Professor an der École des Beaux-Arts in Paris eine ganze Generation von Künstlern. Mit der Schenkung von Paulette Howard Johnston kamen Drucke und Gemälde von Paul Helleu, ein enger Freund von John Singer Sargent, in die Sammlung.
Das Museum war 14 Jahre lang geschlossen und wurde 2025 wiedereröffnet, sodass sich auch immer mal wieder ein Blick auf das historische Gebäude lohnt.

Nachfolgend ein paar der Kunstwerke, die wir zu sehen bekamen:








Wir wechselten noch einmal das Ufer der Nive und suchten die Pizzeria San Severo auf, eher eine Lokation zur Bestellung/Abholung der beworbenen “pizza au feu de bois” mit ein paar Stühlen. Nachdem uns einige Minuten niemand bediente, wagten wir die Bestellung am Tresen – genau das hatte uns der Angestellte am Tresen bei unserem Eintreffen wohl gesagt, wir hatten sein schnelles Französisch aber nur halb verstanden. Die Pizza war ausgesprochen gut, auch wenn der Pizzabäcker alles andere als nach italienischer Herkunft aussah.


Wir spazierten zurück zum Ufer der Adour, wo wir unser Auto geparkt hatten, und machten uns satt und zufrieden auf den Rückweg zu unserem Ferienhaus.










