In der Hochsaison platzt die Stadt Biarritz mit ihren 25.000 Einwohnern aus allen Nähten, die Zahl der Einwohner wächst um das vierfache an. Heute sollten sich zu den braun gebrannten, muskulösen Surfern und den gut betuchten Besuchern aus aller Welt zwei weitere deutsche Touristen hinzugesellen – wir.
Doch vorher machten wir noch einen Abstecher ins etwas südlicher gelegene Bidart, dem höchstgelegenen Dorf an der baskischen Küste. Parkplätze waren unterhalb des alten Dorfkerns ausreichend vorhanden, und von dort war es nicht allzu weit bis zum Marktplatz mit dem Rathaus, wo sich Besucher eine kleine Pause in einem der Cafés gönnten.
Ein Stück weiter, nahe der kleinen Kapelle Sainte-Madeleine, öffnete sich der Blick hinauf auf den Ozean und nach Süden zu den Gipfeln der Pyrenäen. Achtzig Meter tiefer tanzten als schwarze Punkte unzählige Surfer auf den Wellen des Atlantischen Ozeans.

Bis nach Biarritz war es nicht mehr weit – erste Aufgabe war es, ein Parkhaus zu finden. Bis weit hinein in die Stadt folgten wir den Wegweisern, die noch freie Plätze in einem der Parkhäuser anzeigten. Doch kurz vor dem letzten Parkhaus verhinderte ein Poller mitten in der Straße die Weiterfahrt. Durch eigentlich verkehrsberuhigte Zonen war es nicht ganz leicht, den Rückweg zu einer der anderen Parkgaragen zu finden, doch das war auch irgendwann geschafft, und wir konnten unseren Weg in Richtung Meer antreten.
Erstes Ziel war die Crêperie Le Blé Noir, damit wir das Thema Abendessen schon mal abhaken konnten.

Zwischen den Betonklötzen moderner Hotels finden sich Zeitzeugen der Belle Époque, der Zeit, als der Adel Biarritz – das bis ins 17. Jahrhundert nicht mehr als ein kleiner Hafen war – für sich entdeckte. Napoleon I. war 1808 einer der frühen Badegäste, einige Zeit später Eugénie de Montijo, Ehefrau Napoleons III. und Kaiserin von Frankreich. Dem kaiserlichen Vorbild, hier die Sommerfrische zu genießen, folgten Mitglieder des Adels aus ganz Europa; prunkvolle Villen wurden gebaut, ein Casino entstand, und Biarritz wuchs immer weiter. Ein Zeitzeuge ist die Villa Belza auf einem Felsvorsprung in Toplage. In den 1920er Jahren wurde die Villa vom Schwager des Komponisten Igor Strawinsky in ein farbenfrohes russisches Restaurant umgewandelt. Die Pariser Elite, Flüchtlinge vor der russischen Revolution sowie europäische Adlige feierten rauschende Partys. Zu den Stammgästen gehörte der Prinz von Wales – der zukünftige König Edward VIII.

Anziehungspunkt für einen Spaziergang entlang der felsigen Küste ist der Rocher de la Vierge, ein Felsen vor der Küste der Stadt, gekrönt von einer Marienstatue, die dem Felsen ihren Namen gab. Der Felsen ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts vom Festland aus über eine Fußgängerbrücke erreichbar. 1887 wurde die ursprünglich hölzerne Brücke durch eine Metallkonstruktion ersetzt.
Bei gar nicht einmal starkem Wind warfen sich die Wellen gegen die Felsen – bei richtigem Sturm wollten wir hier besser nicht stehen.
Bevor wir uns auf den Nachhauseweg machten, genossen wir einen Drink mit Blick auf die felsige Küstenlandschaft bei langsam einsetzender Dämmerung von der Bar Olatua aus.

Etwas weiter am nördlichen Ende des Strands von Biarritz begann zur gleichen Zeit der Leuchtturm mit seiner Arbeit, die vorbeifahrenden Schiffe zu warnen, nicht zu nahe an die Küste zu fahren.







