Sölden (24.09.) – Auf den Spuren der Bergleute in Ötz

[Hinweis: Auf dieser Tour ist Jochen alleine unterwegs; Link zum heutigen Wanderweg: Knappenweg Rundtour]

Von den vier Bergbahnen, die aktuell noch in Betrieb waren, beförderten drei die Gäste in Sölden auf die Berge, die vierte im unteren Teil des Ötztals im namengebenden Ort Ötz. Die Gondeln der Acherkogelbahn schweben von der Talstation auf 814m ü.M. hinauf zur Bergstation in einer Höhe von 2.023m ü.M.

Schon auf der Bergfahrt bietet sich ein tolles Panorama

Von dort führte der konditionell recht anspruchsvolle Knappenweg über 12 km durch die Bergwelt der Ötztaler Alpen, auf den Spuren der Bergleute, die hier vor über 350 Jahren unter strapaziösen Bedingungen Kupferkies, Bleiglanz und Pyrit schürften. Mehr dazu gab es allerdings erst im zweiten Teil der Wanderung im Wörgetal.

Zunächst hieß es jedoch, steil den Berg hinauf zu stiefeln, an der neuen Bielefelder Hütte vorbei in Richtung Rossköpfl. Die Ausblicke auf unzählige Berggipfel und der Blick hinunter ins Ötztal bis hinüber ins Inntal, waren atemberaubend – ganz im Gegensatz zum Wanderweg, der aufgrund des Anstiegs einfach nur atemraubend war.

Ein fantastischer Blick auf die Berge und Täler Tirols
Die kleine Holzhütte gleich neben der neuen Bielefelder Hütte wartet auf Après-Skigäste im nahenden Winter

Der vorgegebene Weg verlief etwas unterhalb des Gipfels des Rossköpfl (2.400 m): Über einen steinigen und teilweise mit kurzen Seilen gesicherten Pfad waren auch die letzten Meter bis hinauf zum Gipfelkreuz zu schaffen.

“Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer… “- Xavier Naidoo scheint vor dem Schreiben dieses Liedes hier unterwegs gewesen zu sein
Blick zurück auf das Gipfelkreuz des Rossköpfl im Vordergrund

Nach kurzer Ruhepause stand der nicht weniger anspruchsvolle Anstieg zum Wetterkreuz (2.519m ü.M.) an, nach drei Kilometern Wanderung waren bereits rund 600 Höhenmeter überwunden. Ohne große Rechenkünste ergibt sich damit eine durchschnittliche Steigung von 20 % – da darf man schon mal ins Schwitzen und außer Atem geraten.

Drei weitere Wanderer hatten es bis zum Gipfel geschafft, den weiteren Weg gingen wir jedoch nicht gemeinsam
Noch ein letzter Blick auf das Rossköpfl – bevor es über den Pass ins Wörgetal hinunter geht

Oben angekommen wehte ein stürmischer und recht kalter Wind, der einen längeren Aufenthalt ziemlich ungemütlich machte. Der Abstieg hinunter ins Wörgetal war in etwa genauso steil wie der vorherige Anstieg und über steinige, ausgetretene Pfade nicht gerade komfortabel zu gehen.

Abstieg über einen sehr steinigen Weg hinunter ins Tal

Bäume waren unterwegs bis dahin keine zu sehen – das änderte sich erst mit dem Erreichen des kleinen Puchersees. Der See erhielt seinen Namen vom nahegelegenen Pochwerk, einer Stelle, an der das von den Bergleuten im Bergwerk geförderte Gestein gebrochen und für den Weitertransport ins Tal vorbereitet wurde.

Langsam kommt wieder etwas Farbe in die Landschaft. Preiselbeer- und Blaubeersträucher färben die Landschaft bunt
Nachbau des Pocherwerks auf der rechten Seite und der ehemaligen Bergwerkshütte auf der linken

Es folgten zwei kurze, aber knackige Anstiege durch eine wunderschöne Landschaft mit Zirben und großflächig wachsenden Preiselbeerbüschen. Unterwegs kam ich mit einem Einheimischen, der einen ganzen Eimer Preiselbeeren gesammelt hatte, ins Gespräch – übrigens dem einzigen Menschen, den ich seit dem Gipfel des Wetterkreuzes gesehen hatte. Nach eigener Aussage besteht nach dem Erproben verschiedener Rezepturen für das Einkochen der Preiselbeeren seine aktuell bevorzugte Variante in der Zugabe von 20 % Zucker und Agar-Agar als Geliermittel – soweit die Haushaltstipps des heutigen Tages.

Angenehmer für’s Auge im Vergleich zur Steinwüste am Wetterkreuz und im oberen Wörgetal
Fruchtig rote Preiselbeeren
Blick zurück ins Tal, durch das sich die Straße Richtung Kühtai schlängelt

Nach einer ansonsten langen, einsamen Wanderung war ich froh, nach 10 km in der Ferne die Balachalm zu entdecken. Noch besser war, dass die Alm geöffnet hatte und mir rund eine Stunde Zeit blieb, dort einzukehren, bevor ich die letzte Talfahrt der Seilbahn erreichen musste. Für das Bestellen einer Mahlzeit blieben bis zum Schließen der Küche genau sechs Minuten – kein Problem für Kurzentschlossene. Die Wahl fiel auf sehr gehaltvolle Käsespätzle, die den Kalorienhaushalt auf einen Schlag wieder auffüllten.

Hinter der Liftanlage grüßt bereits die Balachalm mit einem freundlichen “Servus” in den Dachschindeln
Nach der Portion Käsespätzle war ich mehr als satt

Die letzten zwei Kilometer des Wanderwegs verliefen auf dem breiten Fahrweg von der Bergstation der Acherkogelbahn zur Balachalm – nach schmalen und steinigen Pfaden eine angenehme Abwechslung. Nach zwölf Kilometern Wanderung und über 800 Höhenmetern bergauf und bergab war es schön, die Bergstation der Acherkogelbahn zu erreichen und entspannt nach unten zu gleiten.

Für den späten Nachmittag war Regen vorhergesagt – ich blieb bei der Wanderung davon verschont

Das Abendessen war mit den Käsespätzle unterwegs bereits erledigt, sodass ich mich am Abend auf Körperpflege konzentrieren konnte, verbunden mit einem kurzen Saunagang im Spabereich des Hotels.

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