Die erste Blütezeit der Stadt Meran war im 14. Jahrhundert, als die Grafen von Tirol die Stadt zu Ihrer Hauptstadt machten und die Silberbergwerke sowie der Handel über die Alpen von München nach Venedig florierte. Nachdem die Hauptstadt Tirols nach Innsbruck verlagert worden und der Handel nach Bozen abgezogen war, geriet die Stadt knapp 500 Jahre in einen Dornröschenschlaf. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Meran zum Kurort. Als 1870 Kaiserin Sissi sieben Monate in der Stadt verbrachte, begründete sich Merans Ruf als Kurort – eine zweite Blütezeit begann.
Auf die aufwendige Parkplatzsuche wollten wir heute verzichten und nutzten die (mit unserer VinschgauCard kostenlose) Bahn, die in 45 Minuten die Stadt Meran erreicht. Am Hauptbahnhof angekommen, standen wir zehn Minuten Fußmarsch später am Rand der Altstadt und spazierten als erstes zur Kurpromenade an der Passer, die den Ort durchfließt. Viele der Bauten stammen aus der Zeit Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts im Architekturstil der Zeit, dem Jugendstil – so zum Beispiel das Kurhaus, dessen neuer Trakt 1914 fertiggestellt wurde, das Stadttheater von 1899 oder die Postbrücke von 1909.


Auf der Promenade wirbt man mit zwei blumenverzierten Reitern für den Pferderennplatz, auf dem regelmäßig Rennen ausgetragen werden – unter anderem das Haflinger Galoppreiten und der Große Preis Meran.

Wir überquerten die Postbrücke und gingen kurz die Sommerpromenade entlang, schon erblicken wir die Statue der kaiserlichen Hoheit Elisabeth von Österreich. Die Stadtväter taten gut daran, ihr einen ehrenvollen Platz zu widmen, eine bessere Werbung als eine mit Sissi ist wohl kaum möglich.


Über die Postbrücke zurück und durch das Bozner Tor – eines der (von ursprünglich vier) noch erhaltenen drei Stadttore – erreicht man die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus mit der benachbarten Barbarakapelle.

Beide Kirchen stammen aus der ersten Blütezeit der Stadt. In St. Nikolaus stimmte gerade ein Orgelstimmer die Pfeifen nach – wir hatten Sorge, dass die hohen angeschlagenen Töne die bunten Glasfenster der Kirche zum Bersten oder uns um unser Gehör bringen könnten.

Die Barbarakapelle wurde ursprünglich als Totenkapelle des Friedhofs errichtet. Besonders sehenswert ist der niedersächsische spätgotische Flügelaltar und die Darstellung des letzten Abendmahls.


Im benachbarten Caffe’ Aida Pasticceria probierten wir anschließend aus, ob Apfel- und Feigenstrudel in der nach eigenen Aussagen “kleinsten Konditorei der Stadt” genießbar sind. Nicht vollkommen überraschend gab es von ins ein klares “Ja”, wobei die Strudelstücke im Gegensatz zur Bäckerei ordentlich groß waren.

Ein kleiner Versuch, die zuvor aufgenommenen Kalorien wieder abzutrainieren, bestand darin, den Tappeinerweg entlang zu spazieren, der hinter der Kirche beginnt und den Berg hinauf steil ansteigt. Zu Ehren von Franz Tappeiner – einem Arzt aus dem Vinschgau, der sich nach seinem Medizinstudium in Innsbruck, Prag, Padua und Wien in Meran niedergelassen hatte – steht am gleichnamigen Weg sogar ein Denkmal. Zu Recht, denn er war es, der Mitte des 19. Jahrhunderts den Kurbetrieb in der Stadt aufbaute. Durch seine Stiftungen entstand 1850 die Wandelhalle an der Passerpromenade. Später spendete er ein kleines Vermögen für die nach ihm benannte Promenade oberhalb von Meran: Wege wurden neu angelegt und exotische Pflanzen angepflanzt – alles, um den Kurgästen den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten.


Die Tappeiner-Promenade windet sich am Ende hin zur Passerschlucht hinunter, über die Römerbrücke spazierten wir über die Sommerpromenade zurück Richtung Stadt.

Gleich gegenüber der Post, wo wir heute Mittag bereits waren, um uns mit Briefmarken einzudecken, steht die Spitalkirche zum Heiligen Geist: von außen eher unscheinbar, im Inneren jedoch mit bemerkenswerter Ausstattung. Für die musikalische Untermalung unseres Besuchs sorgte ein junger Mann, der vermutlich für den nächsten Gottesdienst übte.


Nach dem ordentlichen Stück Strudel am Nachmittag wollte sich der Hunger am Abend nicht so recht einstellen, daher sollte es heute nur eine Vorspeisenportion geben. Wir entschieden uns für einen Platz auf der Außenterrasse des Restaurants des Hotels Europa Splendid. Die “Kartoffelteigtaschen mit Pfifferlingen” sowie “Penne Ragout” waren unserem Hunger angemessen.


Nach einem Absacker im Giardino an der Kurpromenade wurde es langsam Zeit den Rückweg zum Bahnhof, um die Heimfahrt nach Goldrain anzutreten. Schön war es heute in Meran.

Wir kommen sicherlich nochmal wieder, um uns die Gärten im Schloss Trautmannsdorf anzuschauen.