Es ist Dienstag nach Pfingsten und unser erster Urlaubstag. Eigentlich sollten wir jetzt bei strahlendem Sonnenschein in Süditalien unsere Ferienwohnung bezogen und die Erkundung der Umgebung begonnen haben. Die Corona-Pandemie hat uns allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht – die beiden Ferienwohnungen konnten wir ebenso wie den Mietwagen stornieren, beim Flug warten wir noch auf Rückerstattung. Wir hoffen aber, die Reise genauso im kommenden Sommer nachholen zu können. Zu Hause bleiben heißt aber nicht, den ganzen Tag in der Wohnung zu verbringen. Die heutigen Ausflugsziele hatten wir bereits vor Jahren angesteuert, der vorhergesagte Sonnenschein lud jedoch zu Wiederholungen ein.
Klein-Auheim und der dortige Tierpark in der Alten Fasanerie war das erste Ziel des Tages. Besonders an die Elche, die wir damals hier gesehen hatten, konnten wir uns noch gut erinnern. Dieses Highlight wollten wir uns bis zum Schluss aufheben.
Bei fast 30 Grad im Schatten machten es sich viele der Tiere im Schatten gemütlich oder gar im Inneren einer kühlen Behausung, die für die Besucher nicht einsehbar ist. Die Gehege für Iltis, Marder, Dachs und Luchs waren trotz intensiver Suche verwaist, doch es gab auch Tiere, die sich den neugierigen Blicken der Besucher nicht entziehen konnten, unter anderem zwei Esel, die in der Sonne dösten.

Bei den Ziegen des Streichelzoos konnten wir noch keine auffälligen Verhaltensänderungen erkennen, denn auf Streicheleinheiten von Besuchern müssen die Tiere seit Ausbruch der Pandemie genauso verzichten wie auf eine Extra-Portion Futter.
Nicht zum Streicheln geeignet war die nachfolgende Spezies. Ein Auerochse genoss das Sonnenbad im trockenen und staubigen Gehege.

Dagegen hatten es die Hochland-Rinder, Immigranten aus Schottland, unter schattigem Blätterdach und auf kräftigem Grün stehend, deutlich angenehmer. Ihr Fell und die zotteligen Haare sind nicht wirklich für sommerliche Temperaturen geeignet. Ein Friseur wäre dringend notwendig gewesen, um den Durchblick zu gewährleisten.



Putzmunter und schlammverschmiert ging es bei den Wildschweinen zu. Die Frischlinge liefen grunzend neben ihren Müttern durchs Gehege und der ein oder andere Nachwuchs, der noch keine Besucher gewohnt war, erschreckte sich bei unserem Anblick – wahrscheinlich, weil wir heute Morgen geduscht hatten und ordentlich rochen.


Weiter ging es zum Wolfsgehege mit einem überaus aufmerksamen Gesellen, der die Besucher fest im Blick hatte, verspielt in seinem Gehege umher tollte oder durch die ausgetretenen Pfade schlich.


Seine Artgenossen aus dem hohen Norden, in der Anlage leicht am hellen Fell zu erkennen, waren etwas gemütlicher unterwegs. Nachdem die Polarwölfe von der höchsten Erhebung im Gehege die Lage gecheckt und für unkritisch befunden hatten, legten sie sich in den Schatten und hielten ein Mittagsschläfchen.


Das für den Abschluss geplante Highlight musste leider entfallen, da die Elche trotz intensiver Bemühungen unsererseits nicht in ihrem weitläufigen Gehege auszumachen waren. Vielleicht trauern die beiden verbliebenen Exemplare immer noch ihrem dritten Mitbewohner nach, der, wie wir später lesen konnten, Anfang des Jahres leider eingeschläfert werden musste. Hoffentlich treffen wir bei unserem nächsten Besuch wieder auf diese riesigen nordischen Waldbewohner.
Ein kurzes Stück mainaufwärts liegt Seligenstadt, bekannt für seine historische Altstadt und das Kloster mit wunderschönem Klostergarten. Unser letzter Ausflug hierher lag bereits knapp acht Jahre zurück, an die Führungen durch Kloster und alte Apotheke konnten wir uns nicht mehr erinnern, der Klostergarten jedoch war im Gedächtnis geblieben.

Bevor wir jedoch durch den Garten schlenderten, stand uns der Sinn nach einer kleinen Erfrischung auf der Terrasse des Cafés. Die wegen Corona geänderte Wegführung durch das Café, zur Toilette und hinaus auf die Terrasse überforderte uns ein wenig. Zudem mussten wir gut zehn Minuten warten, bis der zuvor freigewordene Tisch desinfiziert und zur erneuten Nutzung freigegeben wurde. Dann konnten wir uns endlich eine Bionade und einen Espresso schmecken lassen.
Der Bau des Klosters geht auf Einhard, den Biographen Karls des Großen zurück, der in dieser Gegend Gründer und Namensgeber für einige kirchliche Bauten war, unter anderem der Einhardsbasilika bei Michelstadt. Mit Speck fängt man Mäuse und mit Reliquien Gläubige – so erwarb Einhard in Rom die Reliquien frühchristlicher Märtyrer und sorgte damit für steigende Pilgerzahlen in Seligenstadt. Das Kloster wurde im Rahmen der Säkularisierung 1803 aufgelöst und befindet sich heute in der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen. Im Garten wachsen alte Obstsorten und fleißige Bienen und Hummeln verrichten unablässig ihre Arbeit.



Faszinierend ist auch die Rekonstruktion des Apothekergartens mit seinen rund 200 Heilkräutern. Entfalten die Pflanzen weniger heilende, sondern eher gesundheitsgefährdende Wirkung, ist dies mit einem kleinen Totenkopf auf den Schildern gekennzeichnet.

Nach kurzem Spaziergang durch die an das Kloster angrenzende Altstadt, in der Einheimische wie Touristen in Cafés saßen und die Sonne genossen, kehrten wir zum Auto zurück und traten den Nachhauseweg an.

Zumindest ein Hauch von Italien wollten wir am Abend dann aber noch genießen und hatten bereits am Vorabend einen Tisch auf der Terrasse unseres Lieblingsitalieners reserviert – nach zweieinhalb Monaten ohne Restaurantbesuch eine mehr als willkommene Abwechslung. Viel besser schmeckt die Pizza auch in ihrem Herkunftsland nicht.


