Zum Glück gibt es in New York genügend Möglichkeiten, an einem Regentag etwas zu unternehmen. Eine davon ist, eines der vielen Museen zu besuchen. Wenn man einen ganzen Tag Zeit hat, bietet sich dafür das Metropolitan Museum of Art, oder einfach nur “Met” genannt, an. Auf dem Weg dorthin lernten wir etwas in Sachen Metro hinzu: Die Linien B und D fahren zwar in die gleiche Richtung Uptown, die Linie D hält jedoch als Schnelllinie deutlich seltener. Da Jochen der Ansicht war, es mache keinen Unterschied, welche Metro man nehmen müsse, standen wir kurze Zeit später am Bahnhof der 125. Straße und waren damit lediglich 42 Querstraßen über das Ziel hinausgeschossen – und nahmen die Metro zurück Richtung Downtown zur eigentlichen Haltestelle.
Das größte Kunstmuseum der USA wurde im Jahr 1870 von amerikanischen Geschäftsleuten gegründet und befindet sich seit 1880 auf der Ostseite des Central Parks an der Fifth Avenue. Als Universalmuseum umfasst die Sammlung ägyptische, amerikanische, asiatische, griechische, römische Kunstwerke und vieles mehr. Für den umfangreichen mittelalterlichen Teil wurde das separate Museum The Cloisters eingerichtet, in dem sich Amerikaner, die nicht nach Europa fahren können oder wollen, unter anderem vollständige französische Kreuzgänge anschauen können.
Bei der Masse der Ausstellungsgegenstände muss man sich bei einem Tagesbesuch auf einige ausgewählte Bereiche fokussieren, da es nicht möglich ist, die beiden Stockwerke an einem Tag vollständig anzuschauen. Wir hatten uns zuvor zwei Bereiche ausgesucht, zunächst wollten wir uns die moderne bis zeitgenössische Kunst Europas/Nordamerikas im 1. Stock anschauen und im Anschluss die europäische Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts im 2. Stock.
Hier zunächst Eindrücke aus dem ersten Stock:


In einem Raum hat Thomas Hart Benton das Amerika der 1930er Jahre festgehalten: Uns erinnerte es an die erst vor Kurzem in Halle (Saale) gesehenen Werke von Willi Sitte, der Szenen aus dem Arbeitsalltag der DDR-Arbeiter dargestellt hatte.


Werke von René Magritte beeindrucken immer wieder durch seine Originalität – bei dem hier ausgestellten Frauenakt malte er seine eigene Frau, schnitt das Bild in einzelne Teile und setzte es anschließend wieder zusammen.
Auf ganz andere Weise beeindruckte das Werk von Ruth Asawa durch seine filigrane Ausgestaltung. Die Künstlerin verzichtete auf einen Titel für das Kunstwerk, aber man kann es ja auch einfach schön finden ohne zu wissen, was es genau darstellen soll.
Auch nicht so ganz einfach zu interpretieren sind meist die Werke von Salvador Dali. Schaut man von Weitem auf sein Werk “Madonna”, ist dort Raffaels Sixtinische Madonna nachempfunden – allerdings in einem riesigen Ohr, ein Hinweis auf die Passion Christi.
Wo sich oben und unten bei Bildern von Georg Baselitz befindet, erkannt man am besten, wenn man auf die Unterschrift des Künstlers schaut.
Etwas leichter zugänglich sind die Werke von Max Beckmann und Edward Hopper.

Edward Hopper – Office in a small City (1953)
Sehr originell war auch eine Skulptur des zeitgenössischen indischen Künstlers Alwar Balasubramaniam genannt “Bala” aus dem Jahr 2011 – eine leblose Hülle eines Menschen in Sandstein gemeißelt.
Als wir mit dem Aufzug das Stockwerk wechseln wollten, fragte uns ein Bediensteter, ob wir nicht Lust hätten, eine Fahrt zur Roof Garden Bar im 5. Stock zu unternehmen, schließlich sei für den Nachmittag Regen vorhergesagt und daher der Besuch jetzt sinnvoll. Den Vorschlag nahmen wir gerne an, bietet die Terrasse doch einen spektakulären Ausblick auf das Häusermeer südlich des Central Parks. Auf der Webseite des Met stand noch, dass die Terrasse wegen Corona geschlossen sei.
Völlig überraschend blieb das Gedränge auf der Terrasse aus und wir fanden mit einem kühlen Getränk von der Bar Platz auf einer der Bänke – die Füße freuten sich über die kurze Pause.
Danach tauchten wir in die europäische Malerei des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts ein und fühlten uns zwei Wochen zurückversetzt. Ähnlich wie bei unserem Besuch des Pariser Musée d’Orsay waren wir umgeben von impressionistischen Meisterwerken von Claude Monet, Szenen aus Südfrankreich von Vincent van Gogh, Ballerinas und Pferden von Edgar Degas, lebhaften Portraits von Édouard Manet und vielen weiteren namhaften Künstlern.


Das nachfolgende Bild von Claude Monet hätten wir spontan Auguste Renoir zugerechnet, da wir erst vor kurzem im Frankfurter Städel ein Bild von ihm gesehen hatten, dass Pariser am Wochenende in Croissy-sur-Seine zeigt. Da Renoir und Monet zusammen malten, verwundert es allerdings nicht, die gleiche Szene in etwas unterschiedlicher Ausführung zu sehen.


Und dann noch eine Überraschung: Ein Bild von Edgar Degas ohne Ballerinas oder Pferde? Gefiel uns trotzdem sehr gut.
Nach einem kleinen Snack im Museums-Café trennten wir uns auf. Alex wollte sich die Werke der Robert Lehman Collection anschauen, während es Jochen zur Kunst des Mittelalters zog. In letzterer Abteilung finden sich Heiligenfiguren, Elfenbeinschnitzereien und noch viel mehr sakrale Kunst aus Italien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland.


Nach einem kurzen Abstecher zur ägyptischen Abteilung war es an der Zeit, des riesigen Museumsshop nach einem Erinnerungsstück zu durchforsten.
Da wir jedoch nicht bereit waren, 38 Dollar für eine Einkaufstasche oder 20 Dollar für ein Lesezeichen auszugeben, blieb es bei einem kleinen Magneten mit dem Schriftzug THE MET – vorerst. Denn auf dem Weg zum Ausgang kamen uns völlig durchnässte Touristen entgegen – ein sicheres Zeichen, dass der angekündigte Starkregen eingesetzt hatte und dieser auch nicht bis zur Schließung des Museums in einer halben Stunde aufhören würde. Dummerweise hatten wir keinen Schirm eingepackt und die Regenschirme aus dem Shop waren – wie sollte es auch anders sein – unverschämt teuer. Also, was tun? Plötzlich sahen wir einige Besucher mit THE MET-Regencapes umher laufen, Alex entdeckte einen frisch herbeigeholten und neu geöffneten Karton mit den Capes und schaffte es, zwei davon für uns für je 3 Dollar (natürlich ein Angebot, ursprünglicher Preis war 10 Dollar) zu ergattern. Die Regencapes entwickelten sich minütlich zum absoluten Verkaufsschlager – wir wurden beim Ankleiden mindestens fünfmal gefragt, wo man die Plastikumhänge her bekommt und was sie kosten.
Im Hotel angekommen wechselten wir die doch teilweise nass gewordenen Klamotten und machten uns zum Abendessen erneut Richtung 9th Avenue auf. Im ersten thailändischen Restaurant unserer Wahl namens Wondee Siam mit einer extrem gut gelaunten Bedienung und nicht mehr als 20 Sitzplätzen, dicht gedrängt auf engstem Raum, genossen wir scharfes, aber extrem gutes thailändische Essen, um im Anschluss müde ins Hotelbett zu fallen.
























