Da für den Nachmittag ausgiebiger Regen angekündigt war, legten wir unseren geplanten Museumsbesuch auf den Nachmittag und starteten mit einem Rundgang durch Den Haag. Vom Hotel, das in der Nähe des Regierungsviertels der Niederlande Binnenhof liegt, spazierten wir zunächst ein Stück nach Osten, um der Noordeinde zu folgen, die schnurstracks vom Zentrum aus Richtung Nordwesten führt und mit allerlei Geschäften, Cafés und Restaurants zum Schlendern, Schauen und Shoppen einlädt.



Nach ein paar hundert Metern stießen wir unweigerlich auf ein Reiterstandbild Wilhelm von Oraniens. Seine Erfolge zur Befreiung der Niederlande von der spanischen Fremdherrschaft Ende des 16. Jahrhunderts brachten ihm den Ehrentitel „Vater des Vaterlandes“ ein. Der Königliche Paleis Noordeinde direkt gegenüber des Standbilds dient als offizieller Amtssitz der niederländischen Monarchie.
Der amtierende König Willem-Alexander (vollständig: Willem-Alexander Claus George Ferdinand, Prinz von Oranien-Nassau, Jonkheer van Amsberg) hat somit bei der Regelung seiner Amtsgeschäfte immer den Staatsgründer vor Augen. Heute jedoch hatte Willem-Alexander frei: auf dem Dach des Hauses war die Flagge, die seine Anwesenheit anzeigt, nicht gehisst.

Ein kleines Stück weiter die Straße entlang befindet sich das Museum Panorama Mesdag, das das größte Gemälde der Niederlande gleichen Namens beherbergt. Bereits im Jahr 1881 entstanden und auf einer Fläche von 1680 qm gemalt, zeigt es das Panorama von Scheveningen, einem Stadtteil von Den Haag.
Der Blick geht von der Düne Seinpostduin hin zum Meer, den Dünen, dem alten Fischerdorf Scheveningen und den Strand mit Fischerbooten und Badekarren.

Einer der bekanntesten Maler der Haager Schule namens Hendrik Willem Mesdag fertigte das Gemälde zusammen mit seiner Frau Sientje von Houten und vier Mitarbeitern in nur vier Monaten.
Man betritt das Panorama von unten über eine Treppe und befindet sich unmittelbar in der Mitte des Gemäldes. Die Illusion, am Strand von Scheveningen zu stehen, wird durch Möwengeschrei, das über Lautsprecher ertönt, und dem zwischen Aussichtsplattform und Gemälde angehäuften Sand verstärkt.
Auf unserem Ausflug nach Scheveningen übermorgen werden wir schauen, welchen gravierenden Wandel das kleine Fischerdörfchen in den letzten 140 Jahren erlebt hat.



Hier noch weitere Bilder aus der Sammlung:
Ein Stück stadtauswärts steht der Friedenspalast, dem Symbol für Frieden in der Welt. Hier tagt der Internationale Gerichtshof der UNO, der im Moment aufgrund des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern mehr denn je gefordert ist. Sicherlich auch ein Grund, warum etliche Reporter vor dem Zaun ihre Kameras aufgebaut hatten und live die neuesten Entwicklungen für die Zuschauer zu Hause kommentierten.
Da der für den Nachmittag angekündigte Regen früher als geplant einsetzte, machten wir uns auf den Rückweg und besuchten das Mauritshuis, in dem sich die Königliche Gemäldegalerie befindet. Das Mauritshuis war ursprünglich ein Stadtpalast, der im 17. Jahrhundert für Johann Moritz Fürst von Nassau-Siegen erbaut wurde. Die berühmteste Bewohnerin jedoch stammt aus dem Jahr 1665, wurde von Johannes bzw. Jan Vermeer gemalt und trägt ein Perlenohrgehänge.

Aber auch Gemälde von Rembrandt wie zum Beispiel die Anatomiestunde des Dr. Nicolaes Tulp von 1632, das dem 25jährigen Rembrandt den Durchbruch bescherte, oder Der Distelfink von Carel Fabritius und viele weitere hochkarätige Kunstwerke von Frans Hals oder Jan Steen lohnen den Besuch.






Eines der wichtigsten Gemälde des 17. Jahrhunderts, das Herrscher in ganz Europa begeisterte, wurde von Paulus Potter gemalt: Die Sensation des im Jahr 1647 gemalten Bildes war, dass eine ganz alltägliche, völlig gewöhnliche Szene im Großformat dargestellt wurde. Das Gemälde befindet sich aktuell in der Restaurierung, es laufen Untersuchungen mit unterschiedlichem technischem Gerät, unter anderem um festzustellen, mit welchen Farben der Künstler im 17. Jahrhundert gemalt hat.
Wie auch im Depot in Rotterdam versucht das Museum, die Besucher bei der Restaurierung mitzunehmen. Um 14 Uhr beantworteten zwei Restauratorinnen (hier der Blog von Abbie) Fragen der Besucher und stellten die Vorgehensweise für die Restaurierung dar und die Erkenntnisse, die man bei den Untersuchungen bisher gewonnen hat. So zum Beispiel, dass ein Teil des Gemäldes erst später vom Maler hinzugefügt wurde, und dass der Stier anhand unterschiedlicher Studien gemalt wurde, die Hörner deuten auf ein Alter von zwei Jahren hin, die Zähne auf ein Alter von vier Jahren. Im Gegensatz zur letzten viermonatigen Restaurierung in den 1970er Jahren ist der aktuelle Zeitraum bis Ende 2025 terminiert.

Und natürlich darf auch das Bild von Carel Fabritius, auf dem ein angeketteter Distelfink zu sehen ist, nicht fehlen. Der Maler selbst, ein Schüler Rembrandts, kam bei der Explosion eines unterirdischen Pulvermagazins in Delft am 12. Oktober 1654 ums Leben. Aus dem gleichen Jahr stammt das Bild des Distelfinks.
Wenn man sich die Auslage im Museumsshop anschaut, kann man mit dem Abdruck von Rembrandts berühmtestem Gemälde auf Souvenirs aller Arten offensichtlich gutes Geld verdienen – über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.


Für das Abendessen war heute mal wieder italienisch angesagt. Im Restaurant La Lanterna hatten wir für 18 Uhr einen Tisch reserviert. Mit Blick durch die Fensterscheibe auf den Dauerregen saßen wir im Warmen und ließen uns die Pizza und Lasagne schmecken.










