Im Den Haager Stadtteil Duinoord steht ein Museum mit dem simplen Namen Kunstmuseum Den Haag, das jedoch mit seinen 160.000 Werken zu den größten Kunstmuseen Europas zählt. In dem markanten in den 1930er Jahren erbauten Gebäude nach Entwürfen des Architekten H.P. Berlage fanden wir drei große Ausstellungsbereiche vor.
Die Sonderausstellung Die Haager Schule in einem anderen Licht widmete sich der Künstlergruppe der Haager Schule um die Maler Jozef Israëls, die Brüder Jacob und Willem Maris , Johan Hendrik Weissenbruch, Hendrik Willem Mesdag und Anton Mauve, einem Lehrer Vincent van Goghs, die sich um 1860 in Den Haag niederließen und zwischen 1870 und 1929 Szenen aus Den Haag und Umgebung einfingen. Insbesondere die Darstellung großartiger Himmel und Lichtreflexion auf dem Wasser beeindrucken den Besucher. Einem der Mitglieder, Hendrik Willem Mesdag, und seiner Frau Sintje waren wir bereits im Museum Mesdag mit seinem riesigen Panorama begegnet.





Dass sich hinter dem Titel Delfter Wunderware die Dauerausstellung zur Schönheit und Vielfältigkeit Delfter Keramik aus der Blütezeit des 17. Jahrhunderts verbergen würde, war zu erwarten. Das Museum besitzt nach eigener Aussage eine der schönsten und größten Delfter Keramik-Sammlungen der Welt.
Delft liegt ganz in der Nähe, etwa in der Mitte zwischen Den Haag und Rotterdam – vielleicht etwas für einen Ausflug in den kommenden Tagen.




Seit 2011 ist im Kunstmuseum ein ganzer Flügel den Künstlern Piet Mondrian und der Künstlervereinigung De Stijl gewidmet. In den Grundfarben Rot, Gelb und Blau sowie den Nichtfarben Schwarz, Grau und Weiß schufen die Mitglieder der Bewegung Kunstwerke, von denen vor allem die von Piet Mondrian berühmt wurden (siehe u.a. das Design von L’Oreal in den 1980ern).
Wer die Gemälde von Piet Mondrian in Schwarz-Weiß mit roten, gelben und blauen Quadraten im Stil des Neoplastizismus vor Augen hat, kann sich kaum vorstellen, dass der Maler zu Beginn des 20. Jahrhunderts im impressionistischen Stil der Haager Schule malte und sich nach dem Umzug nach Paris 1911 an Picasso und Braque orientierte.






Piet Mondrian, der als Pieter Cornelis Mondriaan 1872 geboren wurde und seit seinem Parisaufenthalt bei seinem Künstlernamen auf das zweite “a” verzichtete, war 1917 Mitgründer der Künstlervereinigung De Stijl. Nach gelegentlicher Verwendung von Gelbgrün und Orange ab 1911 kehrte er 1921 wieder ausschließlich zu den Primärfarben zurück.

– das letzte Werk des Künstlers, geschaffen in New York
Neben Mondrian hier noch einige Werke der Künstlergruppe De Stijl, die ihre Kreativität neben der Malerei auch an Möbeln auslebten, z. B. der Architekt Gerrit Rietveld, der 1918 der Gruppe beitrat :








Nachfolgend 3 Rietveld-Stühle – es ist nicht überliefert, wie lange man auf ihnen schmerzfrei sitzen kann:




In der Dauerausstellung Discover the Modern konnten wir Werke von Kirchner, Macke, Picasso und Egon Schiele bewundern:









Ein besonderes Kunstwerk hängt in der Decke des Innenhofs, der zugleich die Möglichkeit bietet, bei einem Kaffee die Eindrücke des Museums zu verarbeiten: Die ab 1990 entwickelten Kunstobjekte des Holländers Theo Jansen werden Strandbeester (Strandtiere) genannt. Während die ersten Modelle noch von Menschenhand gezogen werden mussten, bewegen sie sich heute durch die Nutzung von Wind fort. Im Video sind die Kunstwerke allerdings noch beeindruckender als an der Decke des Kunstmuseums. Auch die Simpsons hat Theo Jansen inspiriert.
Nicht unterschlagen wollen wir die Sonderausstellung Material Worlds von Michael Raedecker, einem 1963 in Amsterdam geborenen Künstler, der mit seinem einzigartigen Verfahren Malerei und Stickerei kombiniert.




Voll mit Eindrücken und einer Vielzahl von Fotos verließen wir das Museum und machten uns auf den Rückweg ins Zentrum von Den Haag. Wir wollten eigentlich zum Museum H.C. Escher, als wir jedoch bei der Anfahrt mit der Straßenbahn sahen, dass in unmittelbarer Nähe ein Antiquitätenmarkt stattfand, entschieden wir spontan um und schauten uns an, welche Kostbarkeiten einen neuen Besitzer suchten. Unser einziger Kauf waren eine Handvoll Poffertjes, mit Puderzucker überzogene, kleine Pfannkuchen.
Auf dem Rückweg zum Hotel kamen wir am Hofvojjer vorbei, einem kleinen Weiher, der direkt an den Binnenhof, den aktuell aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossenen Regierungssitz grenzt: an einer Ecke präsentierte das Festival BlowUp Art Den Haag auf einem Ponton aufblasbare Kunstgegenstände.
Heute Abend hatten wir Lust auf indische Küche: Das Essen im Grill N Spice war gut, auch wenn die Gerichte, die dort mit nur einer Chili-Schote gekennzeichnet waren, für unsere empfindlichen Geschmacksnerven deutlich zu scharf waren. Entsprechend unserer Kategorisierung hätten sie nicht “ein Chili” sondern “zwei Taschentücher” verdient gehabt.










