Die heutigen Wetteraussichten sagten erneut wechselhaftes Wetter mit Schauern am Vormittag und späten Nachmittag voraus. Rund um Den Haag gibt es allerdings genügend Museen, in denen man sich die Zeit sehr gut vertreiben kann und nicht nass wird.
In Wassenaar, nördlich von Den Haag, liegt das Museum Voorlinden, das seit 2016 moderne und zeitgenössische Kunst präsentiert und vom Kunstsammler Joop van Caldenborgh gegründet wurde.
Er kaufte das Landgut Voorlinden, dessen Ursprünge auf das 17. Jahrhundert zurückgehen, als rund um Den Haag verschiedene Landgüter entstanden, 2011 von der niederländischen Post-, Telegrafen- und Telefongesellschaft. “Landgut außerhalb von Den Haag” bedeutet, dass unser Ziel mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht so gut zu erreichen ist, und so schloss sich einer Fahrt mit der Straßenbahn ein 20minütiger Spaziergang an, bevor wir das in Wiesen und Wälder eingebettete Museum erreichten.

Die Ausstellung unterteilte sich in vier Bereiche: einer permanenten Ausstellung, der Sonderausstellung Die Notwendigkeit der Dinge der Künstlerin Alicja Kwade, der Sonderausstellung Sigh von Sam Taylor-Johnson sowie der Sonderausstellung Cloudwalker.
In der Dauerausstellung sind völlig unterschiedlicher Werke zu sehen. In der Installation “Swimming Pool” von Leandro Erlich wähnt sich der Besucher unter der Wasseroberfläche eines Swimmingpools. Ron Mueck schuf unter dem Titel “Couple under an Umbrella” zwei überlebensgroße hyperrealistische Figuren unter einem Sonnenschirm. Durch Richard Serras 216 Tonnen schwere Skulptur “Open Ended” kann der Besucher den Kontrast zwischen eleganten Linien und tonnenschwerem Metall erleben. Maurizio Cattelan errichtete zwei Mini-Aufzüge, die ins Nichts führen.





Die Größe der Fahrstühle ist nur an den Bodendielen zu erahnen

Gewichtige Kunst im wahrsten Sinne des Worts
In Sam Taylor-Johnsons Videoinstallion “Sigh” steht der Besucher mitten im Raum, um ihn herum spielt auf großen Bildschirmen das BBC-Orchester auf nicht vorhandenen Instrumenten ein eigens komponiertes Musikstück, so dass man sich mitten im Orchester wähnt.
Die in Polen geborene und in Berlin lebende Künstlerin Alicja Kwade hinterfragt in ihren sehr unterschiedlichen Werken dieser Ausstellung die Realität, die Gesellschaft und die Wahrnehmung von Zeit im Alltag. In einer Galerie hängen unzählige Uhrengewichte von der Decke herunter, im nächsten Raum beschreiben 259.025 akribisch bedruckte Seiten die DNA der Künstlerin, die sich zu 99,9% mit der aller anderen Menschen deckt, nur 0,1% – dieser Anteil ist auf den bedruckten Seiten fett hervorgehoben – unterscheidet sich. Interessant war auf alle Fälle das Kunstwerk mit dem Titel “Weltenlinie”, in dem Gegenstände vor oder hinter Rahmen platziert sind, die nur teilweise verspiegelt sind. So muss der Besucher überlegen, durch welchen Rahmen er steigen kann und wo ein Spiegel den Durchweg versperrt.



In der Installation “Walk on Clouds” hat sich der Performancekünstler Abraham Poincheval den Traum erfüllt, auf Wolken zu spazieren: In dem Video wacht er in einem Zelt in den Wolken auf, steigt hinaus und spaziert über die Wolken. Mittendrin sieht man immer wieder, wie das Projekt realisiert wurde: Der Künstler hängt an einem Heißluftballon, der ihn durch die Lüfte schweben lässt, während eine Drohne ihn filmt.
Nachdem wir ausreichend Zeit in der Ausstellung verbracht und über die Kunstwerke sinniert hatten, war es Zeit, weiter zu ziehen. Nachdem wir an einer Bushaltestelle vergeblich auf den Bus gewartet hatten, mussten wir die 3 km bis zum nächsten Museum zu Fuß zurücklegen: Im Louwman Museum erwartete uns eine gänzlich andere Ausstellung.
Das Museum, in dem historische Autos, Kutschen und Motorräder ausgestellt sind, ist eine der weltweit ältesten privaten Sammlungen von Automobilen und geht auf die Sammelleidenschaft des Dodge-Importeurs Pieter Louwman und das Jahr 1934 zurück. Sein Sohn Evert, der die Sammlung zu ihrer aktuellen Größe von rund 300 Automobilen erweiterte, ist der niederländische Importeur der Automarken Lexus, Toyota, Chrysler und Suzuki. Aus der Zeit bis 1910 besitzt das Museum die größte Automobilsammlung der Welt. Aber auch Fahrzeuge aus der Zeit danach beeindrucken durch ihre Schönheit, Skurrilität und Einfallsreichtum oder einfach nur durch ihre berühmten Besitzer, die einst hinter dem Steuer saßen, wie zum Beispiel ein Auto aus dem ehemaligen Besitz von Winston Churchill oder Elvis Presley.
Hier eine kleiner Einblick in die riesige Ausstellung, für die man bei ausführlichem Studium der ausgestellten Objekte gut einen halben Tag aufwenden kann.






















Zum Abendessen durchbrachen wir heute ausnahmsweise mal den regelmäßigen Rhythmus von italienischen, thailändischen und indischen Speisen:
Wir ließen es uns im Restaurant ‘t Goude Hooft im Zentrum von Den Haag gut gehen. Das Restaurant ist das älteste Gasthaus in Den Haag, die Taverne “In tgulde Hoift” wurde bereits im Jahr 1423 erwähnt. Zum Glück wurde es in den letzten 600 Jahren modernisiert und so konnten wir in dem schönen Gastraum unser Abendessen genießen. Die Hauptgerichte mit Fisch und Fleisch waren gut und ließen zum Glück noch Platz für einen süßen Abschluss.






Satt und zufrieden machten wir uns auf den kurzen Weg zurück ins Hotel und checkten nochmal die Wetteraussichten für den morgigen Ausflug nach Delft.


