Nach einem entspannten Vormittag zu Hause hatten wir uns für den Nachmittag vorgenommen, die Küste nördlich des Limski-Kanals bis nach Poreč zu erkunden. Im kleinen Ort Vrsar (wie auch immer man das richtig ausspricht) beginnt die Riviera von Poreč, einem der beliebtesten Urlaubsziele in Kroatien mit Badestränden und Badebuchten.
Vom Parkplatz am Fuß des Hangs ging es über Treppen steil hinauf zur hügeligen und engen Altstadt. Von einem Aussichtspunkt hoch über dem Hafen hatten wir einen schönen Ausblick über die Küste und die vorgelagerten Inseln.

Nach Durchschreiten des Stadttors erreicht man den zentralen Altstadtplatz, der über Jahrhunderte den Mittelpunkt des Lebens in der Stadt bildete. Heute reihen sich hier Restaurants aneinander und warten auf hungrige Touristen. Ein kleines Stück weiter den Hügel hinauf ragt am höchsten Punkt der Glockenturm der Kirche St. Martin in die Höhe, die erst im Jahr 1935 fertig gestellt wurde. Nach Betreten des Kirchenschiffs fallen die zwei farbig ausgemalten Rundbögen in Richtung Altar auf. Auf dem ersten steht Christus im Mittelpunkt, im zweiten sind Lämmermotive zu sehen, die Christus als Lamm Gottes in den Mittelpunkt stellen.
Hinter der Kirche führt eine Treppe den Hügel hinab, unten angekommen gingen wir vorbei an vor Anker liegenden Booten zum Ausgangspunkt zurück.
Von Vrsar war es dann nicht allzu weit bis nach Poreč, mit rund 15.000 Einwohnern neben Rovinj und Pula eine der bedeutendsten Küstenstädtchen an der Westküste Istriens. Wie Rovinj liegt die Stadt auf einer schmalen Halbinsel, der Autoverkehr wird dementsprechend auf großen Parkplätzten vor der Altstadt abgefangen. Auf der Nordseite der Halbinsel lädt eine schöne Uferpromenade zum Schlendern ein, wo man nach kurzer Zeit bereits den Kirchturm des bedeutendsten Bauwerks der Stadt, der Euphrasius-Basilika, erblickt.
Die in der heutigen Form bereits im 6. Jahrhundert errichtete und in den folgenden Jahrhunderten weitgehend unveränderte Kirche ist eines der wichtigen Zeugnisse spätantiker und frühbyzantinischer Kunst im Adriaraum. Die Kirche geht auf Bischof Euphrasius zurück, der sie zwischen 543 und 554 erbauen ließ. Neben der Kirche wurden im 6. Jahrhundert weitere Gebäude wie ein Atrium, der Bischofspalast und der Kapitalsaal errichtet. Aufgrund des einzigartigen Beispiels frühchristlicher Architektur wurde die Basilika im Jahr 1997 in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen. Heute am Sonntag kostete der Zutritt zu dem Komplex keinen Eintritt, jedoch waren auch alle Gebäude bis auf die Kirche geschlossen. Damit bestand auch nicht die Möglichkeit, den 35m hohen Glockenturm zu besteigen und einen Blick von oben auf die Altstadt zu werfen.

In der dreischiffigen Kirche beeindrucken vor allem die Mosaiken in der Apsis. Die Kuppel wird von einer Muttergottes auf dem Thron dominiert eingerahmt von zwei Erzengeln und istrischen Heiligen. Ganz links ist dabei auch der Heilige Euphrasius zu sehen, der – wie sollte es anders sein – eine Kirche in seinen Händen hält. In der oberen Reihe der Mosaiken ist Jesus mit jeweils sechs Aposteln zu seinen Seiten zu sehen.


Doch Poreč hat noch mehr zu bieten: zum einen eine schöne Altstadt mit einer Fülle an Restaurants und Bars und Geschäften, die Touristen dazu einladen, ihr Portemonnaie zu zücken, und zum anderen eine Uferpromenade, wo an diesem Wochenende eine spezielle Veranstaltung stattfand, doch dazu später.
Wir hatten uns für das Abendessen ein etwas für kroatische Verhältnisse ungewöhnliches Restaurant außerhalb der Altstadt ausgesucht: Das Restaurant Artha serviert seinen Gästen vegetarische und vegane Speisen, nach unserem fleischlastigen Abendessen in Rovinjsko Selo eine willkommene Abwechslung. Das Essen war nicht spektakulär und die Portionen nicht übermäßig groß, aber wir waren gestärkt für den Rest des Abends – wobei: nicht ganz, ein sehr leckeres Eis von “Il gelato di Salvatore” war noch drin.



Danach ging es zum Meer, um mit Blick nach Westen ein Feuerwerk zu genießen, das ganz ohne Böller auskommt: Die untergehende Sonne verzauberte den Himmel und die Wolken in alle erdenklichen Rottöne.
Vor der Heimfahrt schauten wir beim Tunalicious Festival vorbei. Wer sich nun wie wir fragt, was Poreč mit Thunfisch zu tun hat, der kann jetzt noch etwas lernen. Im September ziehen Schwärme von Thunfischen an der istrischen Küste vorbei. Anbieter von sogenanntem Big-Game Fishing offerieren ihren Kunden das Erlebnis, auf die Jagd nach großen Raubfischen zu gehen. Am Abend werden nach dem Motto “Meiner ist größer als Deiner” die größten und schwersten Fänge des Tages prämiert.
Es mutete schon makaber an, als sich die erfolgreichen Angler mitsamt ihrer Beute jubelnd ablichten ließen – aber im Vergleich zu Massentierhaltung von Schweinen und Hühnern hatten diese Thunfische zumindest ein (hoffentlich) erfülltes Leben – bis zum heutigen Tag.


















