Schon die Österreicher wussten, wo es schön ist – zum Beispiel in Opatija an der Ostküste der istrischen Halbinsel, der Kvarner Bucht, unweit der Metropole Rijeka. Nachdem im Jahr 1843 die Verbindungsstraße nach Rijeka fertiggestellt war, entwickelte sich Opatija zum modernen Erholungsort der habsburgischen Monarchie. Im gleichen Jahr markierte der Bau der Villa Angiolina den Beginn des Tourismus in der Stadt. Entscheidenden Anteil hatte zudem die österreichische Südbahn-Gesellschaft, deren 1873 eröffnete Strecke von Pivka nach Rijeka nahe an Opatija vorbeiführte. Die Gesellschaft kaufte die Villa Angiolina und weiteren Baugrund und begann damit, den Ort nach den Vorbildern berühmter Seebäder an der Côte d’Azur zu entwickeln.
In der Villa Angiolina im gleichnamigen Park ist mittlerweile das kroatische Tourismusmuseum eingezogen, im 4-Sterne-Hotel Kvarner hingegen, das 1884 seine Pforten für gut betuchte Gäste öffnete, kann man auch heute noch übernachten und vergangenen Zeiten nachspüren. Hier traf Kaiser Franz Josef I. den deutschen Kaiser Wilhelm II., hier stiegen schon Tänzerin Isodora Duncan oder das rumänische Königspaar ab.

Um von unserem Übernachtungsort nach Opatija zu gelangen, bot sich die kostenpflichtige A8 durch das Učka-Gebirge an, wozu auch ein fünf Kilometer langer Tunnel gehört, dessen zweite Röhre erst vor wenigen Tagen eröffnet wurde. Bis 2027 soll die Straße vollständig bis Rijeka ausgebaut werden, entsprechend viele Baufahrzeuge waren großflächig mit Arbeiten am Rand der aktuell noch einspurigen Straße hinab nach Opatija beschäftigt.
In der Stadt angekommen war zunächst unsere größte Herausforderung, die Parkhauseinfahrt des Einkaufszentrums Slatina im Dschungel der Einbahnstraßen zu finden. Nachdem wir auch diese Hürde genommen hatten, konnten wir endlich die berühmte 1911 fertig gestellte Franz-Joseph-Promenade (auch Lungomare genannt) bis zum kleinen Hafen erkunden.

Ein beliebtes Fotomotiv an der Uferpromenade ist die Figur des Mädchens mit einer Möwe auf der Hand, die hier im Jahr 1956 aufgestellt und mittlerweile zu einem Symbol Opatijas wurde. Die zuvor an gleicher Stelle stehende Skulptur “Madonna del mare” wurde von einem Unwetter umgerissen – so stark war der Wind heute jedoch nicht: eine echte Möwe konnte sich auf den Kopf des Mädchen setzen und die Umgebung im Auge behalten.
Wir spazierten ein Stück weiter bis zum Park Angiolina mit der gleichnamigen Villa, dem ersten Hotel in der Region. Ganz in der Nähe im Open Air Theatre finden im Sommer Kulturveranstaltungen und Konzerte statt. Nachdem Alex bereits ein Konzert von Duran Duran in Pula verpasst hatte, zeigte uns der Veranstaltungskalender von Opatija, dass ihr gleiches mit der britischen Rockband The Cult passiert war, die hier am 26.07. ein Konzert gegeben hatten. Offensichtlich suchen sich britische Bands ihre Veranstaltungsorte auch nach der Schönheit der Location aus – wer sollte es ihnen verdenken.
Nun war Zeit, eine kurze Pause mit einem Getränk und spektakulären Blick auf das Meer und die prunkvollen Bauten um uns herum einzulegen. Den passenden Ort fanden wir auf der Terrasse der Angiolina Bar. Es war offensichtlich, dass das Gebäude mit drei Stockwerken, von denen nur noch das oberste als Bar genutzt wird, bessere Zeiten gesehen hat. Die unteren beiden Stockwerke inklusive der Liege- und Sitzflächen direkt am Meer bedürfen einer dringenden Renovierung, aber anscheinend fehlt dazu das nötige Geld. Dies schmälerte aber nicht unseren schönen Blick auf Meer und Küstenstreifen.


Anschließend sagten wir Opatija Lebewohl und fuhren entlang der Küste weiter nach Süden – glücklicherweise war der Eingang zum Parkhaus zu Fuß leichter zu finden.
Das erste Stück des Weges bis ins sieben Kilometer entfernte Lovran hätten wir theoretisch auch entlang der Uferpromenade spazieren können: Entlang der Lungomare konnten Kurgäste bereits Anfang des 20. Jahrhunderts die frische Meeresluft genießen und an malerischen Buchten und mondänen Villen vorbei flanieren.
Unser Ziel lag jedoch deutlich weiter im Süden: Für einen Blick von oben auf die Küste verließen wir die Küstenstraße und fuhren hinauf nach Mošćenice, einem kleinen Örtchen, 173 Meter über dem im Tal liegenden Badeort Mošćenice Draga. Von der Aussichtsterrasse neben der Kirche konnten wir einen schönen Blick auf die Kvarner Bucht bis Rijeka im Norden werfen. Auf der “Bank für Verliebte” (laut 3sat Reisereportage) wäre es sicher deutlich romantischer gewesen, hätte uns der Sturm nicht um die Ohren gepfiffen.
Anschließend fuhren wir die Straße wieder hinab zum Ufer und bei Plomin an einem Meeresarm entlang ins Landesinnere. Inmitten landschaftlicher Idylle überraschte uns der Anblick des 340m hohen Schornsteins des Kohlekraftwerks Plomin, das hier seit 1970 Strom erzeugt. Das höchste Bauwerk Kroatiens ist zum Glück durch die hoch aufragenden Ufer des Meeresarms nicht aus der Ferne zu sehen.
Im Rabac sowie in der auf 320m Höhe auf einem Hügel liegenden Altstadt von Labin dominierte hingegen wieder der Tourismus. Für den Besuch der von uns für’s Abendessen ausgewählten Pizzeria in der Altstadt parkten wir am zentralen Tito-Platz, nahmen den Weg durch das Stadttor und entlang der alten Stadtmauer. Zum Glück bekamen wir noch einen Platz im Innenraum der Pizzeria Rumore – auf der schönen Terrasse mit Fernblick war es uns bei Temperaturen unter 20 Grad und böigem Wind zu ungemütlich. Nur rauchende Gäste bevorzugten den Platz im Freien.
Die 4.741 Bewertungen mit einem Durchschnitt von 4,8 bei google hatten Recht, die Pizza war, wie auch der Service hervorragend und zum Glück hatten wir nach dem Hauptgang noch Platz für einen Palatschinken mit Nutella.



Auf einem kleinen Verdauungsspaziergang spazierten wir nach dem Essen durch die verwinkelte Altstadt von Labin. In früheren Zeiten (durch die geschützte Lage auf dem Berg und hinter dicken Mauern) sicher eine bevorzugte Wohnlage ist es heute vermutlich schwierig, Menschen für die Vorzüge einer Wohnung in der Altstadt zu begeistern.
Bis nach Rovinjsko Selo lagen noch knapp 50 Minuten Fahrt vor uns, einmal quer durch den Süden Istriens über schmale Straßen und durch kleine Dörfer – zuhause angekommen waren wir froh, auf die Couch fallen zu können.













