Auf unserem Plan für den heutigen Tag standen weitere Ziele in der Innenstadt sowie einige außerhalb des Zentrums – eine Tageskarte für die Straßenbahn für gerade einmal 6,50 EUR machte also auf jeden Fall Sinn.
Im sogenannten Goldenen Dreieck von Bordeaux mit seinen vielen exquisiten Bekleidungs- und Schmuckgeschäften liefen uns mehrere Touristengruppen über den Weg, die aufmerksam lauschend ihrem Reiseführer folgten. Als zwei der Gruppen in eine kleine Seitenstraße einbogen, schlossen wir uns kurzerhand an – andernfalls wären wir einfach daran vorbeispaziert. Ihr Ziel war eine Filiale der Dunes Blanches, die Leckereien in Form von Miniaturdünen herstellt. Geschmacklich erinnerten sie uns – probieren mussten wir natürlich – an kleine, mit Schlagcreme gefüllte Windbeutel, bei denen beim Hineinbeißen die Füllung herausquillt. Neben den “weißen Dünen” gab es auch mit Kakao bestäubte und einer Kakao-Sahne-Mischung gefüllte “braune Dünen”.
Im Herzen des Goldenen Dreiecks, wo sich früher eine Markthalle befand, steht heute ein Rundbau mit Boutiquen, Restaurants und Lebensmittelläden. Auf dem Weg zum östlichsten Eckpunkt des Dreiecks schlenderten wir den Cours de l’Intendance entlang, einen ehemaligen Graben des römischen Stadtwalls, gesäumt von allerlei teuren Bekleidungs- und Schmuckgeschäften.




Das Ende der Straße markierte der Place de la Comédie mit dem mächtigen Grand Théâtre, angeblich einem der schönsten Theaterbauten Europas. Führungen wurden jedoch leider nur auf Französisch angeboten, unser Schulfranzösisch reicht dafür leider nicht aus. Wir beließen es daher beim Bestaunen der Frontfassade, die zwölf korinthische Säulen zieren.

Vom Place de la Comédie waren es nur wenige Meter bis zum Monument aux Girondins, dessen 43 Meter hohe Freiheitsstatue bereits von Weitem zu sehen war.
Den unterhalb der Säule sprudelnden Brunnen bekamen wir leider nur durch Lücken im Zaun zu sehen, der den gesamten Place des Quinconces absperrte – an zwei Tagen fand hier das Festival Pagaille statt. The Cure hatten bereits am Vorabend gespielt, was wir im Vorfeld leider nicht mitbekommen hatten, gerne hätten wir uns am Ufer der Garonne Songs von Robert Smith gegönnt. Das Konzert erklärte jedenfalls die Bandshirts, die wir heute beim Frühstück und auch in der Stadt des Öfteren gesehen hatten.
Für den heutigen Abend standen Auftritte von DJs wie Boris Brejcha und Charlotte de Witte mit Techno-Beats auf dem Programm – nichts für unseren Musikgeschmack.
Ein kurzer historischer Exkurs: Das Monument wurde im Gedenken an den Girondisten-Aufstand von 1793 errichtet. Während der Französischen Revolution entbrannte ein Richtungsstreit zwischen den gemäßigteren Girondisten und den radikaleren Jakobinern. Die Jakobiner machten die Girondisten für die Armut und den Hunger der Bevölkerung verantwortlich; der Machtkampf gipfelte in der Hinrichtung von 21 führenden Girondisten in Paris. Nach dem Sturz der Girondisten übernahmen die Jakobiner unter Maximilien de Robespierre die alleinige Führung.
Die Girondisten haben es übrigens sogar in den Namen des bekanntesten Fußballvereins der Stadt geschafft: die Girondins Bordeaux. Nach glorreichen Zeiten, vor allem in den 1980er Jahren, in denen der Verein dreimal französischer Meister wurde, musste der Klub im Juli 2026 wegen hoher Schulden und Zahlungsunfähigkeit in die sechsthöchste Spielklasse zwangsabsteigen – ein tiefer Fall für einen einst stolzen Verein.

Etwas weiter am Ufer der Garonne war auch heute auf dem Miroir d’eau vor dem Börsenplatz an kein schönes Spiegelfoto zu denken. Dafür entschädigten Schnappschüsse von spielenden Kindern im Wassernebel und Spaziergängern mit ihren Hunden – wobei offensichtlich auch die Franzosen wieder auf den Dackel gekommen sind.



Wir spazierten weiter zum Place du Parlement, dem ehemaligen Marktplatz der Stadt, auf dem heute Cafés und Restaurants um die zahlreichen Besucher buhlen. Das lebhafte Treiben auf dem Platz beobachtend, genossen wir ein Perrier (oder in unserem Fall Abatilles) Menthe, ein liebgewonnenes Ritual für jeden Frankreichurlaub.
Von dort brachte uns die Straßenbahn in den Norden der Stadt zur Base Sous-Marine, einem mächtigen U-Boot-Bunker, der 1940 unter deutscher Besatzung errichtet wurde. Das 235 Meter lange Gebäude mit seinen erhaltenen Bassins dient heute als Bühne für spektakuläre Ausstellungen. Aktuell werden unter dem Titel Bassins de Lumières immersive Videoinstallationen präsentiert: am Vormittag zum Thema Ozean und Schätze des Meeresbodens, ab 14 Uhr werden Geschichte und Werke der beiden Künstler Henri Matisse und Frida Kahlo farbengewaltig auf die Wände projiziert.









Dem wichtigsten Exportgut der Region hat die Stadt ebenfalls im Norden ein Denkmal gesetzt: Die Cité du Vin huldigt dem (hauptsächlich) roten Gold mit einem imposanten Gebäude und gibt Einblicke in Geschichte, Herstellung und Geschmack des Rebensafts. Den Eintritt von 26 EUR für die Ausstellung – inklusive eines Glases Wein im achten Stock des 55 Meter hohen Turms mit Blick auf Garonne und Bordeaux – sparten wir uns allerdings. Bevor wir uns das Gebäude von Nahem anschauten, legten wir eine kurze Pause in den Les Halles de Bacalan ein, einer Markthalle für Lebensmittel, Cafés und kleine Snacks. Hier probierten wir eine lokale Süßigkeit: Canelés de Bordeaux. Für uns war die Konsistenz ungewöhnlich, sie erinnerten entfernt an einen weichen, gebackenen Pfannkuchen mit Vanillegeschmack. Braucht man nicht unbedingt, tut aber auch nicht weh beim Probieren.
Und hier noch der versprochene Blick auf die Cité du Vin, deren Fassade mit ihrer modernen Architektur einen im Glas geschwenkten Wein symbolisieren sollen – wenn man es weiß, kann man es sich herleiten.
Stattdessen machten wir uns langsam Gedanken ums Abendessen, wobei Restaurants im Süden Frankreichs ihre Pforten im Normalfall nicht vor 18:30 Uhr für hungrige Gäste öffnen. Auf der Suche nach einem Restaurant, das Galettes anbietet – jene herzhafte Spezialität aus der Bretagne aus Buchweizenmehl – spazierten wir ein Stück die Fußgängerzone entlang und waren beeindruckt von den Besuchermassen, die sich an diesem Samstagnachmittag durch die Stadt drängten.
Schließlich wurden wir im Restaurant La Belle Suzette fündig, das durchgängig geöffnet hatte. Wir genossen unsere herzhaften Buchweizenfladen mit einem Glas Cidre, bevor wir ein letztes Mal die wunderschöne Altstadt durchquerten und uns auf den Weg zurück zum Hotel machten.


Damit gehen eineinhalb Tage in der Metropole im Südwesten Frankreichs zu Ende. Morgen nehmen wir unseren Mietwagen am Flughafen in Empfang und machen uns auf den Weg in Richtung Süden zu unserem ersten Ferienhaus. Bordeaux hat uns beeindruckt – mit seiner Architektur, den schönen Plätzen der Altstadt und seiner Lebendigkeit, zu der sicherlich auch die über 70.000 Studenten der Stadt ihren Teil beitragen.






