Viñales (Kuba) 10.03. – Ein Konzert für Alarmglocken

Heute Morgen schafften wir es tatsächlich, noch eine kurze Fahrt mit einem Oldtimer zu machen: von unserem Hotel bis zur Autovermietung im Hotel Sevilla fuhr uns ein Oldtimer-Taxi und wir waren erstaunt, wie die Kiste noch laufen kann – aber wir kamen an unser Ziel, und das war die Hauptsache.

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Unser Taxi – vom Rücksitz aus betrachtet

Darauf folgte das wirklich spannende Kapitel: vor dem Büro der Autovermietung “via rent a car” hatte sich bereits eine Schlange von Menschen gebildet, die ebenfalls ihren Mietwagen abholen wollten – wir hatten bereits in Deutschland über unser Reisebüro gebucht und waren so im Besitz eines Vouchers. Wir stellten uns zähneknirschend in die Schlange, als uns ein Kubaner auf Deutsch ansprach und nach unseren Namen fragte. Ein anderer Mann wurde hinzugerufen und auf dessen Liste stand auch unser Name – angeblich laufen nicht alle Anmietungen direkt über das kleine Büro, sondern auch über andere “Agenten”. Zum Ausfüllen des Mietvertrags wurden wir dann in die Hotellobby gebeten. Die Kaution sollten wir entweder in bar zahlen oder auf einem Blankoscheck hinterlegen, der bei Rückgabe des Wagens vernichtet würde. Das kam uns alles spanisch vor – und nicht nur, weil der wirklich nette Mann so gut wie nur Spanisch sprach.

Sicherheitshalber gingen wir nochmal mit dem Agenten zum Büro des “offiziellen” Vermieters: dieser erklärte uns, dass “die Gepflogenheiten in unserem Land vielleicht andere seien, in ihrem Land liefe es aber genau so ab” und außerdem “könne er nicht alle Autos selbst vermieten, daher sei er auf Hilfe vom Partner-Büro im Norden Havannas (Sitz unseres Agenten) angewiesen“. Immerhin arbeiteten beide wohl zusammen und die noch zu zahlende Versicherungssumme/Tag betrug beim Agenten nur die Hälfte – also ergaben wir uns in unser Schicksal, zumal wir kurze Zeit später tatsächlich zum Auto gebracht wurden: es ist ein brauner “Geely” mit 27.000 km auf dem Tacho. Man merkt ihm an allen Stellen die kostengünstige Produktion an, aber das Wichtigste ist: er läuft, hat einen voll gepumpten Ersatzreifen samt Wagenheber im Kofferraum, und die Klimaanlage funktioniert.

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Unser Geely

Nach dieser Aktion, die uns reichlich Nerven kostete, gingen wir noch zu Fuß zum Hotel Inglaterra, um die Blogbeiträge der letzten beiden Tage hochzuladen. Leider gab es dort keine Internet-Voucher mehr, laut Rezeption eventuell im Hotel schräg gegenüber. Die Marktwirtschaft mit Angebot und Nachfrage haben die Kubaner schnell gelernt: der Preis eines einstündigen Internet-Vouchers war heute (zum Vergleich nochmal der Preis von vorgestern: 2 CUC) unglaubliche 4,50 CUC!
Gegen Mittag traten wir endlich die Fahrt zu unserem heutigen Übernachtungsort Viñales an. Einen kurzen Zwischenstopp gab es in Soroa, wo ein Orchideengarten Besucher anlockt. Die Zeit der Blüte ist Anfang März leider weitestgehend vorbei, aber die Anlage war sehenswert mit einem schönen Blick ins Tal – einige Orchideen und andere Pflanzen blühten zudem noch.

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Orchideengarten in Soroa
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Schöne Orchidee

Der Zustand der meist dreispurigen Autobahn war recht akzeptabel, nur ab und zu galt es, auf Dinge aufzupassen, die wir so in Deutschland nicht auf einer Autobahn finden: Menschen, Pferdegespanne, Ochsenkarren, Fahrräder – in richtiger, aber auch entgegengesetzter Richtung – und bei der Abfahrt einige sogenannte “Jineteros”, vor denen uns der Reiseführer schon gewarnt hatte. Diese Männer stellen sich einfach mitten auf der Straße in den Weg und gestikulieren wild, man solle anhalten –  anschließend versuchen sie, die ahnungslosen Touristen in ein Restaurant oder eine andere Unterkunft zu locken. Da hilft nur vollständiges Ignorieren und Weiterfahren.
In Viñales angekommen, fanden wir nach einigem Hin und Her auch unsere Unterkunft, eine “Casa Particular” (ähnlich einem “Bed&Breakfast”). Um halb sieben wurde uns ein dreigängiges Abendessen serviert, den (hoffentlich Englisch sprechenden) Hausherren lernen wir erst morgen beim Frühstück kennen, vielleicht kann er uns noch eine Tour zur Besichtigung einer Tabakfabrik empfehlen.

1 Kommentar

  1. Als größtes Reiserisiko kommen bei mir schon kurz nach bewaffneten Raubüberfällen die Autovermieter…was ich da schon erlebt habe…selbst in Kalifornien gabs nur nach Sitz- und Hungerstreik vor dem Office nach 7 Stunden die Kaution zurück…

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