Cienfuegos (Kuba) 13.03. – Zur falschen Zeit am richtigen Ort

Heute morgen beim Frühstück bemerkten wir, dass wir über Nacht bestohlen wurden: in der Nacht waren die Uhren um eine Stunde nach vorne gestellt worden, denn auch Kuba hat eine Sommerzeit. Unser Frühstück hatten wir gestern für halb neun – nach unserer Zeit – bestellt: unsere Gastgeber wunderten sich sicherlich, dass wir heute morgen erst eine Stunde später aus dem Zimmer krochen.

So starteten wir die 400 km lange Etappe zu unserem nächsten Übernachtungsort Cienfuegos deutlich später als geplant. Da auf der drei- und manchmal sogar vierspurigen Autobahn nur wenige Autos unterwegs waren, mussten wir allerdings nur aufpassen, nicht in eines der Schlaglöcher zu fahren. Insgesamt sind die Straßen jedoch viel besser als erwartet.

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Auf der Autobahn

Auf dem Weg waren am Straßenrand Parolen zu sehen, die den Sieg des Sozialismus verherrlichten. Ganz in der Nähe – an dem als “Schweinebucht” bekannten Küstenstreifen – landete im April 1961 eine vom CIA unterstützte Armee aus Exilkubanern, um Kuba von Fidel Castro und seinen Anhängern zu “befreien”: der Versuch scheiterte jedoch bereits nach drei Tagen. Den Umweg, diese historische Stätte zu besuchen, sparten wir uns, da die Fahrt auch so schon lange genug dauerte.

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Che Guevara’s Motto “HASTA LA VICTORIA SIEMPRE” – Immer bis zum Sieg

Gegen halb vier kamen wir in Cienfuegos an: nach dem Einchecken, dem sicheren Parken unseres Autos und einer kurzen Erfrischungspause machten wir einen kleinen Stadtrundgang und stellten an der Anzahl der Reisebusse und der Souvenirstände fest, dass auch Cienfuegos den Tourismus für sich entdeckt hat. Die Stadt, die erst 1819 von französischen Auswanderern gegründet wurde, profitierte im 19. Jahrhundert von dem geschützten Hafen und dem bereits im Jahr 1860 erfolgten Anschluss ans Eisenbahnnetz und entwickelte sich zum größten Zuckerexporthafen der Welt.
Beim Gang durch die Altstadt konnten wir den Wohlstand von Cienfuegos erkennen: zahlreiche prachtvolle Bauten gruppieren sich um den zentralen Platz der Stadt Parque José Martí, auf dem ein Denkmal für José Martí steht, einem der führenden Freiheitskämpfer für die Unabhängigkeit Kubas Ende des 19. Jahrhunderts. Zur Feier der Unabhängigkeit wurde hier 1902 der einzige Triumphbogen Kubas errichtet.

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Parque José Martí
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Triumphbogen
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Rathaus

Bei einer kleinen Pause im Schatten eines Cafés hörte Alex am benachbarten Tisch etwas von einem “Konzert der Rolling Stones“, konnte sich aber keinen Reim darauf machen. Danach schlenderten wir an Souvenirständen vorbei bis zum Ufer der Bucht von Cienfuegos. Hätten wir nicht gewusst, dass wir uns in Kuba befinden, mit ein wenig Phantasie könnte es auch eine Kulisse an einem oberitalienischen See gewesen sein.

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Bucht von Cienfuegos

Zurück in unserer Unterkunft trafen wir um sieben Uhr zum Abendessen auf der Terrasse auf ein Paar aus Frankreich, das mit dem Bus in Kuba unterwegs ist. So konnten wir unter Beweis stellen, wie viel wir noch von unserem Französisch-Unterricht behalten haben: wie immer war das Verstehen deutlich einfacher als das eigene Formulieren – vor allem, wenn einem nach so langer Zeit auf Reisen zuerst die englischen Vokabeln einfallen. Die Franzosen bestätigten auch, was Alex bereits am Nachmittag aufgeschnappt hatte: Ende März wird Barack Obama Havanna besuchen und die Rolling Stones geben ein Konzert auf dem Malecón. Wir wissen noch nicht genau, ob es Glück oder Pech ist, dass wir erst drei Tage später noch einmal für eine Übernachtung in Havanna sein werden und den Trubel damit verpassen.

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