Trinidad (Kuba) 15.03. – Wo sind wir eigentlich?

Bisher waren wir davon ausgegangen, dass uns Cubana Airlines von Cancún nach Havanna geflogen hat und wir dann von dort aus eine Inselrundreise durch Kuba gestartet haben – nach unseren heutigen Erlebnissen zweifeln wir an, dass wir uns wirklich in Kuba befinden, doch dazu später mehr.

Beim Abschied von Ivan, unserem Gastgeber in Cienfuegos, bat uns dieser, einen Kommentar in sein Gästebuch zu schreiben und wenn möglich, auch eine Bewertung bei Tripadvisor vornehmen. Er war in der Zeit unseres Aufenthalts sehr bemüht, uns diesen so angenehm wie möglich zu gestalten, so dass wir nur Positives von unserem Zimmer, dem Frühstück und Abendessen berichten können. Er erzählte uns, er habe zuletzt zwei schlechte Bewertungen von Personen über das Portal erhalten, die gar nicht bei ihm übernachtet haben – auch er hat erkannt, dass solche Portale Segen und Fluch zugleich sein können. Wir nutzen auch tripadvisor, um Meinungen zu Unterkünften oder Restaurants zu erhalten – aber wirklich sicher, dass die Bewertungen dort alle echt sind, ist man nie.

Anschließend fuhren wir in die Innenstadt von Cienfuegos, um in der Nähe eines Hotels mit verfügbarem WLAN die Blog-Beiträge der letzten beiden Tage hochzuladen: auf dem Bürgersteig der Fußgängerzone mit dem Laptop auf den Knien sitzend, gaben wir sicherlich ein eher ungewöhnliches Bild ab. Aber um uns herum hielten sich noch andere Leute auf, die mit ihrem Smartphone das mobile Internet nutzten. Nach Besorgung von Wasser mit Kohlensäure (wichtigstes Gut nach Internetzugang und ebenso selten) starteten wir in Richtung Trinidad: da die Fahrtzeit nur etwas über eine Stunde betrug und wir noch nicht in unserer nächsten Casa einchecken konnten, fuhren wir an der Stadt vorbei und machten einen Abstecher ins Valle de los Ingenios, das Tal der Zuckermühlen: von den Mühlen sieht man nicht mehr als die dazugehörenden verfallenen Herrenhäuser, Zuckerrohr wird aber immer noch angebaut. Mitte des 19. Jahrhunderts, als hier 48 Mühlen den Zucker der Umgebung verarbeiteten, sorgte dies für den Reichtum der Oberschicht von Trinidad, während die Sklaven auf den Feldern schuften mussten. Im Hintergrund des Tals sind die Berge Sierra del Escambray zu sehen, wohin uns auch noch ein Ausflug in den nächsten Tagen führen soll.

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Ausblick auf das Tal der Zuckermühlen

Vom 43m hohen Torre de Manaca Iznaga bot sich einen schöner Blick auf das Umland, am Fuß des Turms verkauften Frauen allerlei Souvenirs – hier wurde kein Werbespot für den “Weißen Riesen” gedreht. Zur Zeit des Turmbaus war der Blick auf die umliegenden Zuckerrohrplantagen bestimmmt genauso gut, der Turm hatte damals jedoch eine völlig andere Funktion: von oben überwachten Aufseher das Heer von Sklaven, um Fluchtversuche verhindern zu können.

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Torre de Manaca Iznaga von unten …
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… und der Blick von oben

Die Sonne brannte heiß und unerbittlich vom Himmel – wir nahmen uns den am Fuß des Turms im Schatten liegenden Hund zum Vorbild, fuhren nach Trinidad, checkten in der Casa ein und machten dort erst mal Siesta. Am Ortseingang begrüßte uns eine Nachbildung des Wahrzeichens der Stadt, der Turm des Convento San Francisco.

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Siesta
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Trinidad begrüßt uns

Gegen sechs Uhr führte der Weg uns zum Abendessen in Richtung Stadtmitte: im Reiseführer hatten wir eine Pizzeria ausgemacht, deren Beschreibung sich gut anhörte. Über das Kopfsteinpflaster der verkehrsberuhigten Zone der Altstadt schlenderten wir leicht bergan und wähnten uns in einer Mischung aus Rüdesheim am Rhein und Heidelberg – natürlich mit kubanischem Einschlag – und nicht in Kuba. Wunderschön herausgeputzte Restaurants und Bars warteten teilweise mit Live-Musik auf Gäste. Die Pizzeria San José war hübsch eingerichtet, die Bedienungen ausgesprochen freundlich, die Speisen- und Getränkeauswahl sehr gut und auf einem Großbildfernseher lief (zeitversetzt) das Champions-League-Spiel zwischen “Manchester City” und “Dynamo Kiew”. Als entscheidenes Kriterium für eine Pizzeria war dann auch noch die Pizza groß und lecker.

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Pizzeria San José
088_Pizza
Unglaublich, aber wahr

Bisher waren wir meist in den Genuss der kubanischen Kopie von westlichen Softdrinks gekommen: unter der Marke “Ciego Montero” bekommt man – mehr oder weniger ähnlich schmeckende – kubanische Varianten von Coca Cola, Fanta und Sprite. Aber immer öfter sahen wir jetzt auch schon aus Mexiko importierte “Coca Cola” oder “Pepsi Cola”: der Siegeszug wird sich also auch hier fortsetzen.

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“tuKola” – völlig normal in Kuba
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“Pepsi” in Kuba?
091_Coke
“Coca Cola” in Kuba??

Die Suche nach einer Bar war ebenfalls einfach, hatten wir doch auch hier einen Tipp aus dem Reiseführer. Auf dem Weg zur Taverna La Botija reihte sich ein Haus mit Souvenirs an das nächste und wurde nur von Restaurants und Bars unterbrochen. Wir setzten uns an die Theke der Bar und lauschten den Klängen eines Bassisten und einer Violinistin, die Songs, die wir von zu Hause kennen, neu interpretierten. Als Begleitung dazu gab es für uns die lokale Cocktail-Spezialität namens Canchánchara, ein Mix aus Rum, Limone, Honig und Wasser. Ein schöner Ausklang des heutigen Tages.

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Taverna La Botija
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Auf dem Heimweg

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