Nach dem Frühstück und vor der gebuchten Stadtführung “Valencia Essentials” um 12 Uhr wollten wir uns die Kathedrale von innen anschauen, ein Programmpunkt, der mit Sicherheit nicht auf dem Plan der Stadtführung stehen würde.
Auf dem Weg zur Kathedrale kamen wir am Gebäude der Generalidad Valenciana vorbei, wo heute jedoch niemand von der Verwaltung bei der Arbeit zu sehen war.

Im Gegensatz zum im Reiseführer genannten Eintrittspreis von 5 € verlangte man anschließend in der Kathedrale 8 € für die Besichtigung, die allerdings auch einen Audioguide und den Besuch des Kirchenmuseums beinhaltete. Von außen vereint die Kathedrale romanische, gotische und barocke Elemente, im Innern erscheint das Kirchenschiff zunächst relativ nüchtern.

Das ändert sich, sobald sich der Besucher dem prachtvollen Hauptaltar im Zentrum mit acht großflächigen Gemälden, die das Leben der Jungfrau Maria darstellen, und prächtigen Engel-Fresken über dem Altar nähert. Die Freskomalereien kamen erst 2003 bei der letzten Renovierung zum Vorschein, als man die barocke Verkleidung entfernte und darunter die ursprüngliche Bemalung entdeckte.


In den ebenso prunkvoll ausgestatteten Seitenkapellen befinden sich weitere Zeugnisse klassischer Kirchenkunst, unter anderem zwei Gemälde des spanischen Malers Francisco de Goya. Ein bisschen gruselig hingegen ist die Kapelle hinter dem Hochaltar, in dem die Armreliquie von Vinzenz von Valencia ausgestellt ist, der im vierten Jahrhundert als Märtyrer starb.

Im Kapitelhaus aus dem 15. Jahrhundert wird der Heilige Kelch aufbewahrt – der Legende nach der Kelch, mit dem Jesus das letzte Abendmahl mit den Jüngern feierte.

Wir statteten noch kurz dem Kirchenmuseum einen Besuch ab, wo neben historischen Kirchenbüchern auch die Originale der Apostelfiguren zu sehen sind, die den gotischen Eingang der Kathedrale an der Plaza de la Virgen schmücken.



Am Aposteltor findet jeden Donnerstag um 12 Uhr das sogenannte Wassergericht statt, das im Jahr 2009 von der UNESCO als immaterielles Welterbe anerkannt wurde. Seit 1000 Jahren wird dieses Gericht praktiziert, bei dem Streitigkeiten bezüglich der Wasserverteilung geschlichtet werden – anwesend sind acht Vertreter der jeweiligen Bewässerungskanäle, die vom Fluss Turia gespeist werden. Beschlüsse werden nicht schriftlich festgehalten, sind jedoch unanfechtbar, sogar das Oberste Gericht in Madrid kann die Urteile des Wassergerichts nicht revidieren.
Zudem wurde dem Fluss Turia und den acht Bewässerungskanälen ein Denkmal in Form eines Brunnens auf der Plaza de la Virgen gesetzt.

Die liegende Männerfigur symbolisiert den Fluss Turia, sozusagen die Lebensader von Valencia. Die acht Mädchenfiguren mit Wasserkrügen in der Hand stellen die acht Bewässerungskanäle dar, die vom Fluss abzweigen.

Im kleinen Park am Rande des Platzes stehen herrliche Orangenbäume. Den Hinweis, den wir später bei der Stadtführung bekamen, dass die Früchte extrem bitter und ungenießbar sind, nicht einmal als Grundlage für Marmelade herhalten können, hätte Jochen einen Tag früher benötigt, denn bereits gestern hatte er eine Orange probiert und nach dem ersten Bissen weggeworfen.
Die Bäume wurden von den Mauren ausschließlich zur Zierde gehalten und erst sehr viel später gelang es, die uns heute bekannten süßen Früchte zu züchten.

Um 12 Uhr startete pünktlich unsere englischsprachige Führung durch die Altstadt unter der fachkundigen Leitung von Elena – nach eigener Aussage “158 cm pure valencianische Energie” – und damit hatte sie nicht zu viel versprochen.

Elena hatte die Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Frankreich und sogar Russland im Griff, keiner ging unterwegs verloren. Nach einem kurzen gemeinsamen Blick in die Basilika de la Virgen de los Desamparados und ein bisschen Hintergrundwissen zur Geschichte von Valencia, die bis in die Römerzeit zurückdatiert werden kann, spazierten wir durch die schmalen Altstadtgassen zum Zentralmarkt, wo wir während der zehnminütigen Pause eine Horchata probierten, und zur Seidenbörse, die wir morgen auch von innen besichtigen wollen.

Nach 2 1/2 Stunden Marsch durch die Altstadt hatten wir uns eine Pause redlich verdient. Nach einem Bocadillo mit Serrano-Schinken machte sich Jochen auf, die 207 Stufen des freistehenden Glockenturms El Miguelete der Kathedrale zu erklimmen. Die Wendeltreppe ist an einigen Stellen so schmal, dass der “Verkehr” mittels Ampelschaltung geregelt werden muss. Von oben hat man einen herrlichen Ausblick auf die Dächer von Valencia und kann in der Ferne sogar das Meer erkennen.


Um 16 Uhr stand bereits die nächste Führung auf dem Programm: Street Art im Viertel El Carmen. Eigentlich hatten wir diesen Rundgang für morgen geplant, doch aufgrund mangelnder Anmeldungen musste er ausfallen – also entschieden wir uns spontan, ihn heute mitzumachen.

Carlos, der heute Vormittag noch die spanischen Gäste durch die Altstadt geführt hatte, machte uns zunächst mit etwas Street Art-Theorie vertraut (u.a. die Unterschiede zwischen Tagging, Urban Art und Guerilla Art und die drei zeitlichen Epochen der Street Art in Valencia), bevor wir mit einer kleinen Aufgabe versehen zu den einzelnen Street Art-Objekten wanderten: Die Aufgabe bestand darin, die Anzahl der Ninjas von David de Limòn zu zählen, die uns auf dem Weg ins Auge springen. Um es vorweg zu nehmen, wir fanden von den insgesamt 21 Objekten nur 16, deutlich besser war ein Paar aus der Ukraine mit 20 Sichtungen.

Hier ein paar weitere Eindrücke von den Kunstwerken:








Nach der Führung hatten wir aber auch wirklich genug Input für den Tag und machten uns auf den Weg zurück zum Hotel, um kurz die Beine hochzulegen und zu entscheiden, wonach uns der Appetit stand. Die Wahl fiel letztendlich auf das indische Restaurant Swagat in der Nähe der Metro-Station Almeda. So konnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wir wollten ohnehin einen Blick in diese Metro-Station werfen, ist sie doch komplett in dem für Valencia typischen Stil aus Kachel-Mosaiken ausgestaltet, den wir bereits in der Ciudad de las Artes y las Ciencias zu sehen bekamen.

Das Restaurant bekommt von uns eine klare Empfehlung, sowohl das “Chicken Biryani” von Alex als auch das vegetarische “Mushroom Bahji” von Jochen hat sehr gut geschmeckt. Satt und zufrieden machten wir uns auf den Weg zum Hotel und waren froh, kurz nach 22 Uhr noch die letzte Metro Richtung Turia zu erwischen.