Kopenhagen (Dänemark) 28.04. – Schloss Amalienborg, Marmorkirche, dänisches Design und Rundgang durch Christianshavn

Nach erneuter Schlacht am Frühstücksbuffet – es war noch mehr los als gestern – starteten wir zu einer weiteren Erkundung von Kopenhagen. Als Erstes stand Schloss Amalienborg mit Wachablösung auf dem Programm, doch zuvor wollten wir noch Postkarten besorgen. Ein schönes Motiv fand sich schnell, Briefmarken hatte der Laden auch – nur beim Preis mussten wir tief Luft holen: Vier Postkarten und vier Briefmarken kosteten zusammen knapp 27 EUR! Es stellte sich die Frage, was davon so teuer war: Nach dem Check des Kassenbons vermuten wir, dass die dänische Post nobler als die Königin von Dänemark residiert – das Porto für eine Briefmarke für den Versand nach Deutschland beträgt stolze 27 Kronen – also unfassbare 3,62 €.

Fast noch schöner als in natura am Hafen – sie lächelt bestimmt, weil sie den Portopreis kennt

Zum Glück war der nächste Fotostopp an Schloss Amalienborg komplett kostenlos. Um 12 Uhr findet jeden Tag die Wachablösung statt – wenn es eine Rangliste für unliebsame Jobs gibt, gehört der des Wachmanns vor Schloss Amalienborg sicherlich dazu. In der Gegend rumstehen, von Touristen begafft und fotografiert zu werden und dabei noch eine Bärenfellmütze auf dem Kopf tragen zu müssen – das kann nicht wirklich Spaß machen.

Schloss Amalienborg
Das lange Warten auf die Ablösung hat bald ein Ende
Aus dem Weg!

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten die neuen Wachen in einem ausgeklügelten Prozedere die vorherigen Wachen vor den vier Palais rund um den riesigen achteckigen Platz abgelöst – wir konnten unser Besichtigungsprogramm im Designmuseum Danmark fortsetzen.

Designmuseum Danmark – ein Museum für Industriedesign, Kunstgewerbe und Gestaltung

Neben historischen Designobjekten aus dem beginnenden 20. Jahrhundert sind auch zeitgenössische Objekte ausgestellt, bei denen dänische Designer versucht haben, entweder den Gebrauch der Gegenstände zu vereinfachen oder einfach etwas in Form und Farbe Schönes zu schaffen.

Ob der Sessel bequem ist?
Schöne Idee
Weder schön noch bequem – das Sofa wurde sicherlich kein Verkaufsschlager

Ein Meilenstein des Industriedesigns war ebenfalls zu sehen: Die berühmte Olivetti Valentine von Ettore Sottsass, auf der auch David Bowie schon viele Songtexte verfasst hat.

Bowie’s Schreibmaschine ist es leider nicht – die wurde 2016 für 45000 Pfund bei Sotheby’s versteigert
Alles dänisch

Die Ausstellung THE DANISH CHAIR – An International Affair ist dem dänischen Stuhl gewidmet. Es ist sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich sich dieses Objekt interpretieren lässt.

Stuhlgang

Neben Stücken der lokalen Porzellanmanufaktur Royal Copenhagen gab es auch deutsches Porzellan aus Meißen zu sehen – nicht immer allerdings ist das Design zeitlos.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten
Was ist das denn bitteschön? Ein verunglücktes Gespenst?

Die Ausstellung war gut besucht, den größten Andrang gab es jedoch im Museumsshop und anschließenden Museumscafé. Auf der Suche nach einem Souvenir wurden wir im Shop nicht fündig – die angebotenen Espressotassen (ansonsten ein sehr beliebtes Mitbringsel von unseren Reisen) gefielen uns nicht wirklich.

Endlich mal wieder eine kleine Pause

Einen kurzen Spaziergang vom Designmuseum entfernt liegt die Frederikskirche, oft auch Marmorkirche genannt. Sie bildet zusammen mit Schloss Amalienborg und der neu gebauten Königlichen Oper auf der anderen Seite des inneren Hafens eine sehr schöne Sichtachse.
Bereits von außen fällt die riesige Kuppel auf, die denen des Pantheons und des Petersdoms in Rom nachgebildet ist. Nach der Grundsteinlegung 1749 durch König Friedrich V. wurde der Bau 1770 gestoppt, da die vom König verlangte Bauausführung in norwegischem Marmor den Staatshaushalt bei Weitem überforderte. Erst 100 Jahre später wurden die Bautätigkeiten an der Ruine wieder aufgenommen, finanziert durch den Gründer der Tuborg-Brauerei Carl Frederik Tietgen, 1894 wurde die Kirche schließlich geweiht.

Die Kuppel der Kirche besitzt eine Spannweite von 30 Metern und stellt damit eine Herausforderung für jeden Fotografen dar, sie im Innern auf einem Bild festzuhalten – insbesondere, wenn man nur ein Handy benutzt.

Von außen sieht man fast nur die riesige Kuppel
In den zwölf Segmenten der Kuppel sind die zwölf Apostel dargestellt.
Altar der Marmorkirche

Inspiriert vom Designmuseum statteten wir dem Kaufhaus Magasin du Nord – gegenüber vom Königlich Dänischen Theater am Kongens Nytorv gelegen – einen Besuch ab, um uns dort nach hübschen Espressotassen in dänischem Design umzuschauen. Das Warenhaus hat sieben Tage die Woche bis 20 Uhr geöffnet. In der Geschirr-Abteilung wurden wir fündig und erstanden zwei Espressotassen der Marke Eva Solo. Alex entdeckte auch noch eine Bowie- Puppe von Lucie Kaas sowie den Optimist/Pessimist von Hans Bølling, den sie noch aus ihrer Kindheit kennt. Im Erdgeschoss bestaunten wir neue technische Spielereien, die niemand braucht, die aber sehr witzig sind, z.B. einen Schminkspiegel mit eingebauter Ladefunktion fürs Handy oder eine Minidrohne zum Aufnehmen von Selfies oder einen Aktivitätstracker für Hunde, damit sich der haarige Freund auch ja genug bewegt.

Magasin du Nord

Danach starteten wir einen weiteren Rundgang aus unserem Reiseführer durch Christianshavn, einem zu neuem Glanz erstrahlten Viertel, das mit seiner Lage an den Kanälen, die wir bereits mit dem Ausflugsboot befahren hatten, an Amsterdam erinnert. Vorbei ging es zunächst an der Holmens Kirke, in der sich Königin Margarethe II. und Prinz Henrik von Dänemark 1967 das Ja-Wort gaben. Da Vorbereitungen für eine Messe liefen, war die Kirche eigentlich bereits geschlossen – wir durften jedoch einen kurzen Blick auf den wunderschön geschnitzten Altar von 1661 und die Kanzel werfen.

Von außen versteht man nicht, warum sich die Königin diese Kirche als Hochzeitskirche ausgesucht hat…
… von innen schon

Weiter ging es vorbei an der ehemaligen Börse, die in einem imposanten Renaissancebau untergebracht und von einem ungewöhnlichen Turm bekrönt ist: Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass sich vier Drachenschwänze in die Höhe winden.

Links die ehemalige Börse, daneben Schloss Christiansborg
Ein gezwirbelter Turm aus Drachenschwänzen

Bereits im Viertel Christianshavn steht die Vor Frelsers Kirke, deren ungewöhnlicher Turm bereits von Weitem zu sehen ist. Die Besteigung dieses Turms ist nur für sehr Wagemutige zu empfehlen, da sich die 150 Treppenstufen an der Außenseite des Turms entlang winden – nur wer wirklich schwindelfrei ist, sollte dies auf sich nehmen.

Gehört der Turm schon zum Tivoli-Vergnügen?

Kurze Zeit später erreichten wir einen graffitiverzierten Torbogen, den Eingang zur Freistadt Christiania. Das ehemalige Armeegelände wurde 1971 durch Hippies und Studenten besetzt. Heute steht das Gelände unter eigener Verwaltung der Bewohner. Neben Galerien und Werkstätten finden sich hier mit Duldung der Stadtverwaltung Haschisch-Verkaufsstände – dem Besucher steigt der Geruch aus allen Richtungen in die Nase.

Immer der Nase nach – man kann die Freiheit fast schon riechen

Raus aus Christiania führte der Spaziergang durch Christianshavns Kanäle mit den dort ankernden Sport- und Hausbooten.

Sankt Annae Gade

Der Rundgang endete an der Cirkelbroen, einer von Olafur Eliasson entworfenen, aus fünf Plattformen bestehenden Fußgänger- und Fahrradbrücke, die erst 2015 eingeweiht wurde.

Cirkelbroen

Gegenüber befindet sich der Anbau der Dänischen Königlichen Bibliothek, der sogenannte Schwarze Diamant, den wir uns als Ziel für einen der nächsten Tage aufsparen wollten.

Der Schwarze Diamant

Es war Zeit fürs Abendessen, heute sollte etwas regionales auf den Tisch, doch die Kennzeichen dänischer Küche werden für uns auch weiterhin im Verborgenen bleiben – außer Hotdogs und Smörrebröd fällt uns nichts ein. So ließen wir uns im Restaurant Karla Wiener Schnitzel und Burger schmecken. Trotz Renovierungsarbeiten an der Außenfassade des Restaurants war der Ansturm von asiatischen Besuchern ungebrochen – wie auch wir scheinen diese sich auf die Empfehlungen von tripadvisor zu verlassen. Wir zumindest wurden nicht enttäuscht.

(Überhaupt nicht) Typisch Dänisch zum Ersten …
… und zum Zweiten

Ein Ende des Pilotenstreiks der SAS war auch heute abend noch nicht abzusehen. So entschieden wir uns, den Rückflug kostenlos zu stornieren – in der Hoffnung, eine Erstattung dafür zu erhalten. Als Alternative kam nur ein Flug mit Ryanair nach Stuttgart und anschließender Zugfahrt nach Hause in Frage – eine aufwendigere, dafür aber sichere Variante der Heimreise.

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