Kopenhagen (Dänemark) 30.04. – Glyptotek, Schloss Christiansborg und Schwarzer Diamant

Kopenhagen ist eine für unsere Verhältnisse teure Stadt. Das merkte man bei den Eintrittspreisen, dem Abendessen und nicht zuletzt bei unserem heiß geliebten Espresso, der hier durchaus über 5 EUR kosten konnte, so dass wir uns das ein oder andere Mal in Verzicht geübt haben oder auf ein McCafé ausgewichen sind, in dem das Heißgetränk für 12 DKK (umgerechnet 1,80 EUR) zu haben war. Umso erfreuter waren wir, dass heute mal was gratis zu haben war – der Eintritt in die Ny Carlsberg Glyptotek. Der Gründer der Carlsberg Brauerei schenkte Ende des 19. Jahrhunderts der Stadt seine Kunstwerke und forderte, dass sie “angemessen” ausgestellt werden sollten. Dies kann man nicht nur von außen, sondern auch von innen eindeutig mit einem “Ja” beantworten – sogar einen wunderschönen Wintergarten gilt es im Herzen des Museums zu bestaunen.

Vor dem Eingang warteten bereits eine halbe Stunde vorher Kunstinteressierte auf die Öffnung des Museums um 11 Uhr.

Kostenlos, aber nicht umsonst – der Besuch der Glyptotek an einem Dienstag

Am meisten interessierten uns die französischen Meisterwerke von Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Einige Hochkaräter wie van Gogh, Cézanne, Monet und Degas galt es hier zu bestaunen. Die Sammlung ägyptischer und römischer Skulpturen sowie Werke des dänischen Goldenen Zeitalters schauten wir uns der Vollständigkeit halber auch an.

Vincent van Gogh – Landscape from Saint-Rémy” (1889)
Edgar Degas – “Two Dancers” (1898)
Paul Cézanne – “Women bathing” (1900)
Elisabeth Jerichau-Baumann – “A mermaid” (1873)
Ägypten lässt grüßen
Statuen mit und ohne Kopf, einzelne Köpfe – wenn das mal nicht die Abteilung römischer Skulpturen ist

Betrachtet man Kunstwerke von Edgar Degas, kommen sehr häufig Ballettänzerinnen vor. Diese hat er aber nicht nur gemalt, sondern auch dreidimensional als Plastiken verewigt. Im oberen Teil des Museums hat man Degas’ Bronzefiguren einen ganzen Raum gewidmet.

Bronzestatue von Degas – “Ballet Dancer, Dressed”, oder auch
The Little Fourteen-Year-Old Dancer” (1880-1881)

Jetzt war es aber allerhöchste Zeit für eine kleine Kaffeepause im wunderschönen Wintergarten des Museums.

Wintergarten der Glyptotek mit angrenzendem Cafe

Von der Glyptotek bis zum dritten Schloss unserer Reise (mit Frederiksberg und Kronborg außerhalb von Kopenhagen gäbe es noch zwei weitere zu besichtigen) lag nur ein kurzer Spaziergang : Schloss Christiansborg hatten wir bereits auf unserer Bootstour am Freitag vom Wasser aus gesehen. Der heutige Gebäudekomplex mit dem 90 Meter hohen Schlossturm entstand zwischen 1907 und 1928. Es dient als Sitz des Parlaments und des Obersten Gerichts und beheimatet sowohl das Büro des Ministerpräsidenten als auch die Königlichen Empfangsräume, die man besichtigen kann.

Schloss Christiansborg mit Ehrenhof
Die Besteigung des Schlossturms ist ausnahmsweise mal mit einem Aufzug möglich

Mit 106m besitzt das Schloss den höchsten Turm in Kopenhagen, den man – völlig unüblich – mit dem Lift (!) kostenlos (!) erklimmen kann.

Die Aussichtsplattform bot einen schönen Rundumblick über die Stadt, wir konnten uns einen Eindruck von oben verschaffen, was wir schon alles besichtigt hatten.

Königlicher Parkplatz im Vordergrund, Königlicher Reitplatz im Hintergrund
Vorne links die ehemalige Börse – dahinter mittig die Vor Frelsers Kirke mit ihrem markanten Turm in Form eines Schneckenhauses
Im Hintergrund nochmal die Öresundbrücke
Die sechs Atlanten haben ganz schön was zu schultern

Anschließend besichtigten wir die Könglichen Repräsentationsräume: um Staatsgäste in entsprechendem Ambiente zu empfangen, hat man nicht gekleckert, sondern ordentlich geklotzt. Hier befindet sich auch der Thronsaal mit dem Königsthron, auf dem Margrethe II. wohl noch nie gesessen hat: Die Inthronisierung erfolgte nicht durch Krönung, sondern mittels Proklamation durch den Ministerpräsidenten vom Balkon des Schlosses.

Nette Bibliothek
Ein Speisesaal größer als unser ganzes Heim
Thronsaal für Botschafterempfänge und die traditionellen Silvesterfeiern

Herausstechendes Merkmal der 40m langen und 10m hohen Großen Halle sind die 17 modernen, vom dänischen Bildhauer Bjørn Nørgaard gestalteten und in Paris hergestellten Gobelin-Wandteppiche, die die Geschichte Dänemarks darstellen. Sie wurden anlässlich des 50. Geburtstags der Königin im Jahr 1990 beauftragt und hängen seit ihrem 60. Geburtstag im Jahr 2000 im Schloss. Auf dem Teppich für das 20. Jahrhundert finden sich auch uns bekannte Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Willy Brandt, die Beatles und sogar Donald Duck.

Wandteppiche kannten wir bisher nur aus Flandern
Es gibt viel zu entdecken – man beachte auch die hübschen Schuhüberzieher
Die Beatles (Mitte) und Bob Dylan (rechts)
Willy Brandt (Mitte) ist deutlich zu erkennen

Nach der Schlossbesichtigung hatten wir uns ein Stück Kuchen/Croissant sowie eine heiße Schokolade/Tee verdient: Wir statteten Café Norden am Amagertorv einen Besuch ab.

Extrem kalorienarm – Bananenkuchen mit Schokoüberzug
Blick aus dem ersten Stock des Café Norden

Letztes Ziel heute war eine Besichtigung des Anbaus der Dänischen Königlichen Bibliothek, der 1999 auf dem Slotsholmen eröffnet wurde und über zwei Wege mit dem alten Hauptgebäude verbunden ist.

Kopenhagens Hafen

Aufgrund der Form und Außenhülle des Gebäudes aus schwarzem Granit bekam der Anbau den Namen Schwarzer Diamant. Im Inneren befindet sich die größte Bibliothek Nordeuropas, ein Luxusrestaurant, eine Konzerthalle und ein Fotografiemuseum. Vom dänischen Künstler Per Kirkeby, der 2018 im Alter von 79 Jahren verstorben ist, ist ein 200m² großes Deckengemälde zu sehen.

Der Schwarze Diamant
Per Kirkebys namenloses Fresko

Am Abend stand französische Küche auf dem Speiseplan: auf unserem Spaziergang durch das Latrinerviertel am Freitag hatten wir die Creperie La Galette entdeckt, deren Koordinaten wir vorsorglich im Handy gespeichert haben. So erfreuten wir uns an zwei sehr schmackhaften Galettes und einem süßen Crêpe zum Dessert.

Mmmmh, lecker

Unser Resümee für Kopenhagen:

Die Stadt ist aus unserer Sicht zu Recht eine der Top-Attraktionen in Europa und hat viel zu bieten – historische Gebäude, die von der reichhaltigen Geschichte des Landes zeugen, moderne Architektur als interessanten Kontrast, schöne Plätze, die zum Verweilen einladen, und nicht zuletzt sehr freundliche Gastgeber, die die Besucher willkommen heißen.

Nachtrag:

Am nächsten Tag stand unser letztes Abenteuer an: die Heimreise mit einem kleinen Umweg über Stuttgart. Ursprünglich hatten wir in Stuttgart über 2 1/2 Stunden Zeit, um vom Flughafen zum Hauptbahnhof zu gelangen. Da der Flieger in Kopenhagen jedoch fast zwei Stunden Verspätung hatte, wurde es wirklich eng.

Zwei Stunden später als geplant ging es an Bord der Lauda Motion

In Stuttgart am Flughafen angekommen schafften wir es – unserem griechischen Taxifahrer sei Dank – in 21 Minuten zum Bahnhof. Nach einem kurzen Sprint (mit Koffer im Schlepptau) saßen wir völlig atemlos auf unseren reservierten Plätzen – Geschafft!

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