Afers (Südtirol) 09.09. – Mein Gott – drei Kirchen an einem Tag

Heute Morgen gab es selbst gebackene Brötchen unseres Gastgebers zum Frühstück. Während wir uns diese schmecken ließen, kam die Sonne zum Vorschein und lud uns zu einer Erkundungstour nördlich von Brixen ein – auch wenn die Außentemperaturen hier oben weiterhin deutlich unter 10 Grad lagen, bis zum Nachmittag sollte im Tal die 20 Grad-Grenze geknackt worden sein. Die Wolken rund um die Berggipfel hatten sich verzogen und gaben den Blick auf die schneebedeckten Gipfel frei.

In einem Vorort von Brixen befindet sich das Kloster Neustift, das bereits im Jahr 1142 gegründet wurde und eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Heute leben in dem Augustinerkloster rund 20 Chorherren, die ihren Dienst als Priester in den umliegenden Kirchengemeinden verrichten. Gut 80% der Südtiroler sind römisch-katholischen Glaubens und so verwundert es nicht, dass die Kirche hier von jeher einen starken Einfluss hatte. Die (mit unserer BrixenCard kostenlose) Führung durch das Kloster startete um 11 Uhr, vorher hatten wir noch die Gelegenheit, einen Blick in den mit Fresken ausgemalten Kreuzgang zu werfen.

Kreuzgang mit einem Denkmal aus Anlass des 850jährigen Bestehens des Klosters im Jahr 1992
Deckenfresken im Kreuzgang

Die Führung startete mit dem Besuch der Klosterkirche, in dessen überbordend barock ausgestattetem Innenraum angeblich 356 Engel zu sehen sind – wir konnten der Versuchung widerstehen, nachzuzählen.

Der Fachmann erkennt natürlich direkt an der Farbwahl und der Ausgestaltung, dass es sich hier um bayerischen und nicht italienischen Barock handelt
Blick ins Deckengewölbe der Klosterkirche

Im Stifts-Museum und der Bibliothek ist Fotografieren nicht erlaubt, sicherlich sehr zum Verdruss eines einzelnen Touristen, der uns bereits im Kreuzgang aufgefallen war, da er jedes Detail mit Blitz ablichtete. Im Museum sind wertvolle historische Altäre und andere Kirchenschätze ausgestellt. Die Stiftsbibliothek stellt am Übergang vom Rokoko zum Klassizismus einen der beeindruckendsten Bibliothekssälen des süddeutschen Raums dar. In 42 Bücherschränken mit geschnitzten Aufsätzen werden etwa 20.000 Bände aufbewahrt – weitere knapp 75.000 Bände finden in den Nebenräumen Platz.

Eine kleine Besonderheit befindet sich im Innenhof des Klosters. Dort steht der sogenannte Weltwunderbrunnen: ein achteckiger Brunnen, auf dem die sieben historischen Weltwunder nach Vorstellung des Erbauers dargestellt sind. Auf der achten Schauseite befindet sich eine Abbildung des Klosters Neustift – dies zeugt nicht gerade von vornehmer Zurückhaltung.

Innenhof mit den acht Weltwundern – einem Weltwunder kommt es auch fast gleich, keinen anderen Fotografen auf dem Bild zu haben

Ein weiteres interessantes Gebäude, das heute keine Funktion mehr besitzt, ist die sogenannte Engelsburg, die an das gleichnamige Gebäude in Rom erinnert.

Wenn Rom eine Engelsburg besitzt, warum sollte dann nicht auch Kloster Neustift eine haben?

Nach einer kurzen Pause und einem Espresso in einer nahe gelegenen Bar fuhren wir die Brennerautobahn Richtung Norden nach Sterzing. Wir parkten etwas außerhalb, liefen durch Neubaugebiete und waren überrascht, als wir plötzlich am Beginn der historischen Altstadt standen. Die Stadt verdankt ihren Reichtum den aus Augsburg stammenden Fuggern, die in Sterzing ihren Reichtum durch die Silbervorkommen in der Umgebung mehren konnten.

Man kann nicht nur sehr schön durch die Altstadt von Sterzing schlendern, auch das Café Häusler ist einen kleinen Abstecher wert

Ein Blick in die Heilig-Geist-Kirche offenbarte eine reiche Ausmalung des gesamten Kirchenschiffs. Insbesondere die dem Altar gegenüberliegende Seite war interessant, aber auch ein bisschen gruselig: dort wird das jüngste Gericht dargestellt – ein Teil der Verstorbenen wird zum Leben erweckt und steht aus den Gräbern auf, während ein anderer Teil gemeinschaftlich in die Hölle geführt wird. Wer wollte da nicht zu Lebzeiten gottgefällig wirken.

Fresken des Hans von Bruneck aus dem Jahr 1402
Tut Gutes, sonst droht Euch die Hölle

Von Sterzing zurück Richtung Brixen fuhren wir die neben der Brennerautobahn verlaufende Landstraße und konnten so noch ein Foto von der Festung Franzensfeste machen, ein Bollwerk der Österreicher gegen von Süden heranrückende feindliche Franzosen und Sachsen. Anschließend ging es den Berg hinauf nach Meransen – mit Blick auf Brixen, das Eisacktal und die umgebenden Berge.

Den Siegeszug der Franzosen konnte auch diese Festung nicht aufhalten

Jochen war hier in Kindheitstagen mit seiner Familie im Urlaub. Nach kurzem Telefonat mit seiner Mutter fanden wir auch die damalige Unterkunft. Erinnern konnte er sich allerdings nicht mehr daran.

Blick von Meransen aus ins Eisacktal

Nun wurde es Zeit, nach Brixen zu fahren, wir hatten uns am Vormittag telefonisch zu einer einstündigen (mit BrixenCard kostenlosen) Stadtführung um 17 Uhr angemeldet. Ungefähr 50 andere Gäste wollten mehr über die Stadt, ihre Sehenswürdigkeiten und die Geschichte wissen – darunter eine einzige Italienerin, die des Deutschen nicht mächtig war, so dass wir immer ausreichend Zeit für Fotos hatten, während die Gästeführerin das zuvor in Deutsch Erzählte ins Italienische übersetzte.

Durch den Hofgarten ging es zur Hofburg, dem ehemaligen Sitz der Brixner Bischöfe, bevor sie nach Bozen umzogen.

Hofgarten mit üppiger Blütenpracht
Ganz schön groß dimensioniert für einen alleinstehenden älteren Herrn

Das Innere der Hofburg werden wir uns in den nächsten Tagen noch genauer ansehen. Als nächstes spazierten wir zum Domplatz mit dem imposanten barocken Dom.

Bei schönem Wetter lädt der Domplatz zu einem Päuschen ein
Kein Wunder, dass man irgendwann keine barocke Kirchenausstattung mehr sehen konnte

Im Kreuzgang findet sich eine kleine Rarität. Der Maler, der eine biblische Szene mit Elefant darstellen sollte, hatte dummerweise noch keines dieser Tiere zu Gesicht bekommen, wusste jedoch, dass sie große Ohren und einen langen Rüssel besitzen und einen Turm mit Streitkräften tragen können. Das Bild beinhaltet alle diese Eigenschaften – wie ein Elefant sieht das Tier aber trotzdem nicht aus.

Kreuzgang des Doms
Unverkennbar ein Elefant

Nach einem kurzen Abstecher durch die Laubengänge der Stadt, bei denen man auch bei schlechtem Wetter trockenen Fußes einkaufen kann, war es Zeit für das Abendessen. Heute fiel unsere Wahl auf das Restaurant Fink und damit erneut auf einheimische Küche: Fink’s Südtiroler Knödeltris sowie Fink’s Tiroler Gröstl vom Rindstafelspitz überzeugten uns erneut von der Südtiroler Küche.

Sieht nicht nur gut aus, sondern hier schmeckt es auch gut
Gröstl vom Tafelspitz
Käse-, Spinat- und Rote Beete-Knödel mit Krautsalat, Tomaten und Pfifferlingen – lecker

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