Afers (Südtirol) 10.09. – Ein Berg, ein See und Drei Zinnen

Von Brixen aus erreicht man nach ca. 35 Kilometern Bruneck im Pustertal. Bereits bei der Anfahrt sieht man den 2.275 m hohen Kronplatz, ein Berg mit ungewöhnlichem Namen, auf dessen Gipfel die Bergstation einer Seilbahn erkennbar ist. Eine gute Möglichkeit, den Blick über die umliegenden Gebirgsketten schweifen zu lassen, ist eines der insgesamt sechs Museen des Projektes Messner Mountain Museum von Reinhold Messner zu besichtigen. Im Winter scheint hier bei Skibetrieb deutlich mehr los zu sein, die vielen Kassenhäuschen waren bis auf eines alle geschlossen und das verbleibende konnte den “Besucherandrang” gut bewältigen.

Nach der gemütlichen Bergauffahrt mit der im Jahr 2000 errichteten Seilbahn erreichten wir das Gipfelplateau und spazierten erst einmal ein wenig herum. Neben Schneeresten vom sonntäglichen Wintereinbruch fielen uns die vielen Seilbahnen auf, die aus allen Richtungen den Gipfel des Berges erreichen – zusammen mit einigen wild platzierten Restaurants kein besonders erquickender Anblick. Vielleicht sieht das Ganze mit geschlossener Schneedecke im Winter ein wenig harmonischer aus, vielleicht ist es den Skifahrern aber auch egal, Hauptsache die Infrastruktur stimmt und das tut sie. Dafür war der 360 Grad-Ausblick auf die umliegenden Berge deutlich beeindruckender.

Einmal Richtung Norden – im Tal ist Bruneck zu sehen…
… und einmal in die andere Richtung – überall schneebedeckte Berggipfel
Das Kreuz markiert nicht den Gipfel, es bietet sich aber ein schöner Blick ins Gadertal

Neben Touristen, die weniger sportlich aktiv sind, wird der Kronplatz im Sommer auch von Gleitschirmfliegern und Mountainbikern genutzt.

Guten Flug!

Ungewöhnlich ist auch der Anblick der anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Skigebietes Kronplatz errichteten Glocke Concordia 2000. Sie ist als Friedensglocke konzipiert und schlägt angeblich jeden Tag um 12 Uhr – für uns anscheinend nicht laut genug, auf unserem Rundgang um die Mittagszeit hörten wir jedenfalls nicht, was uns die Stunde geschlagen hat.

Concordia 2000 – installiert wurde die Glocke jedoch erst im Jahr 2003

Seit Juli 2015 ist der Gipfel des Kronplatzes um eine Attraktion reicher. Vor vier Jahren eröffnete hier das sechste Museum des Projekts “Messner Mountain Museen”, das Corones. Architektin des spektakulären Baus, der sich in alle Himmelsrichtungen öffnet, ist die aus dem Irak stammende britische Stararchitektin Zaha Hadid.

Auf dem Weg ins Museum – die Umgebung sieht komplett anders aus als bei unseren sonst üblichen Museumsbesuchen
Guckfenster, die aber nur von drinnen funktionieren – von draußen sieht man lediglich das eigene Ebenbild

Erzählt wird in dem Museum die Geschichte des modernen Alpinismus mit vielen originalen Utensilien des Bergauf- und absteigens. Historische und moderne Gemälde zeigen Gipfel, an denen der Mensch versucht hat, die Natur zu bezwingen. Im Gebäude selbst gibt es eigentlich zwei Stars – Reinhold Messner und das Gebäude selbst.

Ein futuristischer Bau – Tradition trifft Moderne
Da hat sich in den letzten 100 Jahren bei der Ausrüstung ein bisschen was getan
Museum mit Fernblick

Anschließend war es Zeit für ein weiteres spektakuläres Gebäude auf dem Gipfelplateau. Dazu hat man die ursprüngliche Bergstation der alten Seilbahn in das moderne Restaurant AlpiNN und ein Museum für Bergfotografie namens LUMEN aufwendig umgebaut.

Links AlpiNN, rechts LUMEN

Diese Attraktion ist die bisher letzte auf dem Kronplatz und wurde erst im Jahr 2018 eröffnet. Der Eintrittspreis für das Museum mit 17 EUR war uns zu happig, für einen kleine Pause im AlpiNN waren wir jedoch selbstverständlich offen. Das Restaurant bietet einen spektakulären Blick auf die Berge, die Kulinarik versucht mitzuhalten.

Kein Wunder, dass die Plätze am Fenster alle reserviert waren

Wer sich fragt, warum das Restaurant eigentlich ein “N” zu viel aufweist, der muss sich nur die Initialen des Inhabers Norbert Niederkofler anschauen, damit klärt sich der “Schreibfehler”. Der mit drei Michelinsternen ausgezeichnete österreichische Koch ist hier allerdings nur zu besonderen Anlässen: Morgen ist es z.B. wieder so weit, er kredenzt seinen Gästen ein neungängiges Menü für satte 220 EUR. Wir gaben uns mit einem sehr guten Kaiserschmarrn für 8 EUR zufrieden. Der Espresso danach war – wie sonst in Südtirol und ganz Italien üblich – auch hier mit 1,40 EUR ein Schnäppchen.

Was für ein Schmarrn!

Nach einem weiteren kleinen Rundgang über das Gipfelplateau traten wir die Talfahrt und anschließend die Weiterfahrt zum Pragser Wildsee an. Der internationale Bekanntheitsgrad einer Sehenswürdigkeit lässt sich daran ablesen, wie groß der Parkplatz dimensioniert ist und ob sich bereits asiatische Gäste eingefunden haben. Im Fall des malerisch zwischen Bergen eingefassten Sees, der bei Sonnenschein tiefblau funkelt, gab es drei recht große Parkplätze, eine Zufahrtsbeschränkung um die Mittagszeit, um den Besucheransturm zu regulieren, und asiatische Gäste waren selbstverständlich vor Ort und bemühten sich, ihre gemieteten Ruderboote in die richtige Richtung zu lenken. Wir spazierten ein Stück am Ufer entlang, stellten wie an anderen Seen der Region am niedrigen Wasserstand fest, dass es hier in letzter Zeit deutlich zu wenig geregnet hat, und warteten auf die Sonne, die sich gerade hinter Wolken verabschiedet hatte. Ganz um Schluss kam sie nochmal zum Vorschein – ein versöhnlicher Abschluss des Besuchs.

Die tiefblaue Farbe muss man sich dazu denken – aber auch ohne ein schöner Anblick
Die Verleihstation für Ruderboote wartet auch auf neuen Regen und steigende Wasserstände

Eigentlich war es kurz nach 17 Uhr bereits spät genug, um nach Bruneck zurück zu fahren und sich eine Gelegenheit fürs Abendessen zu suchen, ein letztes Ziel reizte Jochen jedoch, so dass wir nochmal 30 Minuten nach Südosten ins Höhlensteintal Richtung Cortina d’Ampezzo fuhren. Kurz hinter dem Soldatenfriedhof Nasswand, der von den Kämpfen des ersten Weltkriegs in der Region zeugt, erreicht man den Parkplatz Drei Zinnen Blick und der Name ist Programm. Von hier aus hat man eine wunderbare Sicht auf die bekannteste Felsformation der Dolomiten.

Da hat man den Drei Zinnen einen angemessenen Rahmen gegeben
Auch ohne zusätzlichen Rahmen durchaus sehenswert

Nach ein paar Fotos und der Rückfahrt nach Bruneck war in dem von uns präferierten Lokal Weißes Lamm leider kein Tisch mehr frei, dafür wurden wir jedoch in der Pizzeria Zum Goldenen Löwen fündig. Eine Pizza Bufala und Kartoffelnocken mit Pfifferlingen später traten wir zufrieden und mit vielen schönen Eindrücken den Rückweg nach Brixen an.

Sieht aus, als ob Alex davon satt werden könnte
In Österreich und Südtirol sind es Kartoffelnocken, im restlichen Italien bezeichnet man sie als Gnocchi

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