Fährt man von Brixen aus durch das Eisacktal Richtung Süden, erreicht man nach vierzig Minuten die Landeshauptstadt Südtirols, Bozen. In der Altstadt angekommen, begann für uns die herausfordernde Suche nach einem Parkplatz. Die preisgünstigste Variante am Bahnhof war für uns nicht auffindbar, und so waren wir froh, unser Auto wenigstens zentrumsnah, aber für 2,80 EUR die Stunde im Parkhaus unter dem zentralen Platz der Stadt, dem Waltherplatz abstellen zu können.
Hier hat man dem deutschsprachigen Minnesänger Walther von der Vogelweide Ende des 19. Jahrhunderts ein Denkmal gesetzt, um das Deutschtum in Bozen zu betonen – ein frühes Zeichen für den aufkommenden Nationalismus. Die Statue scheint in die Jahre gekommen zu sein, aktuell ist sie umrüstet und wird renoviert.

Gleich nebenan strebt der schlanke 62m hohe Turm des Doms Maria Himmelfahrt in den Himmel.

Vom Waltherplatz spazierten wir Richtung Norden zum Rathausplatz und trafen dort auf die Laubengasse: Die Bozner Lauben sind die Haupteinkaufsstraße der Stadt und beherbergen neben alteingesessenen Bozner Geschäften auch Filialen internationaler Handelsketten.


Insgesamt war im Vergleich zu Brixen sehr viel los in der Stadt: Touristen nutzten die letzten Tage des Sommers für ein Getränk oder ein Mittagessen im Freien, während Einheimische ihre täglichen Besorgungen erledigten. Besonders in und um den Obstmarkt, auf dem Händler ihr Obst, Gemüse, Blumen und regionale Produkte vermarkteten, mussten wir aufpassen, nicht den Überblick zu verlieren.



Nach einem vitaminreichen Obstsaft setzten wir unseren Rundgang fort und erreichten die Dominikanerkirche, deren Innenraum keiner sonderlichen Beachtung bedarf. Vom Chor aus jedoch hat man Zugang zur langen und schmalen sowie hohen Johnneskapelle, in der sich Fresken aus dem 14. Jahrhundert bis heute erhalten haben.


Nach so viel Trubel in der Stadt suchten wir ein wenig mehr Entspannung und Ruhe. Der Ritten, ein Bergrücken oberhalb von Bozen, bot sich perfekt für einen Ausflug an. Im Sommer kann man so den schweißtreibenden Temperaturen im Tal entkommen und ein wenig Sommerfrische genießen. Entweder fährt man mit dem Auto hinauf oder – viel schöner – nutzt die Rittner Seilbahn bis Oberbozen, in der Luft schwebend mit Blick auf die Weinberge und Obstanbaugebiete rund um Bozen. In Oberbozen angekommen geht es mit der Rittner Schmalspurbahn nach Klobenstein.


Highlight von Klobenstein sind die Erdpyramiden bei Lengmoos, zu denen wir einen kleinen Spaziergang unternahmen. Die Entstehungsgeschichte der Erdpyramiden ist recht simpel. Finden sich in der Ablagerung eines eiszeitlichen Gletschers unterschiedlich große Steine und Moränenschutt, so erodiert das kleinere und losere Material deutlich schneller und sofern sich auf diesem Material ein großer Deckstein befindet, bildet sich darunter eine kleine Pyramide – dauert halt nur ein bisschen.
Nach 30 Minuten Fußweg durch Klobenstein und vorbei an einladenden Gästehäusern, Cafés und Restaurants erreichten wir eine Aussichtsplattform mit Blick auf die Erdpyramiden im Tal, grünen Wiesen und idyllischer Kirche dahinter – im Hintergrund das Bergmassiv Rosengarten und die Seiser Alm.




Auf dem Rückweg erfrischten wir uns im Biergarten des Gasthofs Amtmann und erreichten wie geplant fünf Minuten vor Abfahrt der Bahn den Bahnhof in Klobenstein. Von hier ging es den umgekehrten Weg mit Schmalspurbahn und Gondel zurück ins Tal nach Bozen. Das Highlight des Tages – zumindest aus Sicht von Alex – wartete aber noch auf uns. Nach Tagen italienischer und Südtiroler Kost hatten wir doch tatsächlich ein indisches Restaurant in der Altstadt von Bozen gefunden, das GUL. Und was soll man sagen? Das Essen war ausgezeichnet, die Bedienung sehr freundlich und wir konnten draußen bei spätsommerlichen Temperaturen sitzen – eine klare Empfehlung.



Das Abendessen war aber noch nicht komplett, wir trauten dem indischen Restaurant – so gut seine Speisen auch waren – keinen gescheiten Espresso zu, den tranken wir lieber in einer Bar in der Bindergasse im Stehen. Als Nachtisch wollten wir einem Tipp folgen, den Alex bekommen hatte (vgl. hier den Artikel aus der SZ). Etwas außerhalb der Altstadt befindet sich die “Officina del Gelo” Avalon, wo wir uns zum Abschluss je zwei Eissorten schmecken ließen: einmal Pistazie+Mandel für Jochen sowie Zimt+Zitrone (Datteln war leider aus) für Alex. Sensationell!

Danach waren wir froh, auf dem Heimweg die schnelle Brennerautobahn nutzen zu können, bevor es – wie jeden Tag – ab Brixen 15 Minuten den Berg zu unserer Ferienwohnung hinauf ging.