Regensburg 27.05. – Kelheim – „Die Stadt im Fluss“

Kurze Zusammenfassung des gestrigen Tages: Dauerregen – einziges kulinarisches Highlight war der Kuchen aus der Kuchenbar am anderen Donauufer, der von außen eher unscheinbare Laden ist ein wahres Paradies für Leckermäuler. Wir entschieden uns für je ein Stück Pistazientarte, Birnen-Walnuss-Streusel sowie Rharbarber-Streusel – es darf gerne geraten werden, wer sich zwei Stück Kuchen gegönnt hat.

Kuchenbar – ein Geheimtipp
Pistazientarte aus der Kuchenbar – Lecker

Nun aber zum heutigen Tag. Eigentlich wollten wir die erste Woche unseres Urlaubs in Kelheim verbringen, mussten jedoch kurzfristig umbuchen, da die Stadt nicht rechtzeitig die Inzidenz unter 100 drücken konnte. Mit etwas Verspätung haben sich die niedrigen Inzidenzen nun auch dort durchgesetzt – heute liegt der Wert bereits nur noch bei 35,8 – ab morgen gelten auch in Kelheim weitreichende Lockerungen für Hotels und Gaststätten.

Das Motto der Stadt – „Die Stadt im Fluss“ – ist natürlich mehrdeutig. Unstrittig liegt sie an der Mündung der Altmühl in die Donau und damit mitten im Fluss. Ob die Entwicklung der Stadt in die richtige Richtung geht, da waren wir uns heute nicht ganz sicher. Vielleicht ist die etwas beklemmende Leere in der Stadt noch auf die Corona-Beschränkungen zurückzuführen. Falls dem so ist, hoffen wir, dass demnächst wieder deutlich mehr Menschen die schönen Altstadtgassen, Cafés und Restaurants bevölkern.

Auf dem Ludwigplatz, im Herzen der Altstadt, besorgten wir uns in der Tourist-Info einen Stadtplan und legten mit unserer Erkundung los. Gleich gegenüber befinden sich das Alte und das Neue Rathaus der Stadt, ein paar Meter weiter hat der Kelheimer Ratsherr Jakob Mayr im Jahr 1700 die Mariensäule als Nachbildung von Münchens Patrona Bavariae errichten lassen.

Altes Rathaus links, Neues Rathaus rechts
Maria mit der Eistüte – gilt das schon als Blasphemie?

Am anderen Ende des Ludwigsplatzes steht die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt mit einem eindrucksvollen aus Kelheimer Marmor gemeißelten Altar aus dem 19. Jahrhundert. Beeindruckend ebenso der vollautomatische Weihwasserspender mit Fußpedalbedienung.

Mariä Himmelfahrt erstmal von außen
… und dann auch noch von innen
Weihwasser „to go“

Nicht etwa das Weltenburger Kloster ist die älteste Weißbierbrauerei Bayerns, sondern das Weisse Brauhaus in Kelheim, das auf das Jahr 1607 zurückgeht. Seit 1928 gehört es der Familie Schneider, die heute hier noch ihre „Schneider Weisse“ braut.

König Ludwig I. von Bayern – Erbauer der Befreiungshalle – mit dem Bauplan des Monuments in seiner Hand, im Hintergrund die Weißbierbrauerei

Hier noch ein paar weitere Eindrücke unseres Rundgangs durch die Altstadt von Kelheim:

Radfahrer sind in der Stadt gerne gesehen, liegt sie doch am Ende des schönen und über die Grenzen der Region hinaus bekannten Altmühltal-Radwegs
Blick vom Donauufer in Richtung Befreiungshalle, die hoch über der Stadt thront – heute für uns kein lohnendes Ausflugsziel, die Halle öffnet erst morgen wieder
Kran am alten Kanalhafen in Kelheim – Hinterlassenschaft aus dem zweiten Versuch, einen Verbindungskanal von Schwarzem Meer zur Nordsee wirtschaftlich zu betreiben; seit 1992 ersetzt der breitere und modernere Kanal seinen Vorgänger
Brücke über die Altmühl
Einer der wunderschön blühenden Bäume in der Stadt – wenn unsere Handy-App nicht trügt, handelt sich dabei um eine Kreppmyrte

Von Kelheims Altstadt bis zum Donaudurchbruch und Kloster Weltenburg sind es nur wenige Kilometer. Die Benediktinerabtei befindet sich an einer Schleife der Donau, kurz bevor sie sich durch die Felswände der sogenannten Weltenburger Enge schlängelt. Die Gründung des Klosters geht vermutlich auf das achte Jahrhundert nach Christus zurück. Der heutige Bau stammt im Wesentlichen auf die Zeit des Abtes Maurus Bächl Anfang des 18. Jahrhunderts, der auch dafür sorgte, dass die Brüder Asam, die auch für die Innenausstattung der bereits von uns besichtigten Maria Hilf Kirche in Amberg verantwortlich sind, die Klosterkirche Weltenburg mit barocker Pracht versahen.

Kein Wunder, dass nach dem Barock mit dem Historismus und Klassizismus Kunstepochen kamen, die deutlich weniger Wert auf Verzierungen und Schnörkel legten

Die Kirche ist dem Heiligen Georg geweiht, der im Hauptaltar den Drachen tötet und so die von ihm befreite Königstochter rettet.

Die letzte Stunde des Drachen hat geschlagen

Blickt man zur Decke, weiß der Besucher kaum, wohin er vor lauter Pracht hinschauen soll. In der Mitte steht der Heilige Geist, um ihn herum sind etliche Szenen aus der Kirchengeschichte abgebildet.

Überdimensionales Bilderbuch an der Decke der Klosterkirche

An einer Stelle der Kuppel hat sich einer der Brüder Asam selbst dargestellt: Cosmas Damian Asam schaut dem Betrachter der Kirche freundlich entgegen. Sein Bruder Egid Quirin Asam findet sich irgendwo versteckt im Deckengemälde.

„Herzlich Willkommen in meiner barocken Zauberwelt“

Als wir die Kirche verließen, wurden die letzten Vorkehrungen für die Wiedereröffnung des Biergartens im Klosterhof getroffen: Sonnenschirme, Tische und Stühle wurden aufgebaut, damit demnächst auch hier wieder Leben einziehen kann – besseres Wetter vorausgesetzt.

Noch sind die Tische und Stühle verwaist, doch das wird sich hoffentlich in Kürze ändern

Ein kurzes Stück flussabwärts liegt der Schiffsanleger für das Kloster Weltenburg, der seit ein paar Tagen auch wieder Touristen hierher bringt. Mit letztem Blick von dort auf das Kloster und die sich dahinschlängelnde Donau verabschiedeten wir uns.

Auf die gegenüberliegende Seite der Donau gelangt man über verschiedene Wege: entweder mit einer Seilfähre oberhalb des Klosters, einem Motorboot auf Höhe des Klosters oder wie wir mit dem Auto über eine Brücke bei Kelheim. Unser Ziel war, das Kloster von den Felsen der Weltenburger Enge herab zu fotografieren. Der Fußweg entpuppte sich nach tagelangen Regengüssen jedoch als Rutschpartie und war nicht wirklich einfach zu begehen. Aber mit Vorsicht gelang es uns dann doch, einen Blick von oben herab auf das Kloster zu werfen.

Letzter Blick auf das Kloster Weltenburg

Von Kelheim ein Stück die Altmühl hinauf fuhren wir im Anschluss bis zur Burg Prunn, die malerisch auf einem Felsvorsprung hoch oben über der Altmühl thront. Beim Fotografieren galt es, sich zu beeilen, der nächste Regenschauer war schon wieder im Anmarsch.

Reger Schiffsverkehr auf dem Altmühl-Kanal

Bei den kühlen Temperaturen zogen wir es heute vor, die thailändischen Fertiggerichte der Firma youcook zu Hause zu genießen anstelle im Biergarten zu frieren.

Nicht ganz so schön wie im Restaurant – aber trotzdem schmackhaft

Um noch ein wenig mehr über Regensburg und seine Geschichte zu erfahren haben wir für morgen vormittag 10:30 Uhr eine Stadtführung gebucht. Mal sehen, was wir in der Altstadt bisher nicht entdeckt haben.

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