Regensburg 28.05. – Geschichten aus der Geschichte

Um 10:30 Uhr startete unsere Stadtführung durch die Altstadt von Regensburg: War die Online-Buchung der Tour für uns recht einfach, gestaltete sich die elektronische Erfassung der Teilnehmer etwas schwieriger – wir wurden ungefähr fünf mal durch gezählt, bis die Anzahl der Teilnehmer vor Ort mit denen im Online-Buchungssystem übereinstimmte.

Stadtführungen dürfen, ebenso wie touristische Übernachtungen, erst wieder seit knapp einer Woche stattfinden und um die Sicherheit der Gäste zu gewährleisten, gilt eine Maximalgruppengröße von 14 Teilnehmern. Insgesamt hatten sich 19 Teilnehmer angemeldet, die sich für die Geschichte Regensburgs interessierten, sodass wir auf zwei Gruppen verteilt wurden. In unserer Gruppe befanden sich außer uns noch eine vierköpfige Familie aus Karlsruhe sowie drei Teilnehmer aus Würzburg. Alle lauschten interessiert dem Tourguide Matthias Freitag, der uns, um es vorwegzunehmen, auf eine außerordentlich interessante und kurzweilige Tour durch die Gassen von Regensburg mitnahm. Start war am Rathaus von Regensburg, wo gerade hintereinander drei Paare den Weg zum Traualtar beschritten.

Das Rathaus selbst ist ein prachtvoller Bau, insbesondere das Eingangsportal (auf dem Bild in der rechten Ecke) zeugt vom Selbstbewusstsein der Regensburger Bürger – einen solchen Eingang findet man sonst nur in Gotteshäusern. Über dem Portal wachen die beiden Figuren Schutz (links) und Trutz (rechts) symbolhaft über die Unversehrtheit der Stadtoberen und damit der Stadt.

Rathaus mit prunkvollem Eingang auf der rechten Seite

Auf dem Rundgang durch die Stadt lernten wir allerlei zur reichen Geschichte der Stadt. Hier ein paar Auszüge aus den interessanten Anekdoten:

  • Welchen Stellenwert hatte Regensburg im frühen Mittelalter? Es war die zweitgrößte Stadt nach Köln.
  • Worin zeigt sich die besondere Stellung Regensburgs? Insbesondere in der Architektur wird die Verbindung der Stadt mit Italien und Frankreich deutlich: Aus Italien wurde die Architektur der Wohntürme und Innenhöfe übernommen, der gotische Dom St. Peter gleicht dem beeindruckendsten Bauwerk aus Frankreich, Notre Dame.
Innenhöfe mit Loggien – eher in Italien bekannt und dem deutschen Wetter eigentlich nicht angemessen
Insgesamt stehen in Regensburg noch 20 Wohntürme, von denen 19 bewohnt sind
  • Warum war Regensburg im späten Mittelalter so reich? Regensburg lag an der Kreuzung von bedeutenden Handelsrouten und so blühte der Handel mit Pelzen aus Russland, Gewürzen aus Indien, Seide aus China und Waren aus Italien, die über die Alpen ins nahe Italien gehandelt wurden.
  • Womit begann der Abschwung Regensburgs? Kriege im Osten gegen die Türken und die Erschließung neuer Handelswege, unter anderem Richtung Amerika Ende des 15. Jahrhunderts, führten zu einer Verlagerung des Handels und damit zum Niedergang Regensburgs.
  • Warum gibt es kein Fachwerk in der Altstadt? Regensburg war zu seiner Blütezeit „steinreich“, d.h. man konnte mit Stein bauen und musste kein kostengünstigeres Fachwerk verwenden. Nicht so vermögende Bürger wie beispielsweise die Tändler und Krämer bauten mit Fachwerk, verputzten ihre Häuser jedoch zur Straßenseite hin, um den Makel des günstigeren Baustoffs zu verdecken.
Schmale, enge Gassen waren die Handelsorte für Tändler und Krämer
  • Warum ist die Altstadt so gut erhalten? Nach dem wirtschaftlichen Abschwung hatten die Bürger kein Geld, um neue Häuser zu errichten, so dass die alte Bausubstanz erhalten blieb. Im zweiten Weltkrieg bot die Stadt kein lohnendes Ziel für Luftangriffe und blieb so weitgehend verschont.
  • Wie alt ist Regensburg? Die Stadt blickt auf eine fast 2000jährige Geschichte zurück und geht auf ein römisches Kastell zurück, das an gleicher Stelle errichtet wurde – das ehemalige Stadttor Porta praetoria ist heute noch in Überresten erhalten.
Reste des römischen Stadttors sind heute noch zu erkennen
  • Welche weiteren Folgen hatte der wirtschaftliche Abschwung? Als sich die wirtschaftliche Situation der Stadt nicht besserte, suchte und fand man die Schuldigen in der Religionsgemeinschaft der Juden, die 1519 aus der Stadt vertrieben und deren Viertel eingeebnet wurde. Dort befindet sich heute der Neupfarrplatz mit gleichnamiger Kirche.

Die Führung durch die Altstadt endete an der Steinernen Brücke, einem der Wahrzeichen der Stadt. In der nahe gelegenen historischen Bratwurstschenke Wurstkuchl genehmigte sich Jochen sein zweites Frühstück, der Bratwurstduft war einfach zu verführerisch.

Auch andere Besucher konnten der Verlockung eines Bratwurstbrötchens mit Sauerkraut nicht widerstehen

Ein paar Schritte entfernt steht das sogenannte Goliathhaus mit dem riesigen Wandgemälde des ungleichen Kampfes von David gegen Goliath.

Goliathhaus – natürlich mit Wohnturm

Danach spazierten wir zurück zur Ferienwohnung, mit der Absicht, den weiteren Tag zu planen. Leider waren die geplanten Besuche der Befreiungshalle in Kelheim und der Walhalla in Donaustauf nur mit Online-Anmeldung und einem Vorlauf von einem Tag möglich, so dass wir dies auf den nächsten Tag verschieben mussten, in der nächsten Ferienwohnung in Passau einchecken konnten wir sowieso erst gegen 15 Uhr.

Während sich Alex anschließend ihren künstlerischen Projekten widmete, machte sich Jochen auf den Weg, ein paar weitere interessante Fotospots in der Stadt zu finden. Vorbei am weiterhin für Besucher geschlossenen Schloss von Thurn und Taxis entlang des die Altstadt umgebenen Grüngürtels führte der Weg zur Donau.

Blick auf das Kunstforum Ostdeutsche Galerie am Stadtpark

Letztendlich kamen viele Postkartenbilder dabei heraus, die alle gemein haben, dass die Steinerne Brücke und/oder Dom darauf zu sehen sind. Hier die Auswahl der schönsten Bilder:

Postkartenpanorama – Teil 1
Nur 11 Jahre wurden für den ursprünglichen Bau der Steinernen Brücke benötigt; die Renovierung vor einigen Jahren dauerte 10 Jahre
Panoramablick von der stromabwärts gelegenen Seite der Brücke aus
Der wohl schönste Blick auf Brücke und Domauch und vor allem wegen der Spiegelung
Blick auf die mächtigen Brückenpfeiler der Steinernen Brücke
Und noch ein letztes Panorama vom Scheitelpunkt der Brücke

Bei trockenem Wetter aber immer noch kühlen Temperaturen um die 15 Grad nutzten wir unsere letzte Chance auf ein Abendessen im Biergarten des Restaurants Bischofshof in direkter Nähe zum Dom. Die im Vorfeld gelesenen schlechten Bewertungen und die etwas arrogante Begrüßung waren durch die sehr freundliche Bedienung, den schönen Innenhof und das ausgezeichnete Cordon Bleu schnell vergessen.

Hier lässt es sich aushalten – nur ein paar Grad wärmer hätte es sein können
Sieht nicht nur gut aus, sondern schmeckt auch so

Sollte danach die Zufriedenheit nicht bereits ihren Zenit erreicht haben, gelang dies spätestens mit dem Eis von der Eisdiele Stenz, die so ausgefallene Sorten wie Kürbiskern/Mohn-Schoko-Erdnuss sowie Rharbarber/Heidelbeere anbot – satt und zufrieden schlenderten wir nach Hause.

Morgen endet unser Aufenthalt in Regensburg und die Entdeckung der Region Oberpfalz. Bevor es nach Passau weitergeht, werden wir der Befreiungshalle Kelheim und der Walhalla einen Besuch abstatten.

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