Passau 30.05. – Passau, ein erstes Kennenlernen

Passau betreibt Eigenwerbung mit dem Beinamen – Die Drei-Flüsse-Stadt. An der Stelle, an der die „schwarze“ Ilz, die „blaue“ Donau und der „grüne“ Inn aufeinander treffen und als Donau weiter Richtung Schwarzes Meer fließen, entstand bereits zu römischer Zeit die Siedlung Batavis, die spätere Stadt Passau. Dass die Stadt mit ihrer wunderschönen Lage Touristen anzieht, wurde uns heute unter anderem bewusst, als wir unter einer Vielzahl angebotener Gästeführungen eine geeignete für uns raussuchten.

Die Offene Stadtführung von TOPassau Tours startete um 14 Uhr an der Anlegestelle A11 und das sehr exklusiv – wir hatten den Guide für uns alleine – die deutsche Touristen entdecken die Stadt nach Corona gerade wieder, es fehlen jedoch die zahlreichen Gäste aus Übersee.

Die Lage am Fluss ist für die Stadt Segen und Fluch gleichzeitig. Im Jahr 2013 setzte ein Jahrhunderthochwasser der Stadt erheblich zu, dessen Spuren im Stadtbild nur bei genauerem Hinsehen noch zu erkennen sind. Die offensichtlichen Schäden sind alle beseitigt, die unglaubliche Höhe der Flut lässt sich nur noch an den Hochwassermarken der Häuser ablesen, die zeigen, dass das Wasser bis an die Decke der ersten Stockwerke stand.

Die höchste Hochwassermarkierung aus dem Jahr 2013 ist gerade noch über dem Fenster im Erker des ersten Stocks des Eckhauses zu erkennen

In der Höllgasse, die Kunstmeile der Stadt, weisen bunt bemalte Pflastersteine den Besuchern den Weg in die Galerien der sich hier niedergelassenen Künstler. Diese müssen aber wohl noch aus ihrem Corona-Schlaf erwachen, geöffnete Galerien waren heute noch Mangelware. Schöne Idee: Einmal im Jahr werden Farbtöpfe bereitgestellt, aus denen sich jeder bedienen kann, um an der Auffrischung der Bemalung mitzumachen.

Immer den blau/rot/grünen Pflastersteinen folgen

Am Ende der Höllgasse erreicht man das Rathaus der Stadt, dessen historische Rathaussäle aktuell leider nicht besichtigt werden können. Auf dem Rathausplatz befindet sich der Biergarten des von der Löwenbrauerei Passau gepachteten Passauer Ratskellers – inklusive eines paradiesischen Orts für Biertrinker, einem Bierbrunnen. Mit Vorbestellung kann man sich den Brunnen inklusive Biervorrat reservieren und sein Bier selbst an dem Brunnen zapfen.

Die Bürger der Stadt wollten mit dem prunkvollen Rathaus dem Fürstbischof auf dem Hügel gegenüber ein angemessenes Ausrufezeichen setzen
O‘ zapft is – noch nicht

Von der Donauseite ging es einmal quer durch die Altstadt auf die Innseite mit Blick auf die Wallfahrtskirche Marihilf. Zur Wallfahrtskirche werden wir sicherlich an einem der kommenden Tage spazieren, um den dortigen Blick auf Passaus Altstadt zu genießen.

Zurück in der Altstadt endete unser Rundgang am Residenzplatz, einem wirklich schönen Platz mit mediterranem Flair, der sicherlich noch mehr an Attraktivität gewinnen wird, wenn die Bauarbeiten an der rückwärtigen Seite des Doms abgeschlossen und die Gerüste verschwunden sind. Nicht etwa die Stadtverwaltung residiert hier, sondern der Bischof von Passau hat seinen Arbeitsplatz am angrenzenden blau-weiß gestrichenen Palast. Zentraler Punkt des Platzes ist der Wittelsbacherbrunnen, der 1903 zum 100. Jubiläum der Zugehörigkeit Passaus zu Bayern aufgestellt wurde. Drum herum schmiegen sich die Sitzplätze von Cafés und laden zum Verweilen ein.

Fast wie in Italien – die Temperaturen müssen allerdings noch ein bisschen in die Höhe klettern

Im Anschluss der Führung gingen wir zum höchsten Platz der Altstadt, dem Domplatz. Vor der Dombesichtigung stärkten wir uns auf der Terrasse des Café am Dom – ein wirklich schönes Café mit origineller Inneneinrichtung, herrlicher Terrasse und leckerem Kuchen.

Ein erster Blick auf einen der beiden barocken Türme des Doms
Beim Warten auf einen freien Platz auf der Terrasse hatten wir genügend Zeit, ein Stück Kuchen auszusuchen
Hier kann man es sich gut gehen lassen

Nächstes barockes Highlight: Der Dom St. Stephan wurde in relativ kurzer Zeit nach dem verheerenden Stadtbrand des Jahres 1662 in den Jahren von 1668 bis 1693 neu errichtet. Die kurze Bauzeit war möglich, da die Architekten auf die noch bestehenden Reste des gotischen Teils zurückgriffen und eine komplett neue barocke Front an der Westfassade errichteten. Für den Wiederaufbau des Doms betraute man den italienischen Architekten Carlo Lurago. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die barocke Innenausstattung von italienischen Künstlern übernommen wurde – die Stuckarbeiten wurden von Giovanni Battista Carlone verantwortet, die Fresken malten Carpoforo Tencalla und Carlo Antonio Bussi.

Neben der überbordenden barocken Ausstattung finden sich weitere Besonderheiten im Kirchengebäude: Sofort ins Auge fallen die vollständig vergoldete Kanzel aus dem 18. Jahrhundert und der ungewöhnliche Hauptaltar, der die Steinigung des Heiligen Stephanus zeigt und erst nach dem 2. Weltkrieg von Josef Henselmann geschaffen wurde.

Blick nach vorne
Blick nach oben
Blick zur Seite
Die Steinigung des Heiligen Stephanus – der Dom müsste eigentlich eine Freigabe FSK18 erhalten

Jeder, der in seiner Kindheit Deutschlandreise gespielt hat, sollte die Attraktion des Doms kennen, die auf der Westempore des Doms steht: Auf dem Spielbrett ist als Symbol für die Stadt Passau eine Orgel dargestellt. 1924 bekam die Orgelbaufirma Steinmeyer den Auftrag und zu Pfingsten 1928 erklangen 16.105 Pfeifen verteilt auf 206 Register – zum damaligen Zeitpunkt die größte Orgel der Welt. Der Rekord hielt nur kurz, im Jahr 1929 wurde eine Orgel in Atlantic City mit über 33.000 Pfeifen fertiggestellt. Die Passauer Orgel wurde in den Folgejahren erneuert und umgebaut, so dass sie heute 233 Register und 17.974 Pfeifen umfasst, die größte über 10m lang, die kleinste weniger als 5,5 mm kurz.

Blick auf die Hauptorgel, mit Evangelienorgel (linkes Seitenschiff) und Epistelorgel (rechtes Seitenschiff); nicht zu sehen sind die Fernorgel auf dem Dachstuhl, die durch das sog. Heilig-Geist-Loch ihre Klänge ins Kirchenschiff sendet und die Chororgel – alle fünf Orgeln lassen sich über den Hauptspieltisch zusammen spielen

Von Dom aus ging es für uns nochmal hinunter zum Inn: zunächst zur Marienbrücke, mit Blick auf die Altstadt und dann am Ufer des Flusses entlang bis zum Schaiblingsturm. Der Bau des Turms wurde um 1250 begonnen, zum einen als Bollwerk gegen Angriffe, zum anderen als Schutz vor den Wellen für die in der Stadt anlandenden Schiffe.

Blick auf die Altstadt von der Marienbrücke aus
Heute nur noch nett anzuschauen, hatte der Turm im Mittelalter eine wichtige Bedeutung

Nach dem Wechsel hinüber zur Donauseite fiel unser Blick als erstes auf die oberhalb des Flussufers errichtete Veste Oberhaus, die ehemalige Residenz der Fürstbischöfe von Passau. Heute im Besitz der Stadt Passau befindet sich auf der Veste ein Museum zur Stadtgeschichte.

Wenn man zur damaligen Zeit demonstrieren wollte, wer das Sagen in der Stadt hatte – dieser Platz oberhalb der Stadt war bestens geeignet

Die Zeit für Abendessen war gekommen und nach indischer, italienischer und deutscher Küche war uns heute nach etwas anderem. Gegenüber dem gestern besuchten italienischen Restaurant Il Monastero nahmen wir heute im Kranabith Platz: Das Restaurant bietet einen Mix aus arabischen und bayrischen Speisen an – wir entschieden uns für die arabische Variante, eine Spicy-Bowl (gebratene Hühnchenbrust Streifen auf arabischem Reis und Salat) und Muluchia (Malvenblätter mit Reis und Salat). Wir erfuhren von der Bedienung, dass die Corona-App jetzt auch die Funktion der Luca-App bietet, sich im Restaurant für das Abendessen coronakonform ein- und wieder auszubuchen.

Mal was anderes – arabische Küche im Kranabith

Vor dem Rückweg zur Ferienwohnung genossen wir den Blick auf Passaus Altstadt im Licht der untergehenden Sonne von der linken Donauseite aus, ein schöner Abschluss für den heutigen Tag.

Blick die Donau hinauf
Blick die Donau hinab

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