Passau 03.06. – Die wilde Ilz und die Deppen von Deggendorf

Bis heute hatten wir nur die Mündung der Ilz am linken Donauufer gesehen, heute lernten wir den Fluss von einer anderen Seite kennen – wir machten einen Ausflug nach Perlesreut, eine Marktgemeinde ca. 30km nördlich von Passau.

Nie passte der Spruch „Erstmal zu Penny“ so gut wie heute, denn wir nutzten den Parkplatz des Lebensmittel-Discounters als Ausgangspunkt für unsere Wanderung Wilde Ilz. Bergan spazierten wir vorbei an Handwerksbetrieben, deren Außenfläche maximal genutzt wurde, um Strom aus Solarzellen zu gewinnen. 

Entweder die Sonne scheint in Perlesreut besonders intensiv oder die Förderung der Photovoltaik führt zu solchen Kuriositäten

Unterhalb von Kirchberg passierten wir Kunstarbeiten der dritten und vierten Klassen der Grundschule Perlesreut, die sich 2011-2018 die bildhafte Umsetzung der Schöpfungsgeschichte im Buch Genesis vorgenommen hatten.

Eigentlich sind die Stelen zum Innehalten gedacht, doch waren wir erst am Anfang unseres Weges und das ungewohnt warme Wetter trieb uns an, weiter zu gehen

Kurz darauf zeugte eine Pestsäule von der Dankbarkeit der Menschen, die von der tödlichen Krankheit im 17. Jahrhundert verschont wurden.

Erinnerung an die „gute alte Zeit“, die gar nicht so gut war

Nachdem wir Ellersdorf passiert hatten, warfen wir einen kurzen Blick zurück über die Wiesen der Umgebung. Kurz darauf konnten wir schon das Rauschen der Ilz hören, die sich hier ihren Weg durch die Felsen gesucht hat.

Blick zurück Richtung Ellersdorf
Ein Paradies für Bienen, Hummeln und Fotografen
Der Ilztalwanderweg folgt ein Stück dem europäischen Pilgerweg Via Nova

Das beruhigende Rauschen begleitete uns nahezu den gesamten Weg am Ufer des Flusses entlang.

An der Dießensteiner Mühle führte ein Steg über den Fluss, eine Hinweistafel erinnerte daran, dass die Ilz vor der Aufnahme von Passau ins Königreich Bayern im Jahr 1805 die Grenze zwischen dem Herzogtum Bayern und Bistum Passau war. Die Bewohner der beiden Flussufer waren sich nicht immer wohl gesonnen, die Brücke wurde in der Geschichte zweimal auf Befehl der Dießenheimer abgerissen: 1610 aufgrund von Streitigkeiten zwischen den beiden und ein weiteres Mal, um die Verbreitung der Pest im 17. Jahrhundert zu verhindern.

Nach einigen Biegungen und Windungen der Ilz war Schneidermühle erreicht, wo ein Hinweisschild die Wanderer dazu einlud, das am 1. Juni wiedereröffnete Ausflugslokal Zur Hammerschmiede in 200m Entfernung zu besuchen, was wir uns nicht zweimal sagen ließen. Tatsächlich waren es zwar 600m, aber wir wurden mit kühlen Getränken, einer Suppe und einem Stück Kuchen entlohnt.

Wir waren nicht die Einzigen, die das schöne Fronleichnamswetter für einen Ausflug nutzten

Folgt eine Wanderung einem Flusslauf, steht unweigerlich ein Anstieg bevor – dass der Weg aber so steil und kräftezehrend sein kann wie heute bei dem warmen Wetter, verdrängt man besser bis es tatsächlich soweit ist. Außer Puste verschnauften wir kurz am ersten Haus von Hangalzesberg, wo wir auf einer Weide Alpakas sahen und kurz darauf von zwei Herdenhunden angekläfft wurden. Wir kamen mit dem sehr netten Besitzer der Tiere ins Gespräch, er meinte, die verspielten Hunde beschwerten sich weniger über uns, sondern mehr über ihre heute noch ausstehenden Streicheleinheiten. Im Verlauf der Unterhaltung erfuhren wir, dass Schaf- und Alpakascheren komplett unterschiedliche Gerätschaften erfordern und dass Walliser Schwarznasenschafe – die sich neben den Alpakas ebenfalls im Besitz des Mannes befinden – sogar zwei Mal im Jahr geschoren werden müssen.

Humor scheint der Besitzer der Tiere auch zu haben

Mit etwas niedrigerer Betriebstemperatur setzten wir den Weg fort, den Anstieg bis zum Bubikberg hatten wir zwar noch nicht geschafft, aber wir waren froh für kurze schattenspendende Passagen oder schöne Fotomotive.

Nun war es nicht mehr weit bis zum Auto, so dass heute unser Motto zusätzlich lautete: „Auch am Schluss geht es zu Penny“. Nein, der Blog ist nicht gesponsert, es gibt auch noch viele andere Lebensmittel-Discounter mit einem tollen Angebot.

Zum Abendessen fuhren wir nach Deggendorf: Im Restaurant Zur Knödelwerferin am Marktplatz bekamen wir den letzten freien Platz und genossen zum wiederholten Mal, endlich wieder draußen bei angenehmen Temperaturen ohne Jacke im Restaurant essen zu können.

Die Legende des Knödelwurfs von Deggendorf reicht bis ins Jahr 1266 zurück, als die Stadt von Böhmischen Truppen belagert wurde. Der Bevölkerung hinter der Stadtmauer gingen langsam die Lebensmittel aus. Als ein feindlicher Kundschafter über die Stadtmauer spähte, um die Möglichkeiten eines Angriffs auszuloten, warf ihm die Frau des Bürgermeisters einen Knödel, der eigentlich ihrem Mann als Stärkung im Kampf dienen sollte, ins Gesicht und er fiel von der Leiter in den Stadtgraben. Der Kundschafter berichtete seinem Kommandanten, dass die Bevölkerung noch so viele Lebensmittel habe, dass sie diese sogar Feinden entgegenschleudern könne. Die böhmischen Truppen kapitulierten und zogen unverrichteter Dinge von dannen.

Zum Glück wirft heute niemand mehr mit Knödeln nach Fremden in der Stadt
Knödel als Spielball für Kinder oder in Pralinenform sind beliebte Souvenirs aus Deggendorf

Nach dem Essen spazierten wir noch über den Marktplatz, schossen ein paar Fotos und bemerkten die am Straßenrand stehenden vor Kraft strotzenden Autos. Kurz darauf fuhren ein paar halbstarke junge Erwachsene mit ihren getunten PS-Boliden samt heruntergedrehten Scheiben, lauter Musik und quietschenden Reifen eine Runde über die Straße, die um den Marktplatz führt. Muss man nicht verstehen.

Blick auf die Heilig-Grabkirche St. Peter und St. Paul
Geld und Geltungsbedürfnis kommen hier zusammen

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