Passau 04.06. – Viele Pfeifen und ein schöner Abschluss

Um 12 Uhr hatten wir heute einen Termin mit Brigitte Fruth, Domkantorin und stellvertretende Domkapellmeisterin im Dom zu Passau. Der Termin war allerdings nicht exklusiv, sondern fand mit ca. 200 anderen Menschen statt, die für das halbstündige Mittagskonzert im Passauer Dom eine Eintrittskarte erworben hatten. Wegen Renovierung konnten zwar nicht alle fünf Orgeln bespielt werden, beim letzten der sieben vorgetragenen Werke „Te Deum op 59,12“ von Max Reger zeigte sich aber auch so die Wucht und Lautstärke, die diese Orgel zu erzeugen in der Lage ist. Viel sanfter hingegen war das vorherige Werk „Choeur des Voix humaines“ des Franzosen Louis Lefébure-Wély. Außer diesen beiden wurden Werke von Johann Sebastian Bach, Gabriel Verschraegen und Johann Gottfried Walther dargeboten.

Auf dem Bild lässt sich nicht erahnen, welche Wucht sich hinter dem barocken Orgelprospekt verbirgt

Nach knapp 30 Minuten war das Konzert vorbei und wir kehrten aus dem kühlen Inneren der Kirche auf den frühsommerlichen Vorplatz des Doms zurück. Einige Passauer Sehenswürdigkeiten hatten wir auf unseren bisherigen Rundgängen ausgelassen, was wir heute an unserem letzten Urlaubstag nachholen wollten – bei herrlichem Wetter.

In der Nähe des Residenzplatzes haben Seppi Küblbeck und Oliver Storz die Ergebnisse ihrer jahrelangen Sammelleidenschaft im sogenannten Dackelmuseum ausgestellt. Für 5EUR Eintritt bekommt der Besucher in den mit über 4500 Exponaten vollgestopften Vitrinen einen Überblick über den eigenwilligen Begleiter des Menschen, dargestellt als Spielzeug, Souvenir, Maskottchen der Olympischen Spiele 1972 in München, Weihnachtsschmuck, Deko und vieles mehr.

Der König der Hunde – zumindest für ihre Besitzer
Der farbig gestreifte Waldi war das Maskottchen der Olympischen Spiele 1972
Allerlei skurrile Dackelsouvenirs
Der Wackeldackel der 1970er Jahre als Accessoire fürs Auto (wie die umhäkelte Klopapierrolle) erlebte Ende der 1990er Jahre ein Comeback

Vor der Tür des Museums erwarteten die beiden Besitzer die Besucher gemeinsam mit ihren drei tierischen Begleitern.

Das Interesse an uns ebbte schnell ab, als die Dackel erkannten, dass wir keine Leckerli für sie haben

Gleich um die Ecke des Residenzplatzes am Waaghaus steht die Stuckskulptur der unbefleckten Maria unter einem mit Blattgold verzierten Golddach – angeblich erinnert die Form an die Passauer Goldhaube: Die Mode entwickelte sich, nachdem im Zuge der Französischen Revolution die Kleiderordnung aufgehoben wurde und vor allem reiche Familien sie als Kopfschmuck für sich entdeckten. Diese Tradition wurde in den 1980er Jahren von Passauer Damen aufgegriffen, die einen Verein zur Wahrung des historischen Brauchtums gründeten.

Nicht nur die Goldhaube ist hier von Interesse – möchte man beim Abendessen gemütlich draußen sitzen, bieten die beiden Restaurants eine tolle Gelegenheit

Alex wollte schauen, ob einige Galerien in der Höllgasse ihre Türen für Besucher geöffnet hatten. Zufälligerweise waren dort gerade Anwohner und Touristen – für kurze Zeit auch Jochen – dabei, den farbigen Kopfsteinen der Gasse einen neuen Farbanstrich zu verpassen. In der „Offenen Werkstatt“ der Künstlerin Christa Gottinger wurden wir zudem auf der Suche nach einem Souvenir fündig.

Einige blaue Steine wurden mit elegantem Pinselstrich des ansonsten ungeübten Malers Jochen verschönert

Anschließend reihten wir uns am ruhigen Innufer unter die Studenten, Einheimischen und Touristen ein, die sich im Restaurant Innsteg mit Blick auf den Fluss eine Entspannung und Erfrischung gönnten.

Den Nachmittag kann man schlechter verbringen – demnächst leider wieder im Homeoffice
Wenn man schon mal da ist, bietet es sich an, noch ein Foto der Altstadt mit dem Fünferlsteg im Vordergrund zu schießen

Ein weiteres lohnendes, allerdings etwas abseits gelegenes Ziel für unseren Spaziergang hatten wir im Buch „111 Orte, in und um Passau, die man gesehen haben muss“ entdeckt – die „Glasscherbenvilla“ in der nach ihrem italienischen Erbauer benannten Ostuzzistraße. Nachdem wir quer über das Unigelände spaziert waren, auf dessen Wiesen sich die Studenten eine Auszeit gönnten, fanden wir das ungewöhnlich dekorierte Gebäude schließlich in einer kleinen Nebenstraße. Fertiggestellt im Jahr 1903 verbindet es unterschiedliche Baustile: italienische Renaissance, italienischer Barock und Jugendstil. Neben Glasscherben aus Glashütten des Bayerischen Waldes wurden Bruchstücke von Christus- und Heiligenfiguren in die Fassade eingearbeitet.

Die Fassade der „Glasscherbenvilla“ in der Ostuzzistraße
Man nehme Bruchstücke von alten Kirchenfiguren
… und kombiniere sie mit farbigen Glasscherben

Ein bisschen Shopping stand auch noch auf dem Plan: In Passau wurde Mymuesli gegründet, wir besuchten den dortigen stationären Laden und werden beim nächsten Frühstück an Passau denken müssen.

myfruehstueck

Leider hatte die erste Wahl für das heutige Abendessen – il localino, die Empfehlung unseres Gastgebers – schon wieder keinen Sitzplatz mehr für uns frei, aber wie wir an unserem ersten Abend in Passau schon feststellen konnten, ist il monastero eine sehr gute zweite Wahl – und nicht nur bei Pizza, wie Jochen bestätigte.

Zwei Wochen Urlaub in Regensburg, Passau und dem Umland der beiden Städte gehen zu Ende und wir nehmen viele schöne Eindrücke mit nach Hause. Teilweise waren die neuen Freiheiten der Corona-Lockerungen noch ein wenig ungewohnt, nicht alle Aktivitäten waren uneingeschränkt möglich, aber wir haben wieder ein gutes Stück Normalität zurück und wissen es sehr zu schätzen. Wir hoffen, dass in Kürze überall die Fußgängerzonen und Cafés wieder so bevölkert sind wie an unserem letzten Tag in Passau – und vermutlich werden wir uns irgendwann in ferner Zukunft wieder daran stören, wenn an Touristen-Hotspots zu viele Menschen unterwegs sind. Hoffentlich erinnern wir uns dann daran zurück, wie die Alternative aussehen könnte.

Sieht fast wieder komplett normal aus

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