Ingelfingen 07.08. – Die Kunst, mit Schrauben ein Vermögen zu verdienen und es wieder in Kunst zu investieren

Nach knapp zwei Stunden Autofahrt erreichten wir unsere Ferienwohnung in der Nähe von Künzelsau, 50 km nordöstlich von Heilbronn. Die Stadt mit ihren gut 15.000 Einwohnern wäre sicherlich nicht über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus bekannt, wäre dort nicht die Firmenzentrale der Würth-Gruppe beheimatet, Weltmarktführer von Montage- und Befestigungsmaterial. 1945 von Adolf Würth mit dem Ziel des Schraubenhandels gegründet, übernahm nach seinem Tod im Jahr 1954 sein Sohn Reinhold nach dessen Volljährigkeit 1956 das Zwei-Mann-Unternehmen und formte daraus einen weltweit agierenden Konzern mit über 80.000 Mitarbeitern.

Das Logo hat man auch ohne Experte in Befestigungstechnik zu sein schon mal gesehen

Neben seinem beruflichen Erfolg engagiert sich Reinhold Würth gemeinsam mit seiner Ehefrau Carmen vielfältig sozial und kulturell. Der passionierte Sammler für moderne und zeitgenössische Kunst erwarb über Jahrzehnte eine umfangreiche Sammlung, die heute über 18.000 Werke umfasst. Um diese einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurden insgesamt 15 Museen in Deutschland und dem europäischen Ausland gegründet, unter anderem auch am Firmensitz in Künzelsau.

Die Aussicht auf Regen am Nachmittag bot für uns die ideale Möglichkeit, uns ausgiebig mit der Sammelleidenschaft von Reinhold Würth zu beschäftigen. Startpunkt war ein umgebautes historisches Wohnhaus in Herzen der Altstadt von Künzelsau, die Hirschwirtscheuer.

Ein angemessenes Ambiente für eine Ausstellung

Die aktuelle Ausstellung”Naturstücke” zeigt Werke von Anne Hausner: Die genaue Beobachtung der Natur und Wiedergabe von Farben, Oberflächen und Strukturen zeigen sich in den Gemälden, die nur bei genauem Hinsehen offenbaren, dass es sich dabei nicht um Fotografien handelt.

Ein Blick in den Himmel und schon hat die Künstlerin eine Vorlage für ein neues Bild
Nichts als Wellen, das aber in Perfektion
Gurken, Klee, Gras und sonstiges Grünzeug

Wir drehten im Anschluss eine kurze Runde durch die schön herausgeputzte Altstadt von Künzelsau, bevor die ersten Regentropfen den herannahenden Dauerregen ankündigten.

In den Erhalt der Altstadt von Künzelsau wurde offensichtlich ordentlich investiert
Das Rathaus von Künzelsau – davor warb der örtliche Fechtverein um neue Mitglieder

Etwas außerhalb von Künzelsau im Stadtteil Gaisbach befindet sich die Firmenzentrale des Würth-Konzerns, die neben der Verwaltung das erste der in Künzelsau gegründeten Museen beheimatet. Hier werden seit 1991 Kunstwerke aus der Sammlung von Reinhold Würth ausgestellt. Aktuell findet sich dort die Ausstellung des 2018 verstorbenen Bildhauers Lun Tuchnowski mit dem Titel “Geometrie – Wahrnehmung – Einfühlung”. Der Künstler war Meisterschüler des dänischen Eisenplastikers Robert Jacobsen (1912–1993), der den Vorplatz des Museums gestaltete und in den folgenden Jahrzehnten am Auftritt der Sammlung Würth im In- und Ausland prägte.

Blick über den Vorplatz der Firmenzentrale – Nein, das ist nicht der Spielplatz eines Riesen
Skulpturen – nicht unsere präferierte Kunstform – aber etwas außerhalb des Tellerrands schadet ja nie
Die Ausstellung hat nicht umsonst “Geometrie” im Titel
Kegel, Kugel, Zylinder, Rechtecke, Quadrate und Dreiecke – immer wieder anders arrangiert
Keine Ahnung, was es genau sein soll – sieht aber gut aus

In ca. 500m Entfernung eröffnete im Jahr 2017 das Museum Würth 2, das bedeutende Werke aus der Sammlung Würth zeigt. Unter dem Titel “Weitblick – Reinhold Würth und seine Kunst” werden hier Künstler wie Baselitz, Beckmann, Picasso, Richter, Warhol, Hockney, Munch und viele mehr gezeigt. Wir sollten nicht vergessen zu erwähnen, dass der Besuch der Ausstellungsräume kostenlos, aber nicht umsonst ist.

Vermutlich bietet auch dieses Museum noch nicht ausreichend Platz für die gesamte Sammlung

Direkt dem Museum angegliedert ist das Carmen Würth Forum, benannt nach der Ehefrau von Reinhold Würth, das als Kongress- und Kulturzentrum vielfältige Veranstaltungsmöglichkeiten bietet. Unter anderem treten hier auch die im Jahr 2017 ins gegründeten Würth Philharmoniker auf.

Auf geht’s

Edvard Munch – Vampir
Pablo Picasso – und nicht nur ein Kunstwerk des berühmten Malers
Jörg Immendorff (links) und Georg Baselitz (rechts)
Im Bild von Jörg Immendorff finden sich, wenn man genau hinschaut, viele Detailszenen
Skulpturen von Tony Cragg
Im Hintergrund in der Mitte ein Werk von Gerhard Richter
Skulpturen im Carmen Würth Forum
Ist das Kunst oder sind es einfach nur Schrauben?

Nach so viel Kultur war Zeit für einen profanen Abschluss des Tages. Auf der Suche nach einem italienischen Restaurant wurden wir in Langenburg fündig. Die Fotos auf der Homepage der Pizzeria Gran Sasso von Pizzen aus dem Steinofen zogen uns magisch an und unser mittlerweile geschultes Auge für guten Pizzaboden lag absolut richtig. Etwas weniger Käse und die Pizza wäre perfekt gewesen.

Es gab tatsächlich Besucher, die es vorzogen, bei widrigem Wetter draußen zu sitzenentweder wegen Corona oder um genüsslich zu rauchen

Die Wetteraussichten für die kommenden Tage sagten längere sonnige Abschnitte voraus. Wir freuen uns darauf, die Region zwischen Jagst, Kocher und Tauber zu erkunden.

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