Ingelfingen 10.08. – Rothenburg ob der Tauber – ein Städtchen wie aus dem Bilderbuch

Die Kleinstadt Rothenburg ob der Tauber zieht mit seinem mittelalterlichen Stadtbild Besucher aus dem In- und Ausland magisch an. Über zwei Millionen Touristen haben vor Corona-Zeiten den mittelalterlichen Charme mit Stadttoren, Kopfsteinpflaster, bunten Häuschen und einem imposanten Renaissance-Rathaus auf sich wirken lassen. Besucher aus Fernost sahen wir aktuell nur vereinzelt in den schmalen Gassen, aber auch so war für uns genügend Trubel in der Stadt, die Tische der Cafés waren alle besetzt und das Weihnachtsdorf von Käthe Wohlfahrt lockte schon wieder Besucher an.

Bereits bei der Anfahrt auf die Stadt von Süden erblickt man aus der Ferne die mittelalterliche Silhouette der Stadt, was wir für einen kurzen Fotostopp an einem kleinen Parkplatz nutzten. Bei der Weiterfahrt sahen wir kurz darauf noch einen zweiten, besseren Fotospot und konnten natürlich nicht widerstehen, noch einmal kurz anzuhalten und den Fotoapparat zu zücken.

Da wir bis zur Stadtführung um 14 Uhr noch eine Stunde Zeit hatten, steuerten wir zunächst die evangelische Kirche St. Jakob an. Bei der Vollendung der Kirche Ende des 15. Jahrhunderts noch katholisch, wurde im Jahr 1544 die Reformation in Rothenburg eingeführt. Das erklärt, warum sich ein Altar des berühmten Würzburger Bildhauers Tilman Riemenschneider mit einer Heilig-Blut-Reliquie in der Kirche befindet.

St. Jakob – Kirche mit Straßendurchfahrt

Der Heiligblut-Altar (1500-1505) zeigt das letzte Abendmahl, wobei interessanterweise nicht Jesus im Mittelpunkt der Szene steht, sondern Judas. Dargestellt ist der Zeitpunkt, an dem Jesus seinen Jüngern verkündet: “Einer von euch wird mich verraten”. Die feingliedrigen Schnitzereien zeigen die für Riemenschneider typischen Merkmale der Hände, Adern, Knöchel, Fingernägel und Locken. Auffällig ist auch der präzise Faltenwurf.

Neben dem Heiligblut-Alter auf der Westempore der Kirche steht ein weiterer bedeutender Altar im Chor der Kirche, der sogenannte Zwölf-Boten-Altar aus dem Jahr 1466.

Die zwölf Apostel als Boten zur Verbreitung der Botschaft Jesu

Pünktlich um 14 Uhr fanden wir uns auf dem belebten Marktplatz ein, wo Besucher in einem der Cafés saßen oder sich auf den Stufen des Rathauses zu einer kurzen Pause niedergelassen hatten, Gästeführer auf den Start der Führung warteten und das Rote Kreuz zu Corona-Impfungen ohne Voranmeldung einlud.

Die Teilnehmer der Altstadtführung
Blick auf den Markt mit dem imposanten Rathaus im Renaissance-Stil

Die Führung startete erst nach der vollen Stunde, zu der sich an der Ratstrinkstube zwei Fenster öffneten und eine Szene aus dem 30jährigen Krieg dargestellt wurde: Diese Legende geht auf das Jahr 1631 zurück, als katholische Truppen das protestantische Rothenburg angriffen und einnahmen. Der katholische General Tilly drohte der Stadt mit Plünderung und Brandschatzung. Aus einer Laune heraus versprach er, die Stadt zu verschonen, wenn ein Ratsherr es schaffe, einen großen Humpen, gefüllt mit 3 1⁄4 Liter Wein, auf einen Zug zu leeren. Altbürgermeister Nusch vollbrachte diese Meisterleistung und rettete damit seine Stadt. Noch heute feiern die Rothenburger diese Rettung jedes Jahr an Pfingsten.

Vom Marktplatz aus spazierte unsere kleine Gruppe zur ehemaligen Burg, dem ersten Siedlungsplatz auf einem Felsvorsprung hoch oben über dem Taubertal mit einem wunderschönen Blick auf die Altstadt. Zurück durch das Burgtor in die mittelalterliche Stadt führte der Weg durch schmalen Gassen an der St. Jakob vorbei und letztendlich wieder zurück zum Marktplatz.

Durch das Burgtor ging es zurück in die Stadt
Blick auf eine der romantischen Altstadtgassen von Rothenburg
Auch mit der Bimmelbahn kann man sich Rothenburg anschauen

Nach einer kurzen Kaffeepause auf dem Marktplatz schlenderten wir hinab in den südlichen Teil der Altstadt zu einem der meistfotografierten Plätze der Stadt – dem “Plönlein”, was “Kleiner Platz am Brunnen” bedeutet: Neben dem leicht schiefen gelben Haus im Zentrum gehört auch der Brunnen und die beiden Türme der Stadtmauer dazu. Wir passierten den Sieberturm für einen kurzen Abstecher ins Spitalviertel.

Das Plönlein
Blick von der Stadtmauer auf die Stadtmauer
Ein letzter Blick, bevor es Abschied nehmen heißt

Aus gegebenem Anlass hatten wir für den heutigen Abend einen Tisch im Restaurant Anne-Sophie in Künzelsau reserviert. In herrlicher Atmosphäre auf der Terrasse ließen wir uns vom Kellner Maxime bewirten, der bei der Bedienung der Gäste ordentlich ins Schwitzen kam, sich das aber nicht anmerken ließ.

Morgen heißt es Abschied nehmen aus der Region Hohenlohe. Es steht aber ein weiterer Urlaubstag in Bad Cannstatt zum Besuch des Tiergartens Wilhelma auf dem Programm.

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