Passa 06.09. – 163 Stufen für einen schönen Ausblick und 6 Staustufen für die Weiterfahrt

Als wir heute Morgen aus dem Fenster schauten, war der Himmel über unserem Ferienhaus in graue Wolken verhüllt. Mit Aussicht auf Besserung weiter nördlich zum Nachmittag hin starteten wir zu einem Ausflug entlang der Mittelmeerküste ins Département Aude nach Narbonne. Wettertechnisch gab es keine großen Änderungen, zu grauem Himmel kam noch Nebel und Nieselregen hinzu, sodass Alex bei der Ankunft in Narbonne unschlüssig war, ob die kurze Sommerkleidung ausreichen würde. Nur eine Stunde später bei knapp 30 Grad schwüler Hitze fragte sie sich, warum um Himmels Willen sie nur eine Weste mit auf den Stadtrundgang genommen hatte.

Vom kostenlosen Parkplatz am Quai Victor Hugo aus starteten wir entlang des Canal de la Robine in Richtung Altstadt.

Canal de la Robine mit Hausbooten

Narbonne wurde als erste römische Kolonie außerhalb Italiens im Jahr 118 v. Ch. gegründet. Durch die Stadt führte die Römerstraße Via Domitia, die Italien mit den spanischen Kolonien verband. Bei Narbonne traf die Via Domitia mit der Via Aquitania zusammen, die über Toulouse bis nach Bordeaux führte.

In der Mitte des Rathausplatzes wurden Reste der Via Domitia aus der Römerzeit freigelegt. Die Steine zeigen heute noch die Abnutzung durch die passierenden Fuhrwerke.

Sicher etwas holpriger als eine Autobahn, aber damals ein großer Fortschritt

Gleich neben dem Platz befindet sich der ehemalige Erzbischöfliche Palast, der über einen Kreuzgang mit der Kathedrale St-Just-et-St-Pasteur verbunden ist.

Blick auf den Rathausplatz von Narbonne

Die Besteigung des Turms des Bischofspalastes erfolgt über eine steinerne Wendeltreppe und 163 Stufen. Mit Maske und bei schwülem Wetter mussten wir oben angekommen erst mal verschnaufen, bevor wir die Aussicht genießen konnten. Bei den Fotos nach unten musste Jochen allen Mut aufbringen und seine Höhenangst überwinden – was tut man nicht alles für ein gutes Foto.

Oben auf dem Turm angekommen
Blick auf die Kathedrale von Narbonne
Blick auf den Rathausplatz und das freigelegte Stück der Via Domitia

Im Palais Neuf des Erzbischofspalastes mussten wir zunächst erneut eine mächtige Treppe über zwei Stockwerke nach oben zur Besichtigung der ehemaligen Wohnräume erklimmen.

Die Ausmaße des Treppenhauses haben Häuser anderer Leute bei Weitem nicht

Neben der Sammlung kostbarer Keramiken werden hier Gemälde aus dem 15. bis 19.Jahrhundert effektvoll in Szene gesetzt. Vor allem die Sammlung mit Bildern aus dem Orient gefiel uns – zum einen aufgrund der schönen Szenen, zum anderen wegen der Klimaanlage, die die Räume auf eine sehr angenehme Temperatur herunter kühlte.

Die Nachbildung der Mezquita in Córdoba gibt den Bildern einen wunderschönen Rahmen

Vom Innenhof des erzbischöflichen Palastes sind es nur ein paar Schritte bis zum Kreuzgang der Kathedrale.

Auch beim Marmorfußboden haben die Erzbischöfe nicht gespart

Hier beeindruckten wieder einmal die Formen und der Ideenreichtum bei der Gestaltung der Wasserspeier der gotischen Denkmäler.

Die Kathedrale selbst beeindruckt durch ihre Ausmaße – allerdings wurde sie nie fertiggestellt. Dazu wäre der Abriss eines Teils der Stadtmauer notwendig gewesen, was der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England sowie der Ausbruch der Pest 1348-1355 verhinderten.

48m breit (inkl. Chorumgang), 55m lang und über 40m hoch – dabei blieb es dann auch
Menschen im Fegefeuer, dargestellt als riesiger Kochtopf, verschwinden im Höllenschlund – wenn das kein Anreiz zu Frömmigkeit darstellt

Noch ein letzter Blick auf die Kathedrale vom anschließenden kleinen Garten aus und auf den Marktplatz, danach verließen wir das Herz der Altstadt und überquerten den Canal de la Robine über die Pont des Marchands, die wie das Vorbild Ponte Vecchio in Florenz komplett mit Kaufläden zugebaut ist, um ins bürgerliche Viertel Bourg zu gelangen.

Gebäude der ehemaligen Kaufhauskette Aux Dames de France – eine weitere Niederlassung hatten wir bereits in Perpignan gesehen

Unser Plan, sich in den Markthallen eine Erfrischung zu gönnen, scheiterte leider daran, dass sie bereits um 14 Uhr geschlossen hatten und so waren wir gezwungen, wieder auf die andere Seite des Kanals zu wechseln und unter schattenspendenden Platanen in einem der Cafés eine Erfrischung zu genießen.

Les Halles de Narbonne – sicher auch drinnen sehenswert, wenn nicht bereits geschlossen
Passerelle des Barques – So schön können die beiden Ufer des Canal de la Robine miteinander verbunden sein
Während Les Halles am rechten Ufer bereits geschlossen haben, lädt die Bar Rive gauche (am linken Ufer) weiterhin Gäste ein, Platz zu nehmen

Da wir noch genügend Zeit am Nachmittag hatten, bestand die Qual der Wahl zwischen der Besichtigung der Zisterzienserabtei in Fontfroide und einer Schleusentreppe Fonseranes am Canal du midi. Kirchen und Klöster hatten wir bisher schon zur Genüge gesehen, daher entschieden wir uns für die Schleusentreppe.

Der Canal du midi verbindet über eine Strecke von 240 Kilometern Toulouse mit dem Mittelmeer. Bereits im 17. Jahrhundert bot sich Schiffen damit die Möglichkeit, die aufwendige Umfahrung der iberischen Halbinsel durch eine direkte Verbindung von Mittelmeer mit Atlantik zu umgehen. Um den Anstieg zwischen Toulouse und dem Scheitelpunkt des Kanals (57 Meter) sowie anschließend das Gefälle bis zum Mittelmeer zu überwinden (189 Meter) war jedoch der Bau etlicher Schleusen notwendig – heute sind es insgesamt 63 Schleusenanlagen mit 98 Schleusenbecken.

Das Höhenprofil des Canal du midi

An der Schleusenanlage Fonseranes überwindet der Canal du midi insgesamt eine Höhendifferenz von 13,6 Metern. Besucher haben die Möglichkeit, das Schleusen der Schiffe aus der Nähe zu beobachten.

Hier beginnt die beschwerliche Aufwärts-Schleusung – es sei denn, man sitzt an Bord des beliebten Petit Train und lässt sich fahren
Zwei der Schiffe auf dem Weg “nach oben” und etliche Schaulustige
Gleich kann es für den Sonnenkönig weitergehen
Blick von oben auf die Schleusenanlage – Fotografenschatten inklusive

Auf eine Besichtigung der nahe gelegenen Stadt Béziers verzichteten wir – wir wollten ein letztes Mal zur Côte Vermeille fahren, um im geliebten Collioure Abend zu Essen – allerdings bekamen wir vom Restaurant Le 9 einen (wenn auch nicht ganz ungetrübten) Blick auf die Altstadt mit der Kathedrale.

Am letzten Abend in Nähe zum Meer und spanischer Grenze wollten wir in Collioure Tapas probieren, doch ganz so einfach gestaltete sich dies an einem Montag nicht: Die beiden im Vorfeld von Jochen ausgewählten Tapas-Bars waren geschlossen, aber in einer schmalen Gasse wurden wir beim Restaurant La Cuisine schlussendlich noch fündig. Zwei Gläser hausgemachte Sangria rundeten das spanische Abendessen ab.

Auch unsere Sitzplätze waren wie in Spanien rund um ein Holzfass positioniert – einen Platz auf der Terrasse des Lokals gab es für uns leider nicht mehr

Diese beiden Schätze sahen wir beim anschließenden Bummel durch die Gassen von Collioure – hätte der Laden noch geöffnet gehabt, wären wir sicherlich schwach geworden.

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