Carcassonne 10.09. – Spiel und Wirklichkeit

Einen Hinweis auf das nächste Etappenziel unserer Reise durch Südfrankreich lieferte heute Morgen bereits die Spielesammlung auf dem Fernsehtisch unserer Unterkunft: Bei genauem Hinschauen erkennt man die Verpackung des Spiels Carcassonne, entwickelt von Klaus-Jürgen Wrede und im Jahr 2001 mit dem Preis für das Spiel des Jahres ausgezeichnet. Benannt wurde das Spiel nach der Cité von Carcassonne, einer mittelalterlichen Festungsstadt, ungefähr in der Mitte zwischen Toulouse und Mittelmeerküste gelegen.

Bereits in den ersten zehn Jahren wurde das Spiel sechs Millionen Mal verkauft und in 20 Sprachen übersetzt – kaufen kann man es im Übrigen auch in Souvenirshops in der Altstadt von Carcassonne

Die Römer gründeten an dieser Stelle eine Siedlung, die im Laufe der Jahrhunderte eine bewegte Zeit durchlebte. Anfang des 13. Jahrhunderts war die Stadt mit ihren 3000-4000 Bewohnern Hauptsitz der Katharer, einer Glaubensgemeinschaft unabhängig von der katholischen Kirche. Ein Kreuzzug gegen die abtrünnigen Katharer im Namen des Papstes Innozenz III. führte im Jahr 1209 zur Eroberung der Stadt. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich am linken Flussufer der Aude die Unterstadt, während die Altstadt auf dem Hügel am rechten Flussufer im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr verfiel.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Altstadt von Carcassonne, wenn auch nicht immer originalgetreu unter der Leitung von Eugène Viollet-le-Duc restauriert. Heute lockt die Stadt, die seit 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört, vier Millionen Besucher pro Jahr an (sofern nicht wegen Corona das Reisen deutlich erschwert ist) und gehört somit zu einem der meistbesuchten Touristenorte in Frankreich.

Nach dem Abstellen unserer Koffer im Hotel du Pont Vieux am Fuß des Burghügels spazierten wir hinauf zur Porte Narbonne, einem der Tore der Stadt. In den Straßen warteten Restaurants und Souvenirgeschäfte auf die Besuchermassen.

Der Eindruck täuscht – für ein Bild mit so wenig Menschen muss man lange warten
Die Türme hatten ursprünglich keine spitzen Dächer – sieht aber trotzdem gut aus
Blick in den Chor der Basilika

Wenn man genau hinschaut und ein wenig sucht, findet man in den Kirchenkapellen auch ein paar schöne Steinmetzarbeiten als Schmuck der Kapitelle.

Nach einer kleinen Erfrischung auf einem der Plätze der Stadt, wo man sich aus der Vielzahl der Restaurants und Cafés eines heraussuchen muss, beendeten wir den ersten Teil der Besichtigung.

Wie es hier wohl aussehen mag, wenn keine Corona-Pandemie herrscht
Auf einer langen Mauer am Fuße des Altstadthügels ist die ereignisreiche Geschichte der Stadt in Bildern dargestellt

Zurück im Hotel bezogen wir unser Zimmer, um anschließend den Weg in die Unterstadt fortzusetzen. Doch zunächst stiegen wir im Hotel ein Stockwerk hinauf bis zu einer kleinen Aussichtsterrasse, von der man einen wunderschönen Blick auf die Altstadt hatte.

Für diesen Ausblick auf die Altstadt könnte man Geld verlangen, wäre es nicht die Terrasse des Hotels

Der kurze Spaziergang zur Unterstadt führte über eine alte steinerne Brücke die den Fluss Aude überspannt, ebenfalls mit einem schönen Blick auf die Altstadt.

Von hier aus waren es nur ein paar Minuten zum Musée des Beaux-Arts, in dessen Dauerausstellung Gemälde und Skulpturen vom 17. Jahrhundert bis heute präsentiert werden.

In der Sonderausstellung “The Future is now” wurden Fotografien und Skulpturen des französischen zeitgenössischen Künstlers Philippe Shangti gezeigt, in der sich der Künstler äußerst kritisch mit dem Umgang der Gesellschaft mit Natur und Konsum auseinander gesetzt hat.

Auch ohne große Erklärung erkennt man die Botschaft des Bildes – eine Anklage gegen den ausufernden Konsumterror
Die Models im Hintergrund “reinigen” die Abgase des Ferraris hinter ihnen durch Inhalieren

Langsam wurde es Zeit, dem Museum den Rücken zu kehren und wieder hinauf zur Altstadt zu gehen, um die geplante Besichtigung der Burg fortzusetzen. Für den Besuch der Altstadt gab es keine zeitliche Limitierung, für die kostenpflichtige Besichtigung des Château Comtal und dem Gang über die Festungsmauern der Stadt galt dies jedoch nicht: Ob wir bis 18 Uhr das Burggelände samt Stadtmauern verlassen haben mussten, konnte uns trotz mehrmaligem Nachfragen niemand wirklich beantworten. Wir wollten daher gegen 16 Uhr an der Burg sein, um genügend Zeit für den Rundgang und das Fotografieren zu haben. Die Besichtigung des Schlosses selbst ist wenig lohnend, der Gang über die Stadtmauer jedoch umso mehr.

Hier ein paar Eindrücke unseres Rundgangs:

Innenhof der Burg
Im kleinen Museum sind die Original-Steinmetzarbeiten des Schlosses ausgestellt
Was für ein herrlicher Ausblick auf die Festungsmauer und die im Tal liegende Unterstadt von Carcassonne
Schöne Kulisse für Veranstaltungen

Bei der großen Auswahl an Restaurants waren wir fast überfordert, eine Auswahl zu treffen, zumal wir für südfranzösische Verhältnisse kurz nach 18 Uhr wieder einmal deutlich zu früh Hunger hatten. Nach einem längeren Entscheidungsprozess einigten wir uns auf ein Menü eines Restaurants, stellten aber, nachdem wir uns schon gesetzt hatten fest, dass bis 19 Uhr nur Gerichte einer reduzierten Karte angeboten wurden. Aber auch so wurden wir fündig und satt.

Damit geht für uns ein schöner Abend zu Ende. Das letzte Foto war aber beim Abendessen noch nicht geschossen, das hatten wir uns für den Blick im Dunkeln von der Terrasse unseres Hotels auf die beleuchtete Altstadt von Carcassonne aufgehoben.

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