Carcassonne 11.09. – Schippern auf dem Canal du Midi

Wie die Schleusen des Canal du Midi funktionieren, hatten wir bereits vom Ufer aus gesehen. In Carcassone bot sich jetzt die Gelegenheit, dies an Bord eines Ausflugsschiffes zu erleben. Nachdem wir gestern abend keine Zeit mehr hatten, vor Ort Tickets für die Fahrt heute morgen zu erwerben, hatte Alex glücklicherweise darauf bestanden, eine Reservierungs-Mail an den Anbieter Carcassonne Croisière zu schicken. So erfuhren wir rechtzeitig, dass die für 10:30 Uhr geplante Tour bereits um 10 Uhr starten sollte.

Am Morgen waren wir die Ersten am Ticketschalter. Kurz darauf hielt ein Reisebus und lud eine Gruppe Touristen aus, die mit uns die Fahrt unternehmen wollten. Los konnte es allerdings erst gehen, als auch die junge Dame, die für die Kommentierung der Fahrt auf Französisch und Englisch verantwortlich war, den Bootsanleger mit etwas Verspätung erreicht hatte.

Unser Ausflugsboot für die gut anderthalbstündige Fahrt auf dem Canal du Midi

So starteten wir unsere Fahrt direkt mit der ersten Schleuse am Pont Marengo, um sie kurz darauf unter einer Eisenbahnbrücke hindurch langsam stadtauswärts nach Osten fortzusetzen.

Nebenbei erfuhren wir allerlei Wissenswertes über den Kanal, zum Beispiel, dass er lediglich ca. 1,50m tief ist (die schmalen Schiffe benötigen nicht mehr Tiefgang), oder dass die Platanen am Ufer zum einen Schatten für die Bootsbesatzung spenden, zum anderen aber auch dazu führen, dass nicht unnötig Wasser verdunstet, oder dass der Kanal regelmäßig gereinigt werden muss, um zu verhindern, dass er verlandet.

Insgesamt säumen über 190.000 Bäume das Kanalufer, ca. 60% davon sind Platanen, deren Existenz massiv bedroht ist. Der sogenannte Platanenkrebs -ein Mikro-Pilz, der sich in den Platanen einnistet und die Wasserzirkulation blockiert – führt zu einem Sterben der Laubbäume. Da bisher keine chemischen oder biologischen Gegenmittel gefunden werden konnten, besteht der einzige Schutz darin, die befallenen Bäume zu fällen und zu verbrennen.

Touristen haben auch ohne Bootsführerschein die Möglichkeit, eines der Hausboote zu chartern
Zum Glück sind andere Baumarten wie zum Beispiel die mächtigen Zypressen gegen den Platanenkrebs immun

Ein kurzes Stück hinter der Écluse de Saint-Jean wendete das Boot und wir machten uns auf den Rückweg zum Hafen von Carcassonne. Wo wir auf der Hinfahrt “bergab” fuhren, galt es jetzt, die gleiche Strecke wieder “bergauf” zu fahren bzw. den Anstieg mit Hilfe der Schleusen zu bewältigen.

Wir sind nicht alleine auf dem Canal unterwegs

Auf halber Strecke hielt das Boot an und stellte sich quer zum Kanal: In der Ferne sahen wir zwischen den Bäumen die Silhouette der Altstadt von Carcassonne.

Hinter den Häusern erhebt sich die Altstadt

Nach der kurzweiligen und sehr entspannten Bootsfahrt hieß es Abschied nehmen vom Canal du Midi und von Carcassonne.

Bis zum Abflug am späten Nachmittag vom Flughafen Toulouse hatten wir noch Zeit, die wir für einen Zwischenstopp an der Abtei von Saint-Papoul nutzten. Da die Abtei zwischen 12 und 14 Uhr geschlossen war, fuhren wir zunächst in die nächstgrößere Stadt Castelnaudary und suchten am Place de la République nach einem Café, wobei die Auswahl sehr übersichtlich war: Lediglich ein Café hatte geöffnet und das rege Treiben, das auf dem Platz und in den Markthallen sicherlich vor Jahrzehnten stattgefunden hatte, war komplett verschwunden. Anschließend fanden wir bei einem kleinen Spaziergang zum Canal du Midi zumindest ein paar weitere Cafés und Restaurants, die ihre Pforten für Gäste geöffnet hatten.

Die Klosterpforte an der Abtei in Saint-Papoul war kurz nach 14 Uhr ebenfalls geöffnet. Die Abtei trägt den Namen des ersten Priesters in Toulouse, der hier im 3. Jahrhundert nach Christus lebte und wie so oft bei Heiligen starb auch er den Märtyrertod. Etwas gruselig anmutend wird er mit halb abgetrenntem Kopf dargestellt.

Der Heilige Papoul

Anfang des 14. Jahrhunderts gründete der in Avignon regierende Papst Johannes XXII. das Bistum Papoul, die Abteikirche wurde so zur Kathedrale. Mehrfache Plünderungen im Hundertjährigen Krieg und während der Hugenottenkriege durchlebte die Abtei, bevor das Bistum nach der Französischen Revolution aufgelöst wurde. Die Kapitelle am gotischen Kreuzgang sind bereits deutlich verwittert – vom ursprünglichen Schmuck ist nicht mehr viel erhalten.

Blick auf das Chorgestühl der Abteikirche von Saint-Papoul

Nachdem wir in einem Seitenraum die Originale mittelalterlicher Steinmetzarbeiten gesehen hatten, suchten wir inner- und außerhalb der Kirche nach dem Ort der ursprünglichen Aufstellung, jedoch ohne Erfolg. Der Flyer, den wir beim Eintritt bekommen hatten, half uns nur bedingt weiter. Erst nachdem Alex eine Beschreibung der Werke in einem kleinen Kunstführer entdeckt hatte, stellten wir fest, dass sich die Steine auf der Außenseite der Apsis an der Spitze von Halbsäulen befinden. Sie gehen auf den Meister von Cabestany, einem namentlich nicht bekannten Bildhauer des 12. Jahrhunderts, zurück und stellen biblische Szenen aus dem Buch David dar.

Der Weg nach Toulouse war nun nicht mehr weit. Wir waren froh, unseren Mietwagen vollgetankt und ohne Schaden bei der Autovermietung zurückgeben zu können, kurz darauf einzuchecken und auf den Start des Rückflugs zu warten. Dieser verzögerte sich allerdings um mehr als 30 Minuten, wie auch auf dem Hinflug kam das Flugzeug verspätet an. Der Sonnenuntergang entschädigte zumindest ein wenig für die längere Wartezeit.

Über den Wolken

Damit gehen schöne und ereignisreiche 14 Tage Urlaub in Südfrankreich zu Ende. Wir sind froh, trotz Corona die Reise gemacht zu haben. Frankreich mit seinen vielen unterschiedlichen Regionen ist immer wieder eine Reise wert, und es war mit Sicherheit nicht das letzte Mal, dass wir unser Nachbarland besucht haben.

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