Naumburg 28.12. – Ein Tag im Dom und der Stadt

Die Wahl für den Kurzurlaub zwischen Weihnachten und Silvester fiel in diesem Jahr auf Naumburg an der Saale – wie im Übrigen auch letztes Jahr, wo Corona allerdings unsere Pläne durchkreuzte und für eine Stornierung der Reise sorgte. Auch dieses Jahr waren wir lange nicht sicher, ob sich Sachsen-Anhalt aufgrund der hohen Inzidenzen nicht dazu entschließen würde, Übernachtungen zu touristischen Zwecken zu untersagen – zum Glück wählte das Bundesland im Gegensatz zu Sachsen und Thüringen einen anderen Weg. Bis kurz vor Weihnachten lag die 7-Tage-Inzidenz allerdings noch bei fast 800 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Wir werden daher Menschenansammlungen so weit wie möglich meiden, was auch bedeutet, dass es keine Restaurant-Besuche unsererseits geben wird. Aber mit einer voll ausgestatteten Küche in der von uns ausgesuchten Ferienwohnung sollte dies kein Problem sein.

Am gestrigen Abend erhielten wir bei einem kurzen Bummel durch die Altstadt schon einen ersten Eindruck von der Stadt, schauten am Marktplatz, der dort aufgebauten Eislaufbahn, der Weihnachtskrippe vor der Stadtkirche und dem Dom vorbei. Heute stand eine ausgiebige Erkundung auf dem Programm, doch zunächst ein paar Fakten aus der Geschichte der Stadt. Naumburg wurde erstmals im Jahr 1012 urkundlich erwähnt, als an der Kreuzung zweier Handelswege die neue Burg der Ekkehardiner entstand. 1028 wurde das Bistum von Zeitz nach Naumburg verlegt und der Vorgängerbau für den Naumburger Dom entstand. Der heutige Dom wurde schließlich im 13. Jahrhundert erbaut. Im 16. Jahrhundert setzte sich in Naumburg die Reformation durch und 1564 wurde das Bistum letztendlich aufgelöst. Seit 2018 gehört der Naumburger Dom zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Wir hatten geplant, an einer Führung durch den Dom um 11 Uhr teilzunehmen. Da dies jedoch ausschließlich unter 2G+-Bedingungen angeboten wurde, erforderte es zusätzlich zu unserem Impfnachweis einen negativen Schnelltest. Einzige Möglichkeit heute, vor 11 Uhr einen solchen Test zu bekommen, bot sich in der Löwen-Apotheke am Marktplatz. Als wir dort um 10:15 Uhr eintrafen, standen jedoch bereits ca. 15 Wartende vor uns.

Warten gehört nicht gerade zu Jochens Vorlieben

Wir kamen kurz mit der vor uns stehenden Frau ins Gespräch, die für ihren Arbeitgeber einen negativen Test benötigt – dies aber ausschließlich deshalb, weil sie nicht geimpft ist. Interessanterweise sagte sie, dass sie im Dom arbeitet – wir sahen sie später an der Kasse bei der Entrichtung unseres Eintrittsgeldes: Der Besucher wird für den Eintritt zur Kasse gebeten, da der Dom als Eigentum einer Stiftung öffentlichen Rechts keine Kirchensteuer für seine Finanzierung erhält.

Als wir letztendlich den Test absolviert und zum Dom gehetzt waren, war es schon 5 nach 11 und das Ergebnis unseres Tests war mittels QR-Code erst in wenigen Minuten abrufbar.

Die Zeit für dieses Foto hatten wir natürlich erst im Anschluss an die Führung

Die Führung hatte jedoch noch nicht begonnen, durch die verschärften Regelungen nutzten alle übrigen Besucher einen Audioguide für ihren Rundgang – wir waren also die ersten und einzigen Teilnehmer für die Führung. Start war in der Krypta des Doms, dem ältesten Teil des Kirchenbaus, an dessen Stirnseite ein romanisches Kruzifix (entstanden um 1160/70) den Altar schmückt und im Mittelteil zwei Wandleuchter des Künstlers Heinrich Apel in Form eines Propheten und eines Engels Licht spenden.

Wer genau hinschaut, erkennt spätromanische Säulen

Weitere Kunstwerke des Magdeburger Künstlers Heinrich Apel finden sich an den Handläufen einer Treppe im Ostchor der Kirche. Einer zeigt den “Heiligen Franziskus und die Tiere”, der andere den “Schmalen Pfad ins Paradies”: Hinauf ins Paradies, wo es sich Adam und Eva gut gehen lassen, ist es jedoch ein langer, mit vielen Hindernissen gepflasterter Weg.

Am unteren Ende reitet der Teufel auf der Schlange

Im Ostchor der Kirche beeindrucken das mittelalterliche Chorgestühl und die riesigen historischen Buchpulte.

Blick in den Ostchor
Mächtige Buchpulte warten auf die Verkündigung der Heiligen Schrift

Das Langhaus wird vom Ostchor durch einen romanischen Lettner abgetrennt, der um 1230 errichtet wurde.

Vom Lettner aus wurde unter anderem die Predigt gehalten

Das besondere und einzigartige am Naumburger Dom ist, dass er neben dem Ost-Lettner auch einen West-Lettner besitzt. Letzterer grenzt das Langhaus vom Westchor ab. Die aufwendigen Steinmetzarbeiten zeigen das biblische Geschehen vom letzten Abendmahl bis zur Kreuzigung Christi. In der Mitte stehen der gekreuzigte Christus mit der Gottesmutter Maria und dem Lieblingsjünger Johannes. Die beiden Lettner werden dem namentlich nicht bekannten sogenannten “Naumburger Meister” zugeschrieben.

Auch nach Westen ist der Blick in den Chor durch einen Lettner versperrt
Christus der Gekreuzigte im Mittelpunkt des Lettners

Im Westchor finden sich nicht wie sonst üblich Heiligenfiguren im Halbrund, sondern zwölf Stifterfiguren mit Persönlichkeiten, die sich um den Bau des Doms verdient gemacht haben. Aus dem Ensemble sticht Markgräfin Uta heraus, die mit ihrer Erhabenheit und Anmut als “schönste Frau des Mittelalters” bezeichnet wird.

Nach der Besichtigung waren wir einigermaßen durchgefroren und mussten erst mal einen heißen Tee und ein Stück Kuchen im naheliegenden Dom-Café zu uns nehmen – und Jochens Handy-Akku aufladen. Das Handy benötigten wir wenig später für unseren Rundgang durch die Stadt.

Start und erste Station war am Marktplatz (insgesamt waren es 43 Stationen, am Ende ließen wir aber einige aus), wo wir Wissenswertes über Gebäude und Geschichte der Stadt erfuhren. Die Bauten rund um den Platz entstanden nach dem Stadtbrand 1517 im Renaissance- und Barockstil und bilden eine architektonische Geschlossenheit. Erwähnenswert ist neben dem Rathaus der Stadt das sogenannte Schlösschen, in dem sich heute die Tourist-Info befindet und das im 16. Jahrhundert als bischöfliche Residenz diente.

Der Bischof von Naumburg wohnte wahrlich nicht gerade bescheiden
Rathaus mit Ratskeller

Anziehungspunkt für die Kinder der Stadt ist aktuell eine Eislaufbahn, die trotz Temperaturen über dem Gefrierpunkt für winterliches Vergnügen sorgt.

Gleich hinter dem ehemaligen Bischofssitz reckt sich der mächtige Turm der Stadtkirche St. Wenzel in den Himmel. Das barocke Innere der Kirche wie der Aufgang zum Turm blieb uns leider verschlossen, da die Kirche nur im Sommer geöffnet ist. Eine kleine Entschädigung bot die vor dem Kirchenportal aufgestellte Weihnachtskrippe mit überlebensgroßen Figuren, die auf Initiative des Künstlers Stefan A. Hutter erstmals 2012 aufgebaut wurde, damals lediglich mit Figuren der heiligen Familie. Seitdem kommt jedes Jahr eine neue Krippenfigur hinzu.

Gleich hinter der Marktkirche führt ein Torbogen in die Jüdengasse, dem ehemaligen Wohnviertel der jüdischen Einwohner der Stadt. Auf Veranlassung des Kurfürsten wurden die Juden 1494 aus allen sächsischen Städten vertrieben und so blieb nicht viel vom ehemaligen jüdischen Viertel erhalten.

Weiter ging es für uns auf den Holzmarkt, auf dem man dem Philosophen Friedrich Nietzsche, der in der Stadt einen Großteil seiner Kindheit und Jugend verbrachte, ein Denkmal gesetzt hat. Nicht weit davon entfernt befindet sich das ehemalige Wohnhaus der Familie.

Zum nächsten Ort auf unserem Stadtrundgang wollten wir eigentlich die historische Straßenbahn nehmen, wir verpassten die Abfahrt jedoch um wenige Augenblicke. Die nächste Bahn wäre erst in einer halben Stunde gefahren – also entschieden wir uns zum Fußmarsch entlang der alten Stadtmauer.

Der Straßenbahnbetrieb Naumburg ist der kleinste in Deutschland und verkehrt aktuell zwischen neun Haltestellen. Nach der Wende wurde der Betrieb der Bahn zunächst komplett eingestellt und erst 1994 wieder aufgenommen, jedoch auf einer deutlich reduzierten Wegstrecke und zunächst nur am Wochenende. Mittlerweile verkehrt die Bahn wieder täglich und beförderte 2018 181.000 Fahrgäste in historischen Fahrzeugen. Die Palette umfasst nahezu alle Bahnen, die in der DDR mit 1000mm Spurweite produziert wurden.

Durch das Marientor, dem letzten noch erhaltenen Stadttor von Naumburg, spazierten wir in die Stadt zurück.

Das Marientor – müsste eigentlich Maria Magdalenentor heißen,
man hatte die im Tor ausgestellte Figur falsch interpretiert

Im Anschluss ging es durch die Altstadt noch einmal zum Dom, um weitere Fotoaufnahmen von außen zu machen, wobei wir einen kurzen Abstecher zum Oberlandesgericht unternahmen, um im Anschluss den Weg zurück zur Ferienwohnung in Angriff zu nehmen.

Johann Bernhard Lorbeer, der die Apotheke 1733 übernahm, änderte den Namen der Einhorn-Apotheke in Lorbeerbaum-Apotheke
Nicht ganz einfach, alle vier Türme des Doms auf ein Bild zu bekommen
Das Oberlandesgericht in Naumburg – angemessener Rahmen für richterliche Beschlüsse

Das war es dann für heute – wobei noch nicht ganz. Bei Urlauben vor Corona, als Restaurant-Besuche noch ohne Einschränkungen möglich waren, gab es das eine oder andere Mal ein Foto des Abendessens. Auf ein Bild der von zu Hause mitgebrachten und erwärmten Käsespätzle verzichten wir aber.
Danach ging es auf die gemütliche Couch – wir sind gespannt, was uns morgen in Halle erwartet.

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