Naumburg 29.12. – Ausflug nach Halle

Nach gut einer Stunde Fahrt Richtung Norden erreichten wir Halle an der Saale, die viertgrößte Stadt der neuen Bundesländer und mit rund 230.000 Einwohnern die größte Stadt Sachsen-Anhalts. Im Jahr 961 gegründet, sorgten die salzhaltigen Quellen für Reichtum und schnelles Wachstum der Stadt. Im Jahr 1484 wurde der Grundstein für den Bau der Moritzburg als Wohnsitz der Magdeburger Erzbischöfe gelegt. Ab 1514 residierte Kardinal Albrecht, Erzbischof von Magdeburg und Mainz in der Moritzburg, nach dem Papst der ranghöchste kirchliche Würdenträger im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“. Sein ausschweifender Lebensstil, den er mit Ablasshandel finanzierte, veranlasste im Jahr 1517 Martin Luther dazu, einen Brief an den Kardinal aufzusetzen, dem er seine 95 Thesen beifügte. Der Kardinal rührte sich nicht und nachdem Luther die Thesen ein paar Bekannten weitergegeben und diese sie veröffentlicht hatten, nahm das Schicksal für Kardinal Albrecht seinen Lauf: 1541 musste er die Stadt auf Druck der Reformationskräfte verlassen.

Die Moritzburg wurde im 30jährigen Krieg stark beschädigt und blieb lange Zeit eine Ruine. Seit 1904 beherbergt der Bau ein Kunstmuseum – unser erstes Ziel für den heutigen Tag. Die aktuelle Sonderausstellung ist dem Maler Willi Sitte gewidmet.

Geboren wurde Willi Sitte 1921 in der Tschechoslowakei, nach dem Zweiten Weltkrieg kam er nach Halle. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde er Dozent und später Hochschullehrer. Der Konflikt mit der SED führte 1963 zu einer in der Tagespresse veröffentlichten von der Partei geforderten Selbstkritik. Ab 1964 begann mit der Wahl in den Zentralvorstand des Verbands Bildender Künstler der DDR die aktive kulturpolitische Tätigkeit Willi Sittes. In der Ära Honecker ab 1970 bis zum Ende der DDR entwickelte er sich zu einem der einflussreichsten Künstler und Kulturpolitiker des Landes.

Bild des Künstlers und seiner Ehefrau

Der Maler orientierte sich bei einigen seiner Werke auch am Stil westeuropäischer Maler und so erinnern einige Werke an Arbeiten von Pablo Picasso.

Sieht ein bisschen nach Picasso aus – ist aber Sitte

Andere wiederum zeigen Chemiearbeiter bei einer Pause, wobei es in dem Beruf in der damaligen DDR sicherlich nicht so sauber zuging, wie die Bilder es suggerieren. Aber die Parteiführung war mit Sicherheit einverstanden.

Chemiearbeiter bei ihrer Pause

Hier ein paar weitere Gemälde, bei denen uns insbesondere diejenigen gefielen, in denen wie in “Schwimmer” oder “Wasserspringer” die Bewegung hervorragend eingefangen wurde:

Franz Kafka zählte zu den wenigen Portraits, die Willi Sitte anfertigte

Im Anschluss schauten wir uns noch ein wenig in den Räumen der permanenten Ausstellung um, die unter anderem sakrale Kunst des Mittelalters bis zum Barock und Kunst des 16.-19. Jahrhundert zeigt, bevor wir uns im Museums-Café stärken mussten. In direkter Nachbarschaft zur Moritzburg spazierten wir zur Universität, vorbei an einer Vielzahl von Restaurants und Cafés, die zu Vorlesungszeiten sicher von einigen der über 20.000 Studierenden frequentiert werden.

Die Studierenden sind alle noch im verdienten Weihnachtsurlaub

Nicht weit von der Universität entfernt steht das prunkvolle Gebäude der Leopoldina, der nationalen Akademie der Wissenschaften. Einige der hier forschenden Wissenschaftler beraten die Bundesregierung beim Umgang mit der Corona-Pandemie.

Bei der Rückkehr zum Auto fanden wir dummerweise einen Hinweis des Ordnungsamts am Scheibenwischer vor. Wir hatten die Parkgebühr via App bezahlt, das Ordnungsamt hatte dies jedoch offensichtlich nicht geprüft. Führt vermutlich nach Zustellung des Strafzettels zu blöden Diskussionen mit dem Ordnungsamt.

Vorsorglich parkten wir für die weitere Besichtigung von Halle das Auto im Parkhaus. Vom Hansaring war es nicht weit zum Marktplatz der Stadt, auf dem aktuell der Weihnachtsmarkt stattfand. An den bunten Fahrgeschäften und Buden mit allerlei Leckereien waren wir weniger interessiert, wir setzten unseren Rundgang fort und steuerten zunächst den Dom an. Im Gegensatz zu den hoch aufragenden Türmen der Marktkirche sieht der Dom eher unscheinbar aus, da ihm ein markanter Turm fehlt. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Kirche zusammen mit der Neuen Residenz Anfang des 16. Jahrhunderts Teil des einflussreichsten, mächtigsten und repräsentativsten Stifts nördlich der Alpen war. Alle beweglichen Ausstellungsstücke der Kirche nahm Kardinal Albrecht im Jahr 1541 mit nach Aschaffenburg, wo sie sich noch heute befinden.

Für den Turm war wohl kein Geld mehr da

Das Geburtshaus einer weiteren großen Persönlichkeit der Stadt Halle – Georg Friedrich Händel – befindet sich inmitten der Altstadt und ist heute als Musikmuseum eingerichtet. Dies und noch ein paar weitere Eindrücke aus unserem Rundgang durch die Altstadt auf den folgenden Bildern:

Am 23. Februar 1685 kam in diesem Haus Georg Friedrich Händel zur Welt und lebte hier 18 Jahre lang

Blick auf das schön restaurierte Graseweghaus

Zurück am Marktplatz statteten wir der Tourist-Info und dem angegliederten Halloren-Café einen Besuch ab. Die Halloren Schokoladenfabrik ist die älteste bis heute noch produzierende Schokoladenfabrik Deutschlands und wir konnten natürlich nicht widerstehen, zwei Halloren-Kugeln und eine Packung Mozart-Kugeln zu kaufen.

Wir brauchen’s auch süß – aber nicht zwingend mit Halloren-Kugeln

Um einen Überblick über den Marktplatz mit der Marktkirche zu bekommen, gingen wir im Anschluss zu Galeria Kaufhof, dessen Café im obersten Stockwerk einen herrlichen Rundumblick bietet.

Zurück auf dem Marktplatz schauten wir uns noch den Halleschen Roland an – Symbol der bürgerlichen Freiheit, der Eigenständigkeit und der hohen Gerichtsbarkeit der Stadt. Die heute hier stehende Figur aus Sandstein stammt aus dem Jahr 1719 ist bereits die dritte Version, die erste wurde vermutlich bereits Mitte des 13. Jahrhunderts aus Holz errichtet. Eine Besonderheit des Halleschen Roland ist, dass er – im Gegensatz zu anderen Rolandstatuen in Deutschland – keine Rüstung trägt.

Im Mittelalter hatte der aus dem Rolandslied bekannte Roland den Status eines Volkshelden

Auf dem Rückweg nach Naumburg sahen wir südlich von Halle die Lichter der Chemiewerke in Schkopau und Leuna. Die ehemaligen VEB Staatsbetreibe wurden nach der Wende privatisiert, teilweise aufgespalten und an internationale Großkonzerne veräußert, so dass der ursprüngliche Standort erhalten werden konnte.

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