Ein bisschen was von der Stadt hatten wir bereits vorgestern Abend bei unserem kurzen Spaziergang durchs Herz der Altstadt gesehen. Heute wollten wir mehr von der Stadt erfahren, die bei uns vor allem für ihre Universität bekannt ist, und deren Name für uns mit dem Englisch-Unterricht verbunden ist, in dem wir das “Oxford English Dictionary” nutzen durften, wenn wir wieder mal ein neues Wort nicht verstanden.
Start unserer Entdeckungstour war das Christ Church College, wo wir am Vormittag eine Tour gebucht hatten und uns unser Guide bereits erwartete. Das College wurde im Jahr 1546 von König Heinrich VIII., -der mit dem großen Verschleiß an Ehefrauen – gegründet und ist damit eines von insgesamt 39 Colleges, die autonome Körperschaften innerhalb der Universität darstellen. Die Colleges sind nicht nur Studentenunterkünfte (Christ Church bietet 700 Studenten Platz) sondern bilden einen wesentlichen Bestandteil der Lehre, denn Tutorials werden von den Colleges organisiert, während Vorlesungen, Prüfungen und Laboratorien von der Universität organisiert werden.
Architektonisch ist vor allem die Great Hall und der Treppenaufgang zur Halle beeindruckend, in der die Studenten ihre Mahlzeiten einnehmen. Besucher werden nicht nur wegen der Architektur angelockt, auch Harry Potter-Fans kommen auf ihre Kosten, denn die Halle diente für Hogwarts “Große Halle” als Inspiration, auf der großen Treppe nach Hogwarts gingen Harry, Ron, Hermine und andere Erstklässler hinauf.

Einer der berühmten Persönlichkeiten des Colleges war der Mathematikdozent Charles Dodgson, der später unter dem Pseudonym Lewis Carroll Kinderbücher veröffentlichte. Alice im Wunderland, dessen Protagonistin den Namen der Tochter des damaligen Dekans trägt, machte den Autor weltberühmt. Ihm zu Ehren wurde eines der Fenster der Great Hall mit Figuren aus dem Buch verziert.

Bereits zu Hause hatten wir Fotos der Radcliffe Camera gesehen, die von oben aufgenommen einen herrlichen Blick auf das Gebäude zeigten. Wir fragten uns, wo wohl der Fotospot dafür sei – entgegen der ursprünglichen Annahme war es kein Drohnenfoto, sondern der Blick vom Turm der Kirche St Mary the Virgin.

Für den Aufstieg zum Turm war allerdings Geduld gefragt, denn die Besucher wurden nur in großen Abständen hinaufgelassen. Nach ca. 45 Minuten Wartezeit und dem Aufstieg zeigte sich, dass nur ein ganz schmaler Umgang um den Turm führt, der nur wenigen Besuchern Platz bietet. Das Warten hatte sich aber wegen der tollen Aussicht gelohnt.
Das im 18. Jahrhundert erbaute Gebäude beherbergte ursprünglich eine Bibliothek und wird heute als Lesesaal genutzt. “Camera” hat nichts mit Fotos zu tun, sondern leitet sich aus dem lateinischen Wort für “Raum” ab. Auch von unten macht das Gebäude etwas her.

Damit war die Liste der alten Gemäuer auf unserer Tour durch Oxford aber noch lange nicht abgeschlossen. Als nächstes spazierten wir zum Magdalen College, das bereits im Jahr 1458 gegründet wurde. Bei dem Rundgang durch das College galt es, den wunderschönen Kreuzgang, die Große Halle und die Kapelle zu entdecken und die Architektur zu bewundern.





Und weiter ging unsere Zeitreise durch die Jahrhunderte in der Bodleian Library, der Hauptbibliothek der Universität von Oxford. Die Bibliothek gehört zu den Pflichtexemplarbibliotheken im Vereinigen Königreich, was bedeutet, dass jedes im Land gedruckte Werk dort zu lagern ist. Der älteste erhaltene Raum auf unserem Rundgang war die Divinity School aus dem 15. Jahrhundert mit einer unglaublich kunstvollen Decke. Der Raum wird auch heute noch für Universitätszwecke genutzt.

Der zweite magische Ort in der Bibliothek, die Duke Humfrey’s Bibliothek ist der älteste Lesesaal der Universität und benannt nach Humphrey of Lancaster, dem 1. Duke of Gloucester, der nach seinem Tod 281 Bücher für die Bibliothek spendete. Natürlich mussten wir die Räume sehr leise besichtigen, schließlich waren Studenten gerade dabei, ihr Wissen zu erweitern.
Beim Kauf der begrenzten Tickets für die Touren konkurrieren “normale” Touristen mit Harry Potter-Fans, denn hier wie auch an deren Stellen in der Stadt wurden Szenen der Filmreihe über den Zauberer gedreht. Für uns eine absolute Bildungslücke – aber damit können wir leben.
Nur wenige Schritte entfernt vom Eingang der Bodleian Library überspannt eine sehenswerte Fußgängerbrücke die Straße: Die Hertford Bridge, die den alten mit dem neuen Teil des Hertford College verbindet, wird entsprechend ihrer Ähnlichkeit mit der Brücke in Venedig auch “Seufzerbrücke” genannt. Nur kann man in Oxford nicht mit dem Vaporetto unter der Brücke hindurchfahren.
Danach war es für uns an der Zeit, ans Abendessen zu denken. Heute stand mal wieder thailändisches Essen auf dem Plan. Den Eingang zum Chiang Mai Kitchen in einer schmalen Seitenstraße war nicht so einfach zu finden, das Essen jedoch schmeckte uns sehr gut. Ein letzter Blick auf die Straßen und historischen Häuser von Oxford und eine letzte Busfahrt zurück zu unserer Unterkunft, so näherte sich der letzte Tag auf englischem Boden dem Ende entgegen – morgen geht es weiter nach Wales.









