Colmar 21.07. – Kaysersberg, Eguisheim und das Museum Unterlinden

Nicht nur die großen Städte wie Colmar (67.000 Einwohner) und Straßburg (291.000 Einwohner) lohnen einen Besuch im Elsass, auch die kleinen Gemeinden, die herrlich in der durch Weinreben geprägten und leicht zu den Osträndern der Vogesen ansteigenden Landschaft verstreut liegen, sind absolut sehenswert.

Der erste Halt auf unserer Tour durch die Elsässer Weinstraße war heute der im Tal der Weiss gelegene Ort Kaysersberg. Wie auch andere Gemeinden beeindruckt die Geburtsstadt von Albert Schweitzer durch schön verzierte, renovierte Fachwerkhäuser und gepflasterte Gässchen. Als Besucher parkt man auf einem großen Parkplatz außerhalb der Altstadt, spaziert die Rue du Général de Gaulle entlang bis zu dem Punkt, an dem das historische Rathaus, die Heilig-Kreuz-Kirche (Eglise Sainte-Croix) und der Konstantin-Brunnen ein schönes Ensemble bilden, und wo am Rathaus aus dem Jahr 1604 ein ungewöhnlicher mit Delfinen geschmückter Brunnen steht.

Spaziergang entlang der Grand Rue, im Hintergrund ist bereits die Heilig-Kreuz-Kirche zu sehen
Im Vordergrund das Rathaus der Stadt mit der Tourist-Info und gleich dahinter die Kirche
Vor der Kirche der Konstantin-Brunnen aus dem Jahr 1521, auf dem der römische Kaiser Konstantin der Große (272-337) steht, der die Christenverfolgungen 313 beendete

Vor dem Betreten der Kirche lohnt ein Blick auf das Portal aus dem 12. Jahrhundert. Im Innern von Sainte-Croix dominiert die mächtige Kreuzigungsgruppe aus dem 15. Jahrhundert sowie der prächtige Schnitzaltar aus dem Jahr 1518 von Hans Bongart aus Colmar mit Szenen aus der Passion Christi.

Die Darstellung der Marienkrönung ist Gegenstand der Szene über dem Eingang
Kreuzigungsgruppe aus dem 15. Jahrhundert
 Flügelaltar mit geschnitzten Reliefs der Passion Christi

Auf dem Weg durch die Stadt kamen wir immer wieder an schön restaurierten Fachwerkhäusern vorbei, deren Ladeninhaber darauf warteten, Touristen Hüte als Sonnenschutz oder angebotene Leckereien zu verkaufen.

Auf der Brücke über die Weiss geht der Blick bis hinauf zur Burg Kaysersberg und zu dem auf der gegenüberliegenden Seite stehenden Badehaus, das ab seiner Entstehung im Jahr 1600 als Gasthaus und ab 1869 als öffentliches Badehaus genutzt wurde. Auf dem mittleren Brückenpfeiler steht eine kleine Kapelle mit Figuren von Christus und den vier Evangelisten.

Burg Kaysersberg wacht über das Weisstal, durch das einer der Hauptverkehrswege zwischen dem Oberelsass und Lothringen verlief

Ein Stück weiter nach Süden liegt der uns bisher unbekannte Ort Eguisheim, der 2013 zum „Lieblingsdorf der Franzosen“ gewählt wurde und als eines der schönsten Dörfer Frankreichs gilt. Das Stadtbild ist ungewöhnlich, es gruppiert sich in Kreisen rund um die Burg, deren Ursprünge auf das 8. Jahrhundert zurückgehen. So war es recht einfach, den Weg zu finden, wenn man einmal den Einstieg in den äußersten Häuserring gefunden hatte.

Am Taubenschlag beginnt der Rundweg durch das traumhafte Eguisheim
Als Tourist ist es herrlich, durch die engen Gassen zu schlendern – ob dies auch für Bewohner gilt?
Eguisheim – nicht umsonst eines der schönsten Dörfer Frankreichs

Am Ende des Rundgangs erreichten wir den zentralen Platz mit der Burganlage, die ihr Aussehen im 19. Jahrhundert stark veränderte, als große Teile der Burg abgetragen wurden und man anstelle dessen eine Kapelle in Gedenken an Papst Leo IX. errichtete, der angeblich in dem Ort geboren wurde – was aber nicht zweifelsfrei dokumentiert ist.

Zentraler Platz in Eguisheim mit Burg, Kapelle und Brunnen
Blick ins Innere der Kapelle in Gedenken an Papst Leo IX. – nicht nur schön anzusehen, sie bietet auch vor Regen Schutz

Unabhängig von dem beeindruckenden Innern schützte die Kapelle uns vor dem einsetzenden Regen, der eigentlich zu einem späteren Zeitpunkt angekündigt war. So gingen wir nur noch zur Kirche St. Peter und Paul, in der im früheren Portal in einer Nische eine Schreinmadonna sitzt. Ihr Rumpf lässt sich öffnen und bewahrte vermutlich eine Monstranz auf.

Anschließend fuhren wir nach Colmar zurück, um dem Museum Unterlinden einen Besuch abzustatten. In der Sonderausstellung Couleur, Gloire et Beauté / Farben – Reich – Schön wurde altdeutsche Malerei der Jahre 1370 bis 1550 aus französischen Sammlungen gezeigt, nahezu ausschließlich Werke mit christlichem Hintergrund von z.B. Lucas Cranach, Martin Schongauer oder Albrecht Dürer.

Und natürlich wollten wir noch einmal das Meisterwerk von Matthias Grünewald sehen, das in seiner vollen Pracht in der Kirche des ehemaligen Dominikanerinnenklosters präsentiert wird.

Blick von der Empore auf den 1512-1516 erbauten Isenheimer Altar von Matthias Grünewald
Äußere Schauseite des ersten Wandbilds des Isenheimer Altars mit den Märtyrern Sebastian (links) und dem Einsiedler Antonius (rechts)

Das Museum zeigt aber nicht nur Kunst des Mittelalters, auch Werke der Moderne werden ausgestellt. Für die Erweiterung der Ausstellungsfläche integrierten die Architekten Herzog & de Meuron das dem ehemaligen Kloster gegenüberliegende Stadtbad und verbanden die beiden Teile über einen unterirdischen Gang.

Ehemaliges Badhaus und seit 2015 Teil des Museums Unterlinden
Treppenhaus, um den unterirdischen Verbindungsgang zum Badhaus zu erreichen

Wie wir zu Hause auf Fotos feststellen konnten, hatten wir einen Teil der Werke bereits bei früheren Aufenthalten gesehen. Da diese aber schon so lange zurückliegen, freuten wir uns wie beim ersten Mal sie zu sehen.

Zu Abend wollten wir im Fer Rouge essen, einem Restaurant mit typisch elsässischer Küche. Der Andrang für Plätze im Außenbereich war so groß, dass sich bereits vor der Öffnung um 18 Uhr eine ordentliche Schlange bildete. Wir hatten Glück und bekamen noch einen Tisch, wo wir uns “Fleischschnacka mit grünem Salat” und “mit Munsterkäse gefüllte Hähnchenbrust und Spätzle” schmecken ließen.
Da der Akku des Smartphones leer und keine Powerbank greifbar war, gibt es ausnahmsweise mal keine Fotos davon.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert