Straßburg 23.07. – Odilienberg, Obernai und Museum Würth in Erstein

Heute Morgen hieß es Abschied nehmen von unserem Hotel in Colmar, auf dem Weg zur neuen Unterkunft in Straßburg wollten wir uns noch einige historische wie auch moderne Sehenswürdigkeiten anschauen.

Wie gestern ging es heute zunächst hoch hinaus: Rund 20 Kilometer Luftlinie nördlich der Hohkönigsburg liegt auf 763m Höhe der Odilienberg auf dessen Spitze sich das Kloster Hohenburg befindet. Gegründet wurde es bereits im 7. Jahrhundert von der heutigen Schutzpatronin des Elsass Odilia, einer Tochter des fränkischen Herzogs Eticho. Die Legende besagt, dass sie blind zur Welt kam und daraufhin von ihrem Vater verstoßen wurde. Angeblich erlangte sie am Tag ihrer Taufe das Augenlicht und versöhnte sich später mit ihrem Vater, der ihr die Hohenburg vermachte, wo sie 690 ein Kloster gründete.

Kloster Odilienberg mit der Namensgeberin, die in die Ferne blickt
Blick von der Aussichtsterrasse in die Rheinebene

Pilger kommen heute zum Kloster, um am Grab der Heiligen Odilie zu beten – auch Papst Johannes-Paul II war 1988 dort, wie man auf einer Gedenktafel am Eingang zum Kloster lesen kann. Unabhängig vom Glauben kommen Menschen auch hierher, um den wunderbaren Fernblick in die Rheinebene zu genießen. Vor dem Kloster “begrüßten” uns drei uniformierte und bewaffnete Polizisten: ob ausschließlich als reine Vorsichtsmaßnahme aufgrund der anstehenden Olympischen Spiele in Paris oder zum Schutz christlicher Einrichtungen in Frankreich konnten wir nicht herausfinden.

Wir machten einen Rundgang durch das Kloster – Tränenkapelle und Engelskapelle waren wegen Renovierung geschlossen – besuchten das Grab der Heiligen, genossen die Aussicht und legten ein kurze Pause im Kloster-Restaurant ein, wo gerade für die Pilger aufgetischt wurde.

Klosteranlage mit Sonnenuhr auf der linken Seite
Statue der Heiligen Odilie im Innenhof des Klosters
Blick in die Kirche des Klosters
Das Ziel der Pilger: Der Sarg mit den sterblichen Überresten der Heiligen
Gedenkstein und Plakette anlässlich des Besuchs von Johannes Paul II. 1988

Wieder im Tal angekommen fuhren wir nach Obernai (deutsch: Oberehnheim), um dem letzten elsässischen Weindorf auf unsrer Reise durch das Elsass einen Besuch abzustatten. Nachdem wir das Auto am Rand der ehemaligen Stadtmauer abgestellt hatten, spazierten wir zum zentralen Marktplatz mit Kappelturm, Rathaus und Odilienbrunnen. Der Kappelturm, heute Wahrzeichen der Stadt, diente drei Zwecken: Stadtturm, Wachturm und Glockenturm einer Kapelle, die Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde. Gleich daneben steht das Rathaus der Stadt, das Mitte des 19. Jahrhunderts im Stil der Neorenaissance erweitert wurde. Den Odilienbrunnen aus dem Jahr 1904 schmückt eine Statue der Heiligen, die passenderweise ein Buch mit zwei Augen in der Hand hält – ein Zeichen dafür, dass sie bei Ihrer Taufe ihre Blindheit besiegte.

Rathaus mit Kappelturm und Odilienbrunnen auf der linken Seite

Nach einem Rundgang durch die Stadt nahmen wir am Marktplatz im Café Le Comptoir Platz: wir orderten zwei Stück Kuchen und ein Wasser und waren anschließend um 20 EUR erleichtert – aber wir sind ja im Urlaub.

Ehemalige Kornhalle der Stadt, in der heute ein Restaurant Einzug gehalten hat
Romanisches Haus, erbaut im Jahr 1240 mit kleinen romanischen Fenstern, Säulen und Kapitellen
Auf dem Sternplatz lässt sich Karussell fahren
Blick auf die Auslage des Cafés Le Comptoir – wir haben übrigens nicht den verlockenden Cookie im Vordergrund verzehrt

Auf dem Rückweg zum Auto schauten wir noch an der St. Peter und Paul Kirche vorbei, die 1872 geweiht wurde und einen Vorgängerbau aus dem 15. Jahrhundert ersetzte. Auch hier begegnete uns die Schutzheilige des Elsass, die Heilige Odilie.

Kirche St. Peter und Paul in Obernai
Reichhaltiger Schmuck im Innern der Kirche
Abbildung der Heiligen Odilie in einer Seitenkapelle der Kirche

Alte Gemäuer hatten wir für heute genügend gesehen, so lag das letzte Ziel vor unserer Weiterfahrt nach Straßburg im Industriegebiet von Erstein. Reinhold Würth – der Mann, der aus einer Schraubenhandlung den Weltmarktführer für Montage- und Befestigungstechnik machte – gründete an den Standorten der Auslandsniederlassungen seiner Firma Museen, die Kunstwerke aus dem eigenen gesammelten Bestand zeigen.

Museum Würth in Erstein – am Nachmittag war kein wirklich großer Andrang zur Ausstellung

Aktuell unterhält die Würth-Gruppe 15 Museen mit freien Eintritt im In- und Ausland, nur der Audioguide ist nicht kostenlos. Für diesen hatten wir allerdings Gutscheine, so dass der Besuch inkl. Erläuterungen der Ausstellung Frisbee! Sport und Freizeit. Sammlung Würth für uns komplett kostenlos, aber nicht umsonst war. Hintergrund der Ausstellung ist der Bezug zu den Olympischen und Paralympischen Spielen im Sommer 2024 in Paris.

Antiker Diskuswerfer im Vergleich zum Frisbee-Werfenden von Donna Stolz in ihrem Werk “Show me a garden that’s burstin into light” (2007)

Die Ausstellung zeigte Werke unterschiedlicher Sportarten und Epochen, nachdem Freizeit und damit auch Sport als eine Zeit der Erholung und Entspannung unter anderem durch den technischen Fortschritt und die Einführung des bezahlten Urlaubs überhaupt erst möglich wurde. Hier eine Auswahl der Kunstwerke, die sich natürlich alle im Besitz der Sammlung Würth befinden.

Das Museum erstreckt sich über zwei Etagen, so dass man von der Empore einen guten Überblick gewinnen konnte.

Erdgeschoss des Ausstellungsgebäudes

Besonders humorvoll fanden wir die Collage Camping von Martin Liebscher, der sich selbst zigmal in unterschiedlichen Situationen und Posen in Szene setzte und damit den Alltag oder auch den Irrsinn des Campens aufzeigte.

Martin Liebscher – Camping (2004)

Auch die beiden ausgestellten Bilder der Südtiroler Künstlerin Christine Gallmetzer gefielen uns.

Christine Gallmetzer – Turmspringer (2019) links und Springerin (2020) rechts

Nach der Ausstellung fuhren wir nach Straßburg, checkten im Hotel ein und gingen zu Fuß zum indischen Restaurant Tamil, wo wir zuvor reserviert hatten. Wir kamen mit unseren Speisen mit Schärfegrad “medium” schon ins Schwitzen und waren beeindruckt, dass am Nebentisch, wo mutig “hot” gewählt worden war, diese ohne auch nur mit der Wimper zu zucken oder Schweiß von der Stirn zu tupfen verspeist wurden.

Morgen an unserem letzten Tag im Elsass steht der Rundgang durch die Altstadt Straßburgs auf dem Programm. Wir sind gespannt, woran wir uns noch erinnern.

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