Heute hieß es Abschied nehmen von der walisischen Südküste. Bevor wir uns auf die knapp vierstündige Fahrt in den Norden begaben, legten wir nach einer halben Stunde einen kurzen Zwischenstopp am Pentre Ifan ein. Inmitten idyllischer Landschaft mit steinbegrenzten Schafweiden und nur über schmale Straßen zu erreichen, steht hier das bekannteste megalithische Monument in Wales. Das Grab wurde um 3500 v. Chr. errichtet und war ursprünglich für die gemeinschaftliche Bestattung von Toten bestimmt. Angeblich liegt der geschätzt 16 Tonnen schwere Deckstein seit über 5000 Jahren auf den Spitzen der drei Tragsteine, die den Eingang zum Grab markierten.
So idyllisch, wie sich die Landschaft heute präsentierte, war es hier nicht immer. Im 13. Jahrhundert tobten an dieser Stelle Kriege der Engländer gegen die Waliser. Während aus dem ersten Krieg von 1262 bis 1267 der walisische Fürst Llywelyn ap Gruffydd noch siegreich hervorging, gelang es König Edward I. 1283 die Waliser zu unterwerfen und die Region England anzugliedern. Um ihre Macht zu zementieren, begannen die Engländer einen Ring von Burgen entlang der Küste von Snowdonia zu errichten.
Harlech Castle, eine von vier Burgen, die mittlerweile zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen, entstand so in lediglich sechs Jahren. Im Wettbewerb mit den anderen Burgen beeindruckt insbesondere die Lage auf einem steilen Felsvorsprung mit weitem Blick über die Dünen und das Meer. Ursprünglich direkt am Meer gelegen, konnte die Burg bei Belagerung vom Meer aus versorgt werden. Heute ist es für Touristen deutlich leichter, die Burg über eine Besucherbrücke zu “erobern”.
Von Harlech Castle waren es nur ca. 20 Minuten bis zum Highlight des heutigen Tages: Portmeirion. Bei entsprechendem Wetter fühlt sich der Besucher nach Italien versetzt. Das Dorf entstand nach den Plänen des walisischen Architekten Sir Clough Williams-Ellis ab Beginn des 20. Jahrhunderts in zwei Phasen: Von 1926 bis 1939 und von 1954 bis 1976. Zu diesem Zeitpunkt war Clough Williams-Ellis bereits über 90 Jahre alt. Da es im 20. Jahrhundert lange Zeit nicht so einfach war, von der Insel nach Italien zu gelangen, entstand “Italien in Kleinformat” an der walisischen Küste: Hier erholten sich in den Folgejahren Film- und Literaturgrößen. Später kamen Teile der Beatles hierher, ihr Manager Brian Epstein bekam sogar eine eigene Unterkunft im Anbau des Gate House.

Bei der Architektur ließ sich der Erbauer von Orten in Italien inspirieren, so dass die Besucher heute unter anderem einen Campanile und eine zentrale Piazza bewundern können. Da das Dorf als Touristenziel konzipiert war, durfte natürlich auch ein Hotel, direkt am Wasser gelegen, nicht fehlen. Hier weitere Impressionen unseres Rundgangs durch Portmeirion.




Rund um das Dorf lädt ein zehn Hektar großes Waldgebiet zum Spazieren und Staunen ein. Trampelpfade führen über das Gelände und laden Besucher dazu ein, exotische Pflanzen und Bäume sowie einen Hundefriedhof zu entdecken, auf dem die vierbeinigen Bewohner von Portmeirion beerdigt wurden.
Als wir von Portmeirion im Reiseführer lasen, wussten wir nicht, ob wir uns das Dorf anschauen sollten, denn eine Kopie von Italien kann nie so gut sein wie das Original, und an einem Ort à la Disneyland hatten wir kein Interesse. Wir waren jedoch von Portmeirion angetan und fanden den Besuch lohnenswert.
Im Anschluss fuhren wir nach Betws-y-Coed – was man zum Glück schreiben kann und nicht aussprechen muss – zum liebevoll eingerichteten B&B Aberconwy House, unsere Unterkunft für die kommenden drei Tage. Im Ort aßen wir im indischen Restaurant Abbasi’s zu Abend, zurück im B&B konnten wir glücklich und zufrieden auf unser Bett sinken und den Tag noch einmal gedanklich Revue passieren lassen.


Morgen geht es hoch hinaus zum höchste Berg Wales’, dem Mount Snowdon.








