Dresden (Deutschland) 12.09. – Kein Elefant im Porzellanladen

Dresden hat so viel zu bieten, so dass wir vor 13 Jahren keine Gelegenheit hatten, die Sehenswürdigkeiten im Umland zu besichtigen. Das wollten wir heute nachholen und starteten nach dem Frühstück zu einem Ausflug nach Meißen. Eines vorab: Wir haben kein neues Geschirr erworben – noch nicht mal eine Espressotasse gekauft! Die beiden Säbel als Teil des Logos der „Meissener Porzellan“ wird man also auch weiterhin vergebens in unserem Haushalt suchen.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Meißen sieht man bereits bei der Anreise mit dem Auto entlang der Elbe: Auf dem Burgberg springen sofort die Albrechtsburg und der Dom ins Auge des Besuchers. Auch aus der Nähe betrachtet erwiesen sich sowohl der Burgberg als auch der Rest der Altstadt als sehr sehenswert.

Meißen aus der Ferne: Burgberg und Elbe

Für eine geführte Besichtigung von Dom und Albrechtsburg buchten wir im Dom eine Kombi-Tour mit dem Namen „Raum-Klang-Fürstenpracht„, zu der zwischen beiden Führungen auch ein viertelstündiges Orgelkonzert gehörte – zu unserer Schande müssen wir gestehen, dass wir keinen Unterschied zwischen den Jahrhunderten, in denen die einzelnen Werke entstanden sind, heraushören konnten.

Meißener Dom
Meißener Dom

Das Christuskreuz am Altar des Doms besteht, wie könnte es in Meißen anders sein, aus Porzellan. Hatten wir in der Grablege der Wettiner in der Hofkirche in Dresden bereits einige Gräber der Herrscherdynastie gesehen, so konnten wir heute in der Fürstenkapelle weitere Gräber besichtigen.

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Altar mit Christuskreuz und Kandelabern aus Porzellan, dahinter der Lettner
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Chor mit Stifter- und Patronatsfiguren der Naumburger Dombauwerkstatt
Fürstenkapelle

In der Albrechtsburg, von der wir lediglich das erste Geschoss besichtigten, wohnte niemals ein Familienmitglied der Wettiner. Nach dem Auftrag zum Schlossbau 1471 zerstritten sich die beiden Brüder Ernst und Albrecht, was letztendlich zur Leipziger Teilung – das Land wurde in einen ernestinischen und einen albertinischen Teil aufgespalten – führte. Der heutige Freistaat Sachsen entspricht mit seinen Landesgrenzen weitgehend dem albertinischen Herrschaftsgebiet.
Erst 1710 brachte August der Starke Leben in die Burg: Er ließ dort die erste europäische Porzellanmanufaktur errichten.

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Albrechtsburg mit Großem Wendelstein
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Der Große Wendelstein von innen
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Albrechtsburg von innen
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Großer Saal der Albrechtsburg

Wir interessierten uns nach der Führung weniger für die Produktion des Meissener Porzellans, sondern mehr für die Herstellung lokaler Kuchenspezialitäten und so musste im Café am Dom natürlich auch eine Sächsische Eierschecke mit Mohn probiert werden. Den Geschmackstest hat diese an Käsekuchen erinnernde Spezialität bestanden.

Ausblick von der Terrasse des Café am Dom
Ausblick von der Terrasse des Cafés am Dom
Sächsische Eierschecke mit Mohn
Sächsische Eierschecke mit Mohn

Durch die Altstadt spazierten wir zu unserem Parkplatz und fuhren zurück nach Dresden, um uns die Frauenkirche von innen anzuschauen.

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Meißen Marktplatz

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Das Fotoverbot im Innenraum der Frauenkirche wurde nicht nur von uns geflissentlich ignoriert. Danach setzte Jochen die Besichtigung von der Kuppel aus fort: Nach Zahlung von 8 EUR fährt man mit dem Aufzug auf eine Höhe von 26m und erklimmt die restlichen Meter über einen leicht ansteigenden, stufenlosen Wendelgang, der zwischen Außen- und Innenkuppel verläuft. Belohnt wurde die Mühe mit einem herrlichen Rundumblick über Dresden.

Innenraum der Frauenkirche
Innenraum der Frauenkirche
Blick in die Kuppel der Frauenkirche
Blick in die Kuppel der Frauenkirche
Panoramablick
Panoramablick

Vor dem Abendessen wollten wir an der Abendandacht in der Kirche teilnehmen. Nach Orgelmusik und einem kurzen Gebet sollte eine zentrale Kirchenführung stattfinden, also eine Erläuterung des Kircheninneren von der Kanzel aus. Die Besucher bleiben dabei auf ihrem Platz sitzen, da von den Sitzplätzen der gesamte Innenraum sichtbar ist. Dazu kam es jedoch nicht: Vor der Kirche wurde ein angeketteter türkisfarbener Koffer entdeckt. Da nicht klar war, ob sich jemand einen Spaß(?) erlaubt hatte oder ein Tourist den Koffer dort vergessen hatte oder ein ernster Anlass bestand, wurde die Kirche nach der Orgelmusik geräumt und der Außenbereich von der Polizei abgesperrt. Nach dem nun unfreiwillig frühen Abendessen sahen wir, dass die Sperrung des Kirchenvorplatzes wieder aufgehoben war.

Nach Einbruch der Dunkelheit wollten wir die beleuchteten historischen Gebäude der Stadt von der anderen Elbseite aus anschauen. Den Anblick bei Tage hat der
Hofmaler Bernardo Bellotto – auch Caneletto genannt – durch sein berühmtes Gemälde „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke“ von 1748 in die Welt getragen. Der Anblick ist heute noch weitgehend erhalten bzw. durch den Bau der Frauenkirche wieder hergestellt.

Skyline
Skyline
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Fast ein Canaletto

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